LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Sind die fetten Jahre für die Krankenhäuser vorbei?

Wenn es jemand in unserem Gesundheitssystem so richtig gut geht, dann sind es die Krankenhäuser. Angaben der Generalinspektion der Sozialversicherung (IGSS) zufolge verfügen sie über Guthaben und Rücklagen in Höhe von insgesamt 183 Millionen Euro. Wir haben ein extrem auf die Krankenhäuser zentriertes Gesundheitssystem: Allein die CNS pumpt jedes Jahr fast 50 Prozent ihrer Ausgaben in die Krankenhäuser. 863 Millionen Euro werden es in diesem Jahr sein, 812 waren es 2014 - und darin sind die Arzthonorare für die medizinischen Leistungen in den Krankenhäusern nicht enthalten. Zum Vergleich: In den Nachbarländern macht der Anteil der Krankenhäuser mit Arzthonoraren um die 35 Prozent aus. Dazu kommt, dass der Staat zusätzlich mit Steuermitteln über den Spezialfonds Krankenhäuser 80 Prozent der Kosten für Bau und Modernisierung der Krankenhäuser trägt. Im Schnitt 56,1 Millionen sind jährlich seit 2001 geflossen. Der Staat stellt die Infrastruktur, also auch die Einbettzimmer oder die Parkplätze zur Verfügung, die Einnahmen für die ersten Klassen, die Mieten der Arztpraxen in den Krankenhäusern oder der kleinen Läden fließen zusätzlich in die Kassen der Krankenhäuser. Genau wie die Einnahmen aus Zusatzversicherungen und den Krankenversicherungen der 18.000 EU-Angestellten, die in Luxemburg leben und über ihre eigene Versicherung verfügen.

Man sollte einmal mit verschiedenen Märchen, die uns ständig aufgetischt werden, aufräumen. Seit 2003 liegt die Zahl der Hospitalisierungen ziemlich konstant bei etwas unter 80.000 Patienten pro Jahr, obwohl die Bevölkerung in dem Zeitraum um 16,5 Prozent gewachsen ist - und auch alterte. Das Budget für die Krankenhäuser ist in der Zeit von gut 500 Millionen auf über 800 Millionen gestiegen. Geschuldet ist es dem starken Anstieg der Fixkosten, die rund 83 Prozent der Krankenhauskosten ausmachen und seit 2004 um 24,7 Prozent gestiegen sind: Gebäude und Ausstattung, Verwaltung, Abschreibungen und natürlich die Personalkosten, die allein zwei Drittel der Fixkosten darstellen. Es bleiben noch um die 17 Prozent für die variablen Kosten, die von den medizinischen Behandlungen abhängen: Prothesen, Medikamente, OP-Material beispielsweise. Sie sind seit 2004 quasi konstant geblieben und dennoch ist es der lächerlich geringe Bereich, in dem die Krankenhausföderation und andere Lobbyisten mit Einsparungen durch gemeinsame Einkäufe das System finanziell retten will. Ansonsten hat sich seit über zehn Jahren weder die Bettenbelegung noch die Belegungsdauer pro Patient nennenswert verbessert. Und wie lange reden wir jetzt schon über eine Dokumentation der Krankenhausaktivitäten, über den Informationsaustausch, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden? Der Krankenhaus-Analysebericht der IGSS 2014 bringt es eigentlich ganz gut auf den Punkt: „Le contexte actuel d‘organisation et de financement des hôpitaux offre peu d‘incitants pour optimiser la gestion hospitalière dans le sens d‘une concentration des moyens et d‘une amélioration des performances.“ Mit anderen Worten: Man diktierte bislang der CNS die Kosten und die blechte - völlig unabhängig von den reellen Aktivitäten. Dafür ist das Personal gestiegen, wobei fast jeder dritte Angestellte mittlerweile nicht mehr am Bett des Patienten arbeitet: Verwalter, Informatiker, Hygieniker oder Pfleger, die nur noch organisatorische Funktionen haben - viele Häuptlinge und immer weniger Indianer. Gut dass die Regierung nun auf eine Finanzierung nach Aktivität übergehen will. Denn bald wieder Beitragserhöhungen, mehr Eigenbeteiligung und Leistungskürzungen hinnehmen zu müssen, um teure Logistik statt Medizin zu bezahlen - darauf dürfte eigentlich auch kein Versicherter Lust haben.