DIEKIRCH
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess um räuberischen Einbruch im Privathaus des Europaabgeordneten Charles Goerens

Etwa neun Monate liegt der brutale Raubüberfall auf den DP-Politiker und EU-Abgeordneten Charles Goerens zurück, und nichts ist vergessen.

Zwei maskierte Männer hatten Goerens und seine Frau bei einem nächtlichen Einbruch überfallen.

Seit gestern steht einer der mutmaßlichen Täter vor der Kriminalkammer in Diekirch: Vinko J. (22), ein junger Kerl, mit kurzem Haar und laut eigener Aussage „ohne Einbrechererfahrung.“ Das Gerichtsverfahren begann mit beängstigenden Schilderungen.

Ein Polizist erzählte: Es seien traumatische Szenen, die Charles Goerens und seine Frau in der Nacht zum 9. September 2018 durchgemacht haben müssen. Zwei maskierte Männer brachen gegen 3.00 in das Haus der Familie in Schieren ein.

Als das Ehepaar wegen der Geräusche erwachte, wurde es von den Männern angegriffen. Die Details aus der Anklageschrift sind beängstigend. Goerens berichtete den Polizisten, sie seien mit Waffen bedroht worden. Dann zwangen sie ihn und seine Frau zwei Safes im Haus zu öffnen - die allerdings leer waren.

Danach nahm der mutmaßliche Räuber J. die Autoschlüssel an sich, stahl das Auto der Familie und fuhr nach Colmar-Berg. Dort hob er am Bankomaten der Sparkasse mit zwei Kreditkarten 1.000 Euro ab. Dann fuhr er zurück und übergab seinem Komplizen im Haus Goerens das Geld. Der hätte ihm dann gesagt, er solle zehn Minuten warten, er würde sein Auto holen. Der Komplize verschwand mit dem gestohlenen Wagen und dem Geld. Er hatte sich aus dem Staub gemacht.

Das Auto wurde unter einer Brücke in Schieren gefunden. Mitgehen ließen die Täter außerdem eine hochwertige Handtasche, Bargeld und ein Mobiltelefon.

Angeblich nur eine Nebenrolle gespielt

Der mutmaßliche Täter gab am Donnerstag zu Protokoll, er hätte zwar beim Einbruch mitgemacht, sei aber eigentlich nur angeheuert worden, um „Schmiere“ zu stehen.

Ganz widerspruchsfrei klingt die Schilderung des Angeklagten indes nicht, denn der Vorsitzende Richter las ihm seine Vorstrafen vor, die im Jahr 2014 begannen und sich danach permanent fortsetzten.

Nach dem Mann hatte die Diekircher Staatsanwaltschaft mit einem Haftbefehl gesucht, am 14. Mai 2019 wurde er in Ettelbrück festgenommen.

Der andere Täter ist auf der Flucht. Wahrscheinlich aus Angst vor Rache will J. den Namen seines Komplizen nicht nennen.

Im Haus Goerens fanden sich Spuren seiner DNA. Die Genetikerin aus dem Staatslaboratorium hatte die DNA-Spuren untersucht. Sie kam in ihrer Analyse zum Schluss, dass die genetischen Spuren dem Profil von J. entsprechen.

Vinko J. hätte den „Rumänen“ in einem Wirtshaus kennen gelernt, sagte ein als Zeuge geladener Polizist. Er hätte den Polizisten auch erzählt, dass sein Komplize ihn gezwungen hätte, beim Raub mitzumachen.

Der Raub sei relativ gewaltlos abgelaufen, so die Polizei. Charles Goerens hätte behutsam auf die Täter eingeredet, berichtete ein Polizist. Nur durch seine exzellente Rhetorik hätte er das Schlimmste abwenden können. Rechtsanwalt Philippe Stroesser spricht in seinem Plädoyer von einem atypischen Raub. Er benennt den Komplizen - „den Rumänen“ - als Anstifter. Me Stroesser sagte auch, dass ein psychiatrisches Gutachten über den Angeklagten von Nutzen sei.

In ihrem Plädoyer sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, noch lange danach hätte die Familie unter Schock gestanden. Die Anklagevertreterin sprach in ihrem Plädoyer von Paragraph 471 des Strafgesetzbuches. Das Strafmaß liege durch die erschwerenden Umstände - wie das Begehen der Straftat in der Nacht und mit einer Waffe im Rahmen einer kriminellen Vereinigung - bei 15 bis 20 Jahren Haft.

Den Vorschlag einer psychiatrischen Analyse des Angeklagten lehnte die Anklagevertreterin ab und machte auch keinen Unterschied bei den jeweiligen Täterrollen. Als erschwerend gilt für die Staatsanwaltschaft die Bedrohung mit der Waffe. Die Staatsanwaltschaft forderte zwölf Jahre Haft für J. den sie als Co-Autor bezeichnete.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich J. für seine Taten und sagte: „Ich weiß, dass ich etwas Schlimmes gemacht habe.“

Das Urteil wird am 11. Juli gesprochen.