LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Luxemburg soll eigene Weltraumagentur bekommen

Mit seinen „Space Resources“-Plänen, Luxemburg zum Zentrum für den Abbau von Rohstoffen im Weltraum zu machen, sorgte Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) vor einigen Monaten zwar für viel Gelächter, wurde in Fachkreisen aber durchaus für voll genommen, schlummern auf den durchs All schwebenden Asteroiden, die eine hohe Konzentration an Edelmetallen aufweisen, doch Milliardenwerte. Am Samstag kündigte Schneider auf einer von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in allen 22 Mitgliedstaaten der ESA organisierten Bürgerdebatte über die Raumfahrt für Europa an, noch im Oktober einen Gesetzesvorschlag über die Rahmenbedingungen für den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden im Parlament zu deponieren, womit Luxemburg als erstes europäisches Land - die USA haben bereits ein solches Weltraumgesetz - über eine nationale Gesetzgebung zum Weltraum-Bergbau zu verfügen, dies um Investoren Sicherheit zu geben.

Mehr Geld für Weltraumpläne

Zwei wichtige Partner hat Luxemburg sogar schon gewinnen können, und zwar die US-Unternehmen „Deep Space Industries“ und „Planetary Resources“, die ihre Europa-Niederlassungen hierzulande eröffnet haben. Luxemburg erwägt aber auch eine direkte Kapitalbeteiligung an Unternehmen, die Bodenschätze auf Asteroiden abbauen wollen. Der Minister ist nämlich überzeugt, dass die wertvollen Rohstoffe so wie Fische gefangen werden können. Wenn der Kapitän eines Fischkutters in internationalen Gewässern seine Netze auswerfe, dann gehöre ihm der Fang, was aber nicht bedeute, dass er auch Besitzer des Ozeans sei, wie Schneider argumentiert.

Der Wirtschaftsminister kündigte auch an, dass die Regierung die für dieses Projekt vorgesehene Summe von 200 Millionen Euro zusätzlich erhöhen wolle, und Luxemburg in Zukunft eine eigene Weltraumagentur bekommen soll, was bislang am Mangel an geeignetem Personal gescheitert sei. Der in den 70er Jahren groß gewordene Schneider ging auf der Bürgerdebatte der ESA aber auch auf die Vorreiterrolle von Captain Kirk und seiner „Raumschiff Enterprise“-Mannschaft ein, wobei das Beamen von Personen zwar immer noch nicht möglich sei, aber dafür gebe es ja inzwischen den 3D-Drucker. Auch Luxemburg habe sich immer wieder neu erfinden können, freute sich der Minister, der in diesem Zusammenhang an die Anfangszeit der SES erinnerte. Seinerzeit habe niemand an Satelliten geglaubt, und heute sei die SES der weltgrößte Satellitenbetreiber.

Auf der ersten Bürgerdebatte zur zukünftige Ausrichtung der Raumfahrttätigkeiten der ESA, zu der sich, wie in den anderen Ländern auch, in Luxemburg rund 100 Interessierte im „Tramsschapp“ auf Limpertsberg eingefunden hatten, ging es darum herauszufinden, welches Verständnis die Menschen von Raumfahrt haben und was sie an ihr spannend finden. Dabei ging es um Fragen wie „welchen Nutzen bringt Raumfahrt für den Normalbürger?“ oder „kann sich die Bevölkerung vorstellen, künftig als Tourist ins All zu fliegen?“

Die Ergebnisse der Debatten in allen 22 Ländern sollen nun zusammengetragen und bereits nach 48 Stunden an die ESA weitergeleitet werden.