Wie sich die Zeiten doch ändern. Als Jean-Claude Juncker noch in Luxemburg arbeitete, da schrob er sein ganzes Zeugs immer mit der Hand und wusste nur vom Hörensagen, dass es auch so was wie www und SMS gab, und heute, wo er seinen fraktionscheflichen Posten bei der CSV für einen besser bezahlten Job in Brüssel aufgegeben hat, da tut er auf einmal so, als sei er Experte. So spielte er gestern im Europaparlament derart heftig mit seinem Telefondings rum, dass er von mehreren Europaabgeordneten ermahnt werden musste, was Juncker gereizt mit einem „Ich tue nur meine Arbeit. Ich kommuniziere derzeit per SMS mit Alexis Tsipras. Das nennt man Texting. Lassen Sie mich doch arbeiten“ abgewehrt haben soll, wobei Texting aber gottlob nichts mit Sexting zu tun haben soll... Ein anderer eifriger Telefontastenklimperer ist aber auch Justizminister Braz, der jetzt auf Twitter versprach, „nei wéër“ in der Drogenpolitik gehen zu wollen, nachdem die Polizei auf dem Rock-A-Field so unverschämt war, eine Reihe von harmlosen Kiffern mit ihren bös bellenden Spürkötern zu erschrecken. Vom Ministerberuf vertritt Braz dann auch eine ganz und gar utopische, ziemlich cannabis-verhangene Ansicht: „mär wollen eise coalitiounsaccord bis zum enn vunn der legislatur réaliséiert hun“. Bonne chance...
Texting
journal.lu - 07.07.2015

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