LUXEMBURG
LJ

Mit „Hard West“ erneuert CreativeForge Games das taktische Rundenstrategie-Genre

Anhänger der rundenbasierten Strategie haben Grund zur Freude. Denn mit den polnischen Entwicklern hinter CreativeForge Games lebt dieses Genre in der Tradition der XCom-Spiele wieder neu auf. Während sie jüngst auf der E3 ihr neustes Werk „Phantom Doctrine“ vorstellten, das uns voraussichtlich im Sommer ein Szenario des Kalten Krieges führen wird, haben die Warschauer mit „Hard West“ schon einmal gezeigt, was sie drauf haben.

„Hard West“, das sind im Grunde acht in sich abgeschlossene aber zusammenhängende Geschichten in einem mit übernatürlichen Elementen versehenen Wilden Westen. So begleiten wir etwa den Erfinder Solomon DeLear, um eine Region von sich ausbreitendem Wahnsinn zu befreien. Das Spiel funktioniert dabei immer auf zwei Ebenen. Auf einer Karte der Region bewegen wir unsere Gruppe zu Orten, die durch die Entwicklung der Geschichte nach und nach freigeschaltet werden. Das „Storytelling“ ist in diesem Aspekt des Spiels besonders ausgeprägt, häufiger müssen wir Entscheidungen treffen, die sich auf das weitere Spielgeschehen auswirken. Zudem bemühen sich die Entwickler um Abwechslung. Als DeLear können wir etwa nebenbei Erfindungen machen. In einem anderen Setting müssen wir zusehen, immer genug Proviant für unseren Trupp dabei zu haben.

Deckung nutzen, Gegner flankieren

Die zweite Ebene des Spiels sind die einzelnen Levels an sich. Hier schicken wir unsere Mitstreiter in gewohnter Manier mit einer begrenzten Anzahl von Aktionspunkten pro Runde durch Städte oder Sümpfe. „Hard West“ unterschiedet zwischen einer halben und einer vollen Deckung, die auch die KI-Widersacher zu nutzen wissen. Neben historisch akkuraten Waffen wie Colts oder Karabinern können wir im weiteren Spielverlauf auch ausgefallenere Schießprügel verwenden. Generell gilt dabei: Je mehr Schaden eine Waffe verursacht, umso mehr Aktionspunkte sind fällig oder es muss öfters nachgeladen werden. Zusätzliche taktische Möglichkeiten bieten Fähigkeiten, die der Spieler seinen Charakteren in Form von Pokerkarten zuteilt - und die in Kombinationen - Paare, Full House oder Straight Flush - zusätzliche Boni verleihen. Zum Beispiel lässt sich so das Glück unserer Protagonisten erhöhen. Spezialaktionen, wie auch gewisse dämonische Eigenschaften, kosten eine bestimmte Menge dieser Ressource. Wird ein Charakter getroffen, steigt sein Glückswert, verfehlte Schüssen kosten wiederum Punkte. Es ist daher sinnvoll, in Bewegung zu bleiben zu wechseln und den Gegner zu flankieren.

Zusätzliche Tiefe gewinnt „Hard West“ dadurch, dass wir in unsere Charaktere in manchen Szenarien frei durch das Level bewegen können, bevor die Schießerei ausbricht. So schleichen wir etwa durch ein Lager, in dem wir Kameraden befreien sollen und können dabei auch Gegner mit vorgehaltener Pistole unter Kontrolle bringen - allerdings nicht lautlos ausschalten.

Wenn „Hard West“ mit Atmosphäre und Taktik punkten kann, muss es doch in zwei Punkten einstecken. Erstens gibt es einen wiederkehrenden Bug, bei dem Spielfiguren die Laufbewegung nicht sauber abschließen und das Level neu geladen werden muss. Zweitens fehlt es sowohl im Leveldesign der Taktikebene als auch bei den Fähigkeiten der Charaktere an Vielfalt. Immerhin können Freunde des Genres nach und nach den Schwierigkeitsgrad hochschrauben und entscheiden, die Kampagne beim zweiten Durchgang anders anzugehen.

Erhältlich im Online-Handel für rund 20 Euro.