LUXEMBURG
PATRICK WELTER

251.700 Arbeitsstunden in sechs Jahren für Abfallsammeln am Straßenrand

Littering ist offensichtlich das politische Steckenpferd des ADR-Abgeordneten Jeff Engelen aus dem Nordbezirk. Erst vor kurzem hatte er Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) nach ihrer Haltung zum Einwegpfand befragt, für Engelen ein probates Mittel im Kampf gegen das Littering. Allerdings gab ihm die Ministerin einen politischen Korb, weil Einwegpfand das Problem des Littering im Transitland Luxemburg nicht lösen könne.

Für alle, die mit dem Begriff „Littering“ nichts anfangen können: Es geht schlicht um den Abfall (englisch: Litter), den die Leute einfach in die Gegend werfen, bevorzugt Flaschen, Getränkedosen, Folien etc. Die Mehrheit davon landet im Straßengraben. Aber nicht nur dort, Engelen verweist in einer neueren parlamentarischen Anfrage auch auf die Probleme, die Landwirte mit Abfall auf ihren Weiden haben. Engelen widmet sich in seiner Frage an Dieschbourg den Abfallmengen und den Kosten, die durch Sammeln und Entsorgen anfallen.

Keine detaillierte Statistik

Engelen wollte eine detaillierte Übersicht über die letzten sechs Jahre, die die Straßenbauverwaltung laut Umweltministerin allerdings nicht liefern kann. Eine entsprechende Statistik sei nämlich auch mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden. Dennoch kann sie eine beeindruckende Zahl weitergeben, allein an den Landstraßen mussten in den letzten sechs Jahren 251.700 Arbeitsstunden für das Müllsammeln aufgewandt werden. Bessere Auskünfte kann die Ministerin zur Abfallmenge machen, da die Umweltverwaltung in den Jahren 2008 und 2015 entsprechende Studien durchgeführt hat. Eine weitere Untersuchung steht demnächst an. 2015 wurden je Landstraßenkilometer entlang der Nationalstraßen 216 kg Abfall gesammelt, 2008 waren es „nur“ 89 kg Abfall gewesen.

Einen Rückgang gab es dagegen an den Autobahnen, dort sank die Müllmenge von 309 kg pro Kilometer im Jahr 2008, auf 216 kg pro Jahr und Kilometer im Jahr 2015.

Kosten von 1,2 Mio. Euro

Die Kosten für Reinigungsarbeiten entlang Autobahnen und Nationalstraßen werden vom Staat auf 1,2 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Überwiegend entstanden durch Personalkosten, rund fünf Prozent der Kosten entfallen jeweils auf Transport- und Entsorgungskosten.

Dosen, Glas- und Plastikflaschen machen 58 Prozent des achtlos weggeworfenen Abfalls aus.

Die Regierung setzt auch in Zukunft auf Sensibilisierungskampagnen, wie „Offall kann déidlech sinn“, um dem Problem beizukommen. Ein anderer Ansatz ist die gesetzliche Einschränkung von Einwegplastik, erklärte Dieschbourg.

Von gerichtlich verhängten Arbeitsstunden (zum Abfallsammeln) für Müllsünder hält die Ministerin wenig, da es einen negativen psychologischen Effekt haben könne - die Hemmungen, Abfall in die Gegend zu werfen, könnten fallen, wenn man wisse, dass dieser irgendwann per Strafarbeit beseitigt wird.