LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein Priester, ein Scharlatan und eine Allergie: Was im Moment beim CinEast Festival läuft

Letztes Jahr gewann „Boze Cialo“ (Corpus Christi) von Jan Komasa beim CinEast Festival den Spezialpreis der Jury sowie den Kritikerpreis. Der Spielfilm läuft zurzeit im Kino „Utopia“, wo auch eine Reihe Filme der aktuellen 13. Ausgabe des Festivals zu sehen sind, wie „Charlatan“ von Agnieszka Holland oder „Éden“ von Ágnes Kocsis.

Ungewöhnliche Methoden in „Corpus Christi“

Daniel (Bartosz Bielenia) wird aus einer Jugendhaft entlassen und soll in einer Schreinerei arbeiten. Während seiner Haft war er mit dem Anstaltspriester Tomasz (Lukasz Simlat) befreundet und assistierte ihm bei den Gottesdiensten. Statt in seiner neuen Arbeitsstätte anzutreten, wird er von den Kirchenglocken des nahen Dorfs angezogen. Er hat Vater Tomasz ein Hemd geklaut und wird vom Dorfpriester (Zdzislaw Wardejn) als Kollege angesehen. Als dieser krank wird, bittet er Daniel, sein Amt zu übernehmen.
Das Überraschende am Film ist die Art und Weise, wie Daniel seinen neuen Job angeht. Mit seinem rasierten Kopf ähnelt er eher einem Hooligan als einem Mann Gottes. Und doch gibt er sich seiner neuerlichen Berufung komplett hin, wenn auch mit unkonventionellen Methoden, zum Beispiel gegenüber einer Gruppe von Einwohnern, deren Kinder bei einem Autounfall ums Leben kamen. „Corpus Christi“ beschreibt in einer sehr intelligenten und originellen Manier, wie der Beruf des Priesters aussehen könnte, zumal man nicht mehr im Mittelalter lebt. Außerordentlich gut spielt Bartosz Bielenia die Rolle des falschen Priesters, und somit sollte man diesen Film auf keinen Fall verpassen.
Im Dienst der Menschen in „Charlatan“
Jan Mikolásek (Ivan Trojan) braucht nur den Urin eines Menschen anzusehen, und schon weiß er, an welcher Krankheit dieser leitet. In Rückblenden erfährt der Zuschauer, wie der junge Jan (Josef Trojan, der Sohn von Ivan) von der Heilerin Mühlbacherova (Jaroslava Pokorná) ausgebildet wird, dann selbst eine Praxis eröffnet, mit der er sehr viel Geld verdient. Auch unterstützt er arme Leute, indem er ihnen Geld für weitere Behandlungen zusteckt. Jan hat František Palko (Juraj Loj) als Sekretär eingestellt. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Homosexualität war indes in den 1940er und 1950er in der Tschechoslowakei gesetzlich verboten. Leider gerät Jan ins Visier der Justiz, die ihn als Scharlatan bezeichnet.
Agnieszka Holland hat diese Geschichte wieder ausgegraben und sie gekonnt filmisch umgesetzt. Die Hauptfigur ist ein autoritärer Mann, der das verdiente Geld nicht verachtet, jedoch sein Herz am rechten Fleck hat und den Menschen hilft. Schlussendlich wird ihm der Tod zweier Patienten angelastet, die er vergiftet haben soll. „Charlatan“ zeichnet das sehenswerte Bild eines außergewöhnlichen Mannes, der eigentlich nur Gutes wollte.

Leben in Isolation in „Éden“

Weil Éva (Lana Baric) an einer seltenen Allergie leidet, nämlich „Multiple Chemical Sensitivity“ (SCM), muss sie in Isolation leben. Ihr Bruder Gyuri (Lóránt Bocskor-Salló) versorgt sie mit dem Lebensnotwendigen. Die Wohnung kann sie nur in einer Art Astronautenkostüm verlassen. Der Psychiater András (Daan Stuyven) soll ihre Psyche untersuchen, um herauszufinden, ob diese nichts mit ihrer Allergie gegen Chemikalien, Radiowellen und elektromagnetische Felder zu tun hat.
Das Problem mit „Éden“ ist, dass in 153 Minuten Spielzeit viel Leerlauf verarbeitet wird und die Gefahren der Krankheit nur sehr lapidar erklärt werden. Über Sinn und Zweck der Experimente, die Éva über sich ergehen lassen muss, fehlt definitiv jede Erklärung. Das Thema des Films - Leben in einer Kapsel - ist derweil auch das Motto des diesjährigen CinEast, wurde aber in dieser Produktion in den Sand gesetzt. Die beiden letztgenannten Filme laufen noch in den Festival-Kinos, man kann sie sich jedoch auch online anschauen.
Informationen bekommt man auf der Internetseite des Festivals www.cineast.lu