LUXEMBURG
CB

Organspende-Problematik: Klarheit durch elektronisches Patientendossier?

In der Theorie ist in Luxemburg jeder Bürger nach seinem Tod ein potenzieller Organspender. Die Praxis sieht allerdings anders aus: Lediglich sieben Organspenden wurden 2018 im Großherzogtum registriert, vier Patienten ließen ihr Leben, weil sie kein Spenderorgan erhielten und 30 Organspenden hätten vorgenommen werden können. Vor diesem Hintergrund richtete die CSV-Abgeordnete Nancy Arendt am 26. März eine parlamentarische Anfrage an die Regierung. Die Deputierte bezieht sich dabei auf Aussagen von Protransplant, denen zufolge die großherzogliche Verordnung von 2018 über Organspenden nicht klar genug sei, weil „die Spitäler nicht gezwungen werden, Referenten zu bestimmen, die kontrollieren, ob ein Patient, der hirntot ist, auch Organspender ist oder nicht“.

Regierung sieht keinen Bedarffür Gesetzesänderung

Die Antwort von Gesundheitsminister Etienne Schneider kann man folgendermaßen zusammenfassen: Gesetzlich soll vorerst nicht nachgebessert werden, dafür will die Regierung weiter auf Information beziehungsweise Sensibilisierung setzen, dann aber auch auf die elektronische Patientenakte, die „im Prinzip noch in diesem Jahr operationell werden soll“. „Das ,Dossier de soins partagés‘ (DSP) sieht vor, dass jeder Patient in seinem elektronischen Patientendossier angeben kann, ob er Organspender ist oder nicht“.

Von diesem Instrument, auf das seit Jahren gewartet wird, verspricht sich der Präsident von „Luxembourg Transplant“ viel. Dr. Claude Braun hofft, dass sich das DSP als Referenz etablieren wird. Denn heute hätten Patienten, wenn es darauf ankommt, nur in den allerwenigsten Fällen ihren Organspenderausweis bei sich, erklärt der Arzt auf „Journal“-Nachfrage. In elektronischer Form könne hingegen einfach überprüft werden, ob sich der Betroffene gegen die prinzipiell angenommene Einwilligung zur Organspende ausgesprochen hat.

Noch keine Referenten bestimmt

Der LSAP-Minister ist darüber hinaus der Ansicht, dass die Bestimmungen hinsichtlich des Referenten klar genug sind. „Diesem Wunsch (einer verpflichtenden Bestimmung von Referenten in Krankenhäusern, d. R.) entspricht die großherzogliche Verordnung von 18. Juli 2018“. Darin heißt es im Artikel 5: „Les référents sont désignés au sein des établissements hospitaliers, par la direction de l’établissement hospitalier en question et après avis du conseil médical“. Es soll sich demnach um Mitarbeiter handeln, die unabhängig von den Transplantationsteams sind, potenzielle Organspender identifizieren „und eine Verbindung zwischen dem Krankenhaus (...) und dem nationalen Koordinierungsdienst“ herstellen. Darüber hinaus sei der Referent für die „Sensibilisierung und Weiterbildung der Ärzte und des Pflegepersonals“ zuständig. Der Referent soll ebenfalls potenzielle Organspender und deren Angehörige begleiten.

Solche Referenten wurden Dr. Braun zufolge bislang nicht offiziell bestimmt. Gleichzeitig betont der Luxtransplant-Präsident, dass es, so wie es auch im Gesetz steht, Aufgabe der Krankenhäuser sei, diese Referenten zu ernennen. In der Antwort des Ministers heißt es etwas unglücklich, „die Nominierung“ der Referenten werde derzeit „von Lux-Transplant umgesetzt“. Luxtransplant begleite diesen Prozess zwar, aber es sei am Ministerium, „das mit den Kliniken zu koordinieren“. Dr. Braun unterstreicht zudem, dass die Referenten „unabhängig von der Arbeit von Luxtransplant“ funktionieren sollen. Erst wenn sich eine potenzielle Organspende ergebe, übernehme die an Eurotransplant angegliederte Organisation die weitere Koordinierung.

Hohe Bereitschaft zur Organspende

Ob infolge der Sensibilisierungskampagnen der vergangenen Jahre mehr Organe gespendet wurden, sagt der Minister in seiner Antwort nicht ein. Allerdings habe eine „deutliche Verbesserung der Tendenz zur Organspende festgestellt werden“ können. Laut einer Umfrage von Luxtransplant von April 2018 hätten sich 82 Prozent der Befragten grundsätzlich positiv zur Organspende geäußert.


Eine Möglichkeit, seine Haltung zur Organspende festzuhalten, ist der „Passeport de vie“. Der Spenderpass, den man jederzeit mit sich tragen sollte, kann kostenlos beantragt werden unter tinyurl.com/Spenderausweis