LUXEMBURG
PIERRE WELTER

15 Monate auf Bewährung für Ex-Direktor im Polizeischul-Prozess

Von 2005 bis 2010 wurden in den Seminaren der Polizeischule mehr Stunden verrechnet als tatsächlich geleistet wurden. Ein Teil des Geldes floss in die Taschen einer Statistin, die im Auftrag der Polizeischule dort als Darstellerin in Trainingsseminaren arbeitete - ohne angemeldet und sozial versichert zu sein. Das Geld wurde auf das Konto eines pensionierten Polizisten verbucht und dann an die Frau umverteilt. Aufgedeckt wurden die Unregelmäßigkeiten April 2010 bei einer eingeführten Routinekontrolle vom heutigen Polizeigeneraldirektor Philippe Schrantz. Dem heutigen Polizeidirektor war aufgefallen, dass Geld ohne rechtliche staatliche Vorschrift ausbezahlt worden war.

Betrug, Fälschung, Hehlerei und Vorteilsgewährung

Zwei Ex-Polizisten sowie der Ex-Direktor der Polizeischule, Jacques K., mussten sich deshalb in dem Verfahren wegen Betrugs, Fälschung, Hehlerei und der Vorteilsgewährung vor den Richtern der 13. Strafkammer verantworten. Mit auf der Anklagebank saß die Statistin, die Ehefrau eines der beiden Ex-Polizisten, die auch das Geld erhielt.

Die Vorsitzende Richterin sowie die Staatsanwaltschaft warfen dem Ex-Polizeischuldirektor vor, er hätte bislang in der Affäre beide Augen zugedrückt: Der mitangeklagten Frau hätte er einen „unrechtmäßigen finanziellen Vorteil“ in Höhe von 6.600 Euro verschafft. Der Staat dürfe aber kein Geld ohne rechtliche Vorschrift auszahlen, hielt Staatsanwalt Schiltz fest. Der Ex-Polizeischuldirektor, der laut Staatsanwaltschaft die Verantwortung für die Auswüchse trägt, will davon nichts gewusst haben.

Das Urteil

Jetzt wurde das Urteil gesprochen: Zwei Mal sechs Monate auf Bewährung für Roger H. und Joseph B., 15 Monate auf Bewährung für Jacques K. und 1.000 Euro Geldstrafe für Gabrielle Z., Nutznießerin der unrechtmäßigen Finanzspritzen. Für den Ex-Direktor der Polizeischule hatte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten beantragt.