LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Wenig überzeugend: Denzel Washingtons dritte Regiearbeit „Fences“

Der amerikanische Theaterautor August Wilson (1945 - 2005) schrieb 1983 das Stück „Fences“. Erst 1987 erlebte es seine Premiere am Broadway. Das Theaterstück gewann den Pulitzer-Preis als bestes Drama und den Tony Award als bestes Theaterstück. Die Schauspieler James Earl Jones und Mary Alice gewannen ebenfalls einen Tony sowie Regisseur Lloyd Richards. In einem Revival spielten der zweifache Oscar-Gewinner Denzel Washington und Viola Davis 2010 das Ehepaar Troy und Rose Maxson. In Washingtons dritter Regiearbeit - weder „Antwone Fisher“ noch „The Great Debaters“ waren bei uns zu sehen - spielen beide erneut diese Rollen. Der Autor selbst hat noch das Drehbuch schreiben können und ist postum für den Oscar nominiert.

Troys Geheimnisse

Pittsburgh in den 1950er Jahren. Troy ist 53 Jahre alt, seit 18 Jahren verheiratet und arbeitet bei der Müllabfuhr. Jeden Freitag ist Zahltag, und dann genehmigt er sich mit seinem Freund Jim Bono (Stephen Henderson) eine Flasche Schnaps im Hinterhof seines Hauses. Dort erzählt er aus jenen Tagen, in denen er das Zeug hatte, ein Baseball-Spieler zu werden, jedoch keine Schwarzen in der Liga zugelassen waren. Seine Frau Rose und sein 18-jähriger Sohn Cory (Jovan Adepo) hören sich seine unendlichen Tiraden an. Sein ältester Sohn Lyons (Russell Hornsby) kommt zu Besuch, um Geld zu leihen.

Zu seinen Söhnen hat Troy kein wirklich gutes Verhältnis. Im Musiker Lyons sieht er nur jemanden, der es zu nichts gebracht hat. Cory will in der Football-Mannschaft seiner Schule spielen, in der Hoffnung, ein Stipendium zu erhalten. Doch Troy will nicht, dass Cory sich wie er auf ein Parkett begibt, das nur Weißen vorbehalten ist. Troys Bruder Gabriel (Mykelti Williamson) ist seit dem Krieg behindert und haust irgendwo allein. Ob Troy wirklich wegen des Rassismus‘ auf eine Karriere verzichten musste, wird sich im Film klären, wie auch wo er das Geld bekam, um sein Haus zu kaufen, und schließlich wartet auf Rose ein noch viel schlimmeres Geheimnis von Troy.

Kammerspiel

Washington hat eigentlich nur ein Theaterstück auf die Leinwand gebracht, das aber komplett ohne Leidenschaft. Die erste halbe Stunde beinhaltet nur minutenlanges Gerede von Troy über seine Hoffnungen und seinen großen Traum. Nur reden verlangt keine große schauspielerische Kunst, und Washington macht eher den Eindruck, als hätte ihn jemand aufgezogen, um nur zu reden.

Das filmische Element geht komplett in diesem Kammerspiel unter, das sich auf das Haus, den Hinterhof, die Straße vor dem Haus und ein paar Aufnahmen bei Troys Arbeit beschränkt. Der einzige, der Troys Wahrheiten kennt, ist sein Freund Jim, der ihn im letzten Drittel anhält, Rose sein schlimmstes Geheimnis zu beichten. Man sucht nach einem Sinn dieser Geschichte, in der alles nebenbei gesagt wird. Jener Moment, der sprachlos macht, fehlt. Der einzige, der schauspielerisch einen guten Eindruck hinterlässt, ist Mykelti Williamson, der mit seiner Posaune umherirrt. Der Titel „Fences“ kommt daher, dass Troy einen Zaun zwischen seinem Haus und einem Nachbarhaus bauen will. Doch er baut sinnbildlich nur Zäune in seinem Leben.