LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Gutachten spricht beim „Bombenleger von Bergem“ von Störungen

Gestern war der zweite Prozesstag für den Mann, der sich vor der Kriminalkammer Luxemburg wegen versuchten Mordes, schwerer Körperverletzung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten muss.

Der Beschuldigte hatte am 1. Oktober 2016 versucht, seinen Vater mit einer Rohrbombe, die er in dessen Wagen deponiert hatte, in die Luft zu sprengen.

Der 41-jährige Angeklagte Kim Z. machte auch gestern keinerlei Angaben zum Tatgeschehen. Der Täter handelte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft aus Hass und Habgier.

In einem Gutachten hatte ein Rechtsmediziner die Wunden des Opfers untersucht. Die Wunden seien hauptsächlich auf Verbrennungen zurückzuführen und waren nicht lebensgefährlich, berichtete der Experte.

Mutter und Vater sagen aus

Die Mutter des Täters gab zu Protokoll, dass der Vater dem Sohn viel versprochen hatte, doch seine Versprechen habe er nie eingehalten.

Das 70-jährige Opfer hat das Trauma seelisch noch nicht verarbeitet. Die Bilder kämen im Schlaf immer wieder hoch, so der Vater. In der Nacht würde er schreien, er kann nicht verstehen, dass sein Sohn in seiner Vernehmung den Polizisten gesagt hätte: „Schade, dass er nicht verreckt ist.“

Der Grundverdacht, dass der 41-Jährige psychisch auffällig ist, bleibt bestehen.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Ermittler sind sich einig, dass ein Mann, der aus Hass und Habgier eine Bombe zündet, um den Vater umzubringen, „psychisch nicht ganz normal sein kann.“

Die Staatsanwaltschaft Luxemburg hatte den Psychiater Dr. Marc Gleis beauftragt, ein Gutachten über den Täter zu erstellen. Der Täter sei gegenüber dem Psychiater sehr misstrauisch gewesen.

Er hätte ihm aber erzählt, dass er stark benachteiligt wurde. Sein Vater hätte ihn nie finanziell unterstützt. Dann kam die Idee mit der Bombe. Er hätte aber gesagt, dass er seinen Vater nicht umbringen wollte, berichtet Dr. Gleis.

Mit seinem Gutachten hat Dr. Gleis am Dienstag eine psychiatrische Diagnose erstellt. Hiernach könne auf eine psychische Erkrankung geschlossen werden, sagte Dr. Gleis. Der Angeklagte leide unter einem „trouble délirant de persécution.“ Dr. Gleis diagnostizierte eine Psychose (Paranoia).

Angeklagter ist gefährlich

Der Mann sei deshalb für den Vater gefährlich und müsste psychiatrisch behandelt werden. Im Gefängnis sei die Therapie aber schwierig durchzuführen. Wie stark die Störung ausgeprägt sei und wie sie sich ohne Medikamente auf die Einsichts- und Hemmungsfähigkeit auswirke, konnte der Psychiater nicht genau sagen. Auf jeden Fall soll der Angeklagte psychiatrisch behandelt werden.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.