LUXEMBURG
INGO ZWANK

2019 wurden zirka 282.000 Fahrzeuge aufgrund zu hoher Geschwindigkeit geblitzt - Ministerium und Polizei rüsten weiter gegen Raser und Verkehrsrowdys auf

Immer noch sind viele der tödlichen Unfälle auf zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen. Um die 55 Prozent der eingezogenen Führerscheinpunkte gehen aufgrund des sogenannten Bleifußes am Steuer verloren. Grund genug - gestern wie heute - für die Regierung, sich intensiv der Kontrolle der Geschwindigkeit mit Hilfe der Radaranlagen zu widmen. Im Dezember 2015 nahm der erste der „Starenkästen“ auf der N11 bei Gonderingen seinen Blitzer-Betrieb auf.

Die Anfänge

Das Ministerium hatte 9,2 Millionen Euro (veranschlagt waren ursprünglich rund elf Millionen) für die Radaranlagen vorgesehen. „Diese Installationen kommen an Stellen, wo viele Unfälle geschehen sind und der Radar hat dafür zu sorgen , dass die Geschwindigkeiten eingehalten werden“, so der damals zuständige Minister Bausch - wie eben auf der Strecke Luxemburg-Echternach, der N11.

In der Gesetzesvorlage „Radare“ wurden bereits im Jahr 2014 Strecken- und Ampelradaranlagen mit berücksichtigt, „um später keine Zeit bei der Umsetzung zu verlieren, auch wenn klar war, dass man sich in den ersten Jahren eher auf den Aufbau von einem Netz von festen Radaranlagen konzentrieren wollte“, wie es aus dem Mobilitätsministerium vom zuständigen Minister François Bausch (déi gréng) heißt. Dann wollte man sich den anderen Pilotprojekten entsprechend nach und nach widmen.

Aktuell läuft bekanntlich die Radarstrecken-Testphase in dem Bereich zwischen Waldhof und Gonderingen als Pilotprojekt. Das Streckenradar berechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit aller Autofahrer über eine Länge von ca. 3.900 Metern. Die in diesem Abschnitt für Pkw zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 90 km/h und 75 km/h für schwere Nutzfahrzeuge. Vom berechneten Wert wird eine Toleranz von 3 km/h abgezogen. Die in der Testphase aufgenommenen Fotos würden nach der Aufnahme gelöscht, noch würden keine Verwarnungen verschickt werden, wie es in der offiziellen Mitteilung heißt. Der Beginn der operationellen Phase mit entsprechenden Sanktionen würde zu gegebener Zeit mitgeteilt, wie betont wird.

Die Strecke gilt nach Aussagen von Bausch immer noch als sehr unfallträchtig - obwohl seit 2016 besagter fester Blitzer vor der Ortseinfahrt Gonderingen steht. Dies belegten Radarkontrollen der Polizei, die hier immer noch extreme Überschreitungen festgestellt haben. Zwischen 2011 und 2017 gab es auf dem Straßenabschnitt der N11 19 Unfälle mit insgesamt drei Toten und vier Schwerverletzten. Demnach soll der Streckenradar also bald offiziell seine Arbeit aufnehmen. Weitere Streckenradaranlagen könnte man sich nach Ministeriumsangaben auch in den Luxemburger Tunnels oder auf der Strecke Saeul-Brouch vorstellen.

