LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Vorstellung der neuen Spielzeit im TNL - Saisonauftakt mit „Dosenfleisch“

Du hast Angst. Angst vor morgen. Du zögerst. Du weißt nicht mehr ein noch aus. Geh nicht ins TNL. Diese Sätze - genau sie schreibt Intendant Frank Hoffman, in seinem Begrüßungswort des TNL-Programmhefts - sind tatsächlich weniger als ernster Ratschlag zu sehen, als vielmehr als roter Faden, wie er sich durch die anstehende Spielzeit im „Théâtre National du Luxembourg“ zieht. „Wir leben in einer Zeit von Angst und Unsicherheit. Die Frage wird deshalb oft aufgeworfen, ob man in solchen Zeiten überhaupt noch Theater und Kunst machen soll, wo es doch so viele dringendere Probleme zu lösen gibt. Probleme gab es natürlich immer schon, sie wurden uns aber noch nie täglich auf vergleichbare Arte und Weise serviert wie jetzt“, bemerkte Hoffmann gestern anlässlich der Vorstellung der neuen Saison. Wenngleich viele Menschen es leid seien, immer nur Negatives zu sehen, gehöre auch dies ins Theater, das aber gleichzeitig ein Gegenentwurf zu einer dramatischen Wirklichkeit sein könne. „So sieht Theater heute aus: Es fragt, es verstört, es besänftigt, und es packt an. In einer Welt, die wie ein verlassenes Schiff auf dem Ozean dahindriftet, sollte das Theater als Anker dienen“, lautet die Wortwahl im Programmheft.

Rasant in die neue Saison

Das TNL eröffnet seine diesjährige Saison am 28. September mit „Dosenfleisch“ vom österreichischen Nachwuchsautor Ferdinand Schmalz unter der Regie von Anne Simon. „Es geht um die Absurdität des Lebens, um den Kick der Geschwindigkeit, um Menschen, die nach Gefühl suchen, die sich nicht mehr spüren“, erklärte Simon. In „Où on va papa?“ nach der Buchvorlage von Jean-Louis Fournier in einer Adaptation von Claude Frisoni steht Norbert Rutili ab dem 20. Oktober auf der TNL-Bühne. „Credo - Die Redner“ in einer Inszenierung von Florian Penner und Olivier Strauch beschäftigt sich mit Glaubensfragen und beleuchtet sie ästhetisch mithilfe aufwändiger Visualisierungen und High End Jazz. Premiere ist am 27. Oktober. „De schéine Männchen“, eine Farce von Guy Rewenig, wird am 16. November uraufgeführt. Marc Baum, Monique Reuter und Brigitte Urhausen spielen an insgesamt sechs Abenden. Während draußen in Sankt Petersburg die Revolution tobt, inszeniert Olga Knipper drinnen den Tod ihres Mannes Anton Tschechow: „Neva“ (25. und 26. November) ist ein Stück von Guillermo Calderón, inszeniert von João Reis mit portugiesischen Schauspielern auf der Bühne. „Ox und Esel“ - eine etwas andere Weihnachtsgeschichte für Kinder ab fünf Jahren - steht ab dem 3. Dezember auf dem Spielplan.

Ausblick auf das Jahr 2017

Mit „Hieronymus Bosch“ startet das TNL dann gleich mit einem Highlight ins neue Jahr. Das hochkomplexe Werk des niederländischen Malers, der vor 500 Jahren starb, gibt bis heute Rätsel auf. Ausgangspunkt der Komödie, die ab dem 10. Januar aufgeführt wird - unter anderem mit Marco Lorenzini in der Rolle des Bosch - ist das dreigeteilte Gemälde „Garten der Lüste“. Wenn man noch etwas weiter in die anstehende Spielzeit blickt, sollte man „E Living an Amerika“ (Premiere am 4. Februar) hervorheben, - eine musikalische Satire von Roland Gelhausen, mit unter anderem Al Ginter, Carlo Hartmann und Monique Melsen. „Das Leben ein Traum. Calderón“ unter der Regie von Frank Hoffmann wird am 9. und 10. Februar im Großen Theater gespielt. Am 1. März wird „Sechs Personen suchen einen Komponisten“ uraufgeführt. Der Luxemburger Komponist Claude Lenners hat sich für diese Produktion Luigi Pirandellos Stück „Sechs Personen suchen einen Autor“ vorgeknöpft und daraus einen Musiktheaterabend gestaltet. Yannchen Hoffmann präsentiert im März auf unterhaltsame Art das ewige Thema „Liebe Triebe“ (mit Erny Delosch am Piano). Uraufgeführt wird im März auch „Heimat ist kein Ort“ von Olivier Garofalo - er ist in diesem Jahr der „Autor en résidence“ - unter der Regie von Marion Poppenborg. Acht Tänzer nehmen die Bühne in „A Bucketful of Dreams“ in einer Inszenierung von Jean-Guillaume Weis im April in Beschlag. „Die Antrittsvorlesung“ hält Luc Feit im Mai in der Rolle des Hans Peter Jauß, ein berühmter Romanist der Nachkriegszeit mit einer dunklen SS-Vergangenheit. „Codename Ashcan“ in einer Adaptation von Anne Simon feiert am 18. Mai Weltpremiere und geht auf die 1945 in Mondorf durchgeführten Verhöre ein, die später zur Anklage in Nürnberg dienten. „Out in Africa“, mit Steve Karier beschäftigt sich im Juni mit der Frage, ob Kannibalismus moralisch zu rechtfertigen ist.

Symposium, Integrationsprojekt und Poeten-Frühling

Etwas aus der Rolle fällt indes in der Spielzeit 2016/17 ein Symposium, das sich mit Übersetzungsvorgängen in der heutigen Theaterpraxis auseinander setzt. Theaterwissenschaftler und -macher sowie Übersetzer werden am 1. Oktober darüber diskutieren. Erwähnenswert ist auch Shakespeares „The Tempest“, das am 7. und 8. Oktober mit Amateurdarstellern unterschiedlicher Herkunft und lokalen Künstlern auf die Bühne gebracht wird. Hierbei handelt es sich um ein Integrationsprojekt in Zusammenarbeit mit Hariko, einem Projekt der Croix-Rouge, das Workshops für junge Künstler, darunter viele Flüchtlinge, bietet. Angemerkt sei auch, dass sich der „Printemps des Poètes“ für seine zehnte Auflage im April in das Programm des TNL einbringen wird.


Das ganze Programm unter www.tnl.lu