LUXEMBURG
MARCO MENG

Neue Kundengeneration, neue Regularien - neue Fondsbranche?

Die „European Asset Management Conference“ des luxemburgischen Fondsverbands ALFI (früher unter dem Titel ‚ALFI Spring Conference‘ veranstaltet) sah gestern auf dem „European Convention Centre“ in Luxemburg wieder regen Zulauf. Bei den 30 Ausstellern und zahlreichen Vorträgen und Workshops konnten sich die Akteure der Branche informieren.

Denise Voss, Vor-
sitzende des luxemburgischen Fondsverbands ALFI, wies in der Begrüßungsansprache darauf hin, dass die Branche vielen Herausforderungen gegenübersteht. Die zukünftige Entwicklung der Vermögensverwaltung werde von der Fähigkeit abhängen, sich schnell an die veränderten Umweltbedingungen - seien es die demografische oder technologische Entwicklung - anzupassen.

Mit „Reserved Alternative Investment Fund“ (RAIF) könne es Luxemburg schaffen, sich in den Olymp der bevorzugten Fondsstandorte für die ganz Großen in der Branche zu katapultieren, meinten vergangenes Jahr Branchenbeobachter. Letzten Sommer zugelassen gibt es laut ALFI-Vorsitzende Voss tatsächlich inzwischen bereits 75 solcher Fonds - und sie rechnet damit, dass im Laufe des Jahres hundert hinzukommen werden.

Rekordbilanz und Unsicherheiten

Dass die luxemburgische Fondsbranche ein gutes Jahr hinter sich hat und gut dasteht, ist kein Geheimnis. Das Jahr 2016 wurde mit einem neuen Rekordstand von 3,7 Billionen Euro beendet. Wie Voss gestern erklärte, repräsentieren luxemburgische Investmentfonds derzeit rund neun Prozent aller verwalteten Vermögen weltweit. Eine eindrucksvolle Zahl. Aber da weltweit rund 40.000 Milliarden Euro an Geld angelegt seien, zeige das auch, dass noch potenzielle Wachstumsmöglichkeiten bestehen. Andererseits gebe es politische Unsicherheiten wie Trump und Brexit, die weiter für Unruhe im Markt sorgen würden.

Die erste Diskussion um die Zukunft der Branche stand gestern unter dem Thema „The Big Picture - was treibt heute die Welt der Vermögensverwaltung an“. Voss stellte die Frage, was ist heute die Rolle des Vermögensverwalters? Und sind die vielen Vorschriften, die in letzter Zeit erlassen wurden, sinnvoll? Wie Nigel P. Williams, Vorsitzender von Royalton Partners erklärte, seien in bezug auf politische Unsicherheiten die meisten Leute, die er aus dem US-amerikanischen Alternativen Investmentbranche treffe, pro-Trump. Laut Peter Branner, CEO von SEB Investment Management, bedeutet „politische Risiken“ nicht notwendigerweise auch Investmentrisiken. Dennoch sieht Xavier Lépine, Vorsitzender von „La Française“, neben der Digitalisierung den zunehmenden Populismus als eine der großen Herausforderungen der Fondsindustrie. Klar sei aber auch, dass genauso die neue Kundengeneration die Fondsbranche ändern werde, da sie einen völlig anderen Umgang mit Geld habe und auch bei der Geldanlage plötzlich Dinge in den Vordergrund stellten, die früher nicht wichtig waren, wie Klimaneutralität und ähnliches.

Einstellen auf neue Kundengeneration

Informationen seien darum wichtig, vor allem auch für die Risikodiversifizierung. Dem stimmt Branner von SEB zu, der in diesem Zusammenhang darauf hinwies, dass Pensionsfonds ein Wachstumsfaktor für die Fondsindustrie sind. Die Generation unter 40 Jahren verlasse sich nicht mehr dem alten Rentenmodell. Branner sieht als Trend der neuen Generation, die jetzt anfängt zu investieren, dass hier Langfristigkeit im Vordergrund steht. ALFI-Vorsitzende Voss wollte wissen, wie es denn mit Infrastruktur-Investments aussehe und ob die vielversprechend seien.

Williams von „Royalton Partners“ sieht hier einen Bedarf für neue Infrastrukturfonds. Das seien aber langfristige Projekte, die ebenfalls nach langfristigen Produkten verlangten. Vielleicht Pensionsfonds? Williams meint, dass durchaus einige solcher Fonds, die in Infrastrukturprojekte investierten, in Luxemburg aufgelegt werden. Um Investments in die europäische Realwirtschaft und Infrastrukturprojekte zu fördern, hat die EU den neuen Typ des Investmentfonds „ELTIF“ („European Long Term Investment Fund“) ins Leben gerufen, dessen erster letztes Jahr in Luxemburg aufgelegt wurde.

Was die vielen neuen EU-Vorschriften anbelangt, von denen „PRIIPs“ für Anlegerschutz auf Anfang 2018 verschoben wurde, stets auch neue Kosten und höhere Gebühren für den Kunden bedeuten. Die europäischen Richtlinien zu alternativen Investmentfonds hätten aber zu mehr Transparenz geführt, zumal die USA schon vorher diesen Investmentbereich reguliert hatte. Dennoch: Gerade in diesem Bereich der Vermögensverwaltung herrsche aber auch ein gewisser Mangel an Modernität: Es gibt keine Apps oder dergleichen für Alternatives Investment. Gerade in diese Fonds sei zuletzt aber in den USA viel Geld geflossen wegen des Defizits der Pensionskassen.