Rotlichtradaranlagen kommen

Ein weiteres thematisches Pilotprojekt steht auf dem „Stäreplaz“ an. Hier geht es um die sogenannten Rotlichtradaranlagen (95.000 Euro je Richtungsüberwachung, wie ausgewiesen). „Es ist so, dass generell das Durch-Rot-Fahren zugenommen hat“, heißt es vom Ministerium. Dies könne man immer und überall selbst feststellen. Dies sei auch auf der „Stäreplaz“ der Fall. In diesem Jahr kommt hier der Umstand hinzu, dass die Tram den Platz überqueren wird. „Dies kann zu gefährlichen Situationen führen, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer das Rotlicht der Ampel nicht respektiert - wie bei einem Zusammenstoß, so dass die Kreuzung blockiert wird, besonders vom ‚Boulevard de la Foire‘ kommend. Dies soll verhindert werden“, so das Ministerium gegenüber dem „Journal“, handele es sich hierbei doch um einen der größten und frequentiertesten Kreuzungsbereiche der Hauptstadt. Im Moment gebe es darüber hinaus noch keine weiteren Bereiche, wo solche Rotlichtradaranlagen aktuell als Pilotprojekt vorgesehen sind. Auch bei Fahrrädern, so das Ministerium weiter, könne die Rotlichtradaranlage auslösen. Sollte ein ‚Fahrrad‘ erfasst werden, so sei eine Identifikation allerdings schwierig, da diese im Normalfall kein Nummernschild haben, „es sei denn, es handelt sich um Pedelec45, die registriert sind. Hier kann der Halter - wie bei der Identifikation bei einem Motorrad - natürlich ermittelt werden.“

In einer weiteren Phase können eventuell Überwachungseinrichtungen auf Autobahnbrücken oder auch in Tunnels (165.000 Euro/Installation hieß es) aufgestellt werden.

Ferner gibt es seit Mitte 2017 zwei „Enforcement Trailer“, die sogenannten Radaranhänger, die vor allem in Baustellenbereichen zum Einsatz kommen. Der Trailer ermöglicht langfristige oder permanente Geschwindigkeitsmessungen, gerne an Unfallschwerpunkten, die nicht über die für eine stationäre Überwachung nötige Infrastruktur verfügen.

Foto: Editpress/Tania Feller - Lëtzebuerger Journal
Foto: Editpress/Tania Feller

Polizei rüstet auf

Die Luxemburger Polizei gab auf Nachfrage hin bekannt, dass im Jahr 2019 zirka 282.000 Fahrzeuge geblitzt wurden, dies von den feststehende und den mobilen Radaranlagen. Hierunter seien auch die erfassten Geschwindigkeitsüberschreitungen der „Enforcement trailer“ gelistet, wie die Polizeipressestelle mitteilte. Aufgeschlüsselt wurden 2019 157.000 in Luxemburg angemeldete Fahrzeuge, 41.000 französische, 34.000 belgische, 18.000 deutsche und 17.000 niederländische Fahrzeuge geblitzt. Darüber hinaus wurden 1.700 Protokolle wegen Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 50 Prozent (délit de grande vitesse) seitens der Abteilung CSA der nationalen Verkehrspolizei („Système de contrôle et de sanction automatisés“) erstellt.

Mit Blick auf die vorherigen Jahre sei dies natürlich ein erheblicher Anstieg, doch müsse man bedenken, dass auch die Anzahl der Radaranlagen in den letzten Jahren gestiegen sei. So wurden 2018 252.000 Raser geblitzt, 2017 waren es 241.000 Überschreitungen, und 2016 rund 255.000. „2016 startete mit zehn Radaranlagen, wobei inzwischen die Anzahl auf 25 gestiegen ist“, führt die Pressestelle aus.

Und die Polizei rüstet weiter auf: Die Ordnungshüter erhielten neue Handradar-Geräte. Hierbei handelt es sich um ein amerikanisches Gerät „Laser Truspeed dc“, das bereits die Testphase durchlaufen hat. Im Vergleich zu anderen Radargeräten ist dieses „noch effektiver und zudem leicht, handlich und unkompliziert in der Handhabung“, wie die Polizeipressestelle mitteilt. In einer Formation wurde den Beamten das Gerät erläutert. Die Polizei hat sechs Geräte gekauft, wovon zwei bei der nationalen Verkehrspolizei und vier bei den regionalen Verkehrspolizeien seit November 2019 im Einsatz sind. Für 2020/21 sei vorgesehen, so die Pressestelle abschließend, dass weitere Geräte eingekauft werden und somit die vorherigen Geräte ersetzt werden.