LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Grenzüberschreitendes Festival „Textes sans frontière“ zwischen dem 12. und 27. November

Bedarf es einer Theaterinszenierung im klassischen Sinn, um einem Publikum einen Dramentext vorzustellen? Diese Frage quittieren die Organisatoren des grenzüberschreitenden Festivals „Textes sans frontière“ mit einem klaren „nein“. Drei Theaterregisseure aus Lothringen und ein Kollege aus Luxemburg lassen zwischen dem 12. und 27. November von professionellen Schauspielern Theaterstücke vortragen. Im Gegensatz zur Inszenierung wird bei einer so genannten „Mise en voix“, so der Fachterminus für diese Art der Vorstellung jedoch gänzlich auf Kostüme und technisches Equipment wie Beleuchtung oder eine Geräuschkulisse verzichtet. Schauspieler und Publikum sollen ihre ganze Aufmerksamkeit auf das geschriebene Wort richten und somit „die Quintessenz des literarischen Werkes entdecken“, erklärte Kulturfabrikdirektor Serge Basso de March bei der gestrigen Vorstellung des Kulturprojektes. Alle zurückbehaltenen Werke werden unter dem Leitthema „Widerstand und Verrat“ vereint, die meisten Stücke wurden bis dato weder inszeniert, noch im Rahmen einer „Mise en Voix“ vor Publikum vorgetragen. Dieses bekommt beispielsweise die Gelegenheit „La vérité m’appartient“ zu entdecken, jenes Drama mit dem die luxemburgische Autorin Nathalie Ronvaux den Nationalen Literaturwettbewerb 2013 für sich entscheiden konnte.

Zwei Universitäten nehmen teil

Neben den üblichen Verdächtigen wie Kulturzentren oder Theaterhäuser jenseits und diesseits der Landesgrenzen beteiligen sich mit den Universitäten Luxemburg und Nancy auch zwei Bildungsanstalten am Projekt, die ihren Studierenden aktuelle Theatertexte auf ihren jeweiligen Campussen servieren. Schauspieler und Regisseure bereiten sich während einer knappen Woche auf ihre Auftritte vor. Die Werke, die sie mit den Schauspielern einstudieren sollen, wurden den einzelnen Regisseuren übrigens in einer Art Tombola zugelost. Für Marja Leena Junker vom Théâtre du Centaure sind grenzüberschreitende Projekte für luxemburgische Theatermimen von größtem Nutzen: Durch die Teilnahme an den „Mise en Voix“ könnten sie im Ausland Werbung in eigener Sache betreiben. Finanzielle Unterstützung gibt es vom luxemburgischen und französischen Kulturministerium sowie von der Region Lothringen.