LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert drei Monate Haft und eine Geldstrafe

In einem Prozess, der gestern verhandelt wurde, ging es um einen Mann, für den Tiere noch keine Rechte haben. Am Mittwochmorgen stand ein 40-jähriger Portugiese vor Gericht, dem vorgeworfen wird, seine Hühner in seinem Schrebergarten in Remich schlecht gehalten zu haben. Der Mann habe noch nie von Tierrechten gehört, sagte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Auch von artgerechter Nutztierhaltung war keine Rede. Weil der Angeklagte schon einmal in einem Versäumnisurteil vom 17. Mai 2018 für ähnlichen Sachverhalt zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten und zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, konnte das Urteil von der verurteilten Partei mit dem Rechtsbehelf des Einspruchs (Opposition) angegriffen werden. Der Fall wurde deshalb erneut vor Gericht verhandelt.

Die Tiere wurden - nach Sachverhaltserfassung im Februar 2017 - unter schlimmsten Bedingungen gehalten. So schlecht, dass von sieben Hühnern drei verendet waren. Eine artgerechte und saubere Haltung mit einem geräumigen Stall, regelmäßiger Säuberung sowie gutem und ausreichend Futter und Wasser, kannte und kennt der Mann nicht. Die Hühner lebten auf engstem Raum und auf ihrem eigenen Kot. Für den Portugiesen sind die Hühner nur wertloser Abfall. Der allergrößte Teil seiner Hühner landeten später auf dem Müll. Weil sie nichts zum Fressen hatten, pickten sich die Hennen blutig oder gegenseitig die Federn aus. Da der Käfig nicht gesäubert wurde, entzündeten sich die Ballen der Tiere. Dem Hühnerhalter war es egal, ob seine Hühner zu fressen und zu trinken hatten. Ein Polizist ermittelte, da ein Nachbar auf die Missstände und den „plötzlichen Hühnertod“ aufmerksam gemacht hatte.

Jemand hätte seine Hühner getötet, behauptete der Portugiese. Um sie zu entsorgen, wollte der Angeklagte die toten Hühner in eine Plastiktüte stecken, er hätte aber keine zu Hand gehabt, sagte der Mann vor Gericht.

Die Anwältin beantragte kurz und bündig einen Freispruch. Laut Verteidigung seien vier Hühner bei guter Gesundheit gewesen. Die Temperaturen lagen rund um den Gefrierpunkt und das sei einem Huhn zum Verhängnis geworden, meinte die Rechtsanwältin. Das eingegangene