LUXEMBURG
SVEN WOHL

Literaturkritik: „Mir kommen an Däiwelskichen“ von Roland Gelhausen

Ein paar Dinge, die man in der Schule lernt, bewahrheiten sich dann doch im „richtigen“ Leben. Denn bereits in der Schule wird einem gerne erklärt, dass Theaterstücke immer noch dann am unterhaltsamsten sind, wenn diese auch als Theaterstücke vorgetragen werden. Als reiner Text sind die Stücke oftmals witzlos, und das gleich in mehrerer Hinsicht. Das bestätigt sich leider bei Roland Gelhausens „Mir kommen an Däiwelskichen“, einer Sammlung an Kabarett-Stücken. Der Witz, der zu einem großen Teil durch die Darbietung und Inszenierung entsteht, fehlt hier, und das schadet dem Buch leider stark.

Ansammlung an Abgründen

Dabei sind die Texte an und für sich genommen gar nicht einmal so schlecht. Vor allem aufgrund ihrer Themenauswahl sind sie heute noch interessant. Denn wie es sich für gute Satire gehört, befindet sich diese immer nahe am Puls der Zeit. Leider reicht es im Rahmen der eigentlichen Satire nur selten über Platitüden heraus.

Das ist vor allem deshalb schade, weil die eigentlichen Ideen so viel erhoffen lassen. Kochsendungen, Nachbarschaftsgespräche und die eine oder andere live-übertragene Darmspiegelung eines luxemburgischen Spitzenpolitikers sind mehr als nur gelungene Ideen, sie stechen aus dem satirischen Einerlei problemlos heraus. Nur der Witz, der will nicht wirklich zünden, und dem Leser wird nicht direkt klar, ob das daran liegt, dass so vieles von den Schauspielern und der Umsetzung abhängt oder ob die Stücke einfach nicht ihr Potential verwirklichen.

Konsens-Satire

Die politischeren Stücke sind dabei weniger problematisch, denn die satirische Überzeichnung der Politiker trägt automatisch dazu bei, dass der Humor funktioniert. Doch der Sprachwitz könnte scharfer sein, die Witze pointierter und die Zoten etwas weniger flach. Tatsächlich können sich viele der Texte nicht immer entscheiden, welche Spur sie denn nun eigentlich verfolgen sollen: die vulgäre oder eine eher zurückhaltende. Heraus kommt dabei eine ziemlich eintönige Suppe, bei der nur wenige Gewürze herauszuschmecken sind. Die wird dann so breit aufgetragen, dass auch jeder ihr folgen kann und damit wirkt sie nur umso fader. Jede gespielte Note ist aus unzähligen anderen Liedern bekannt und somit überraschen nur noch Stücke, bei denen etwa eine Prostituierte sich über ihre Liebhaber musikalisch beschwert. Wer die Stücke gesehen hat, kann vielleicht gefallen an dieser Sammlung finden, abseits dessen geht der Witz leider schnell verloren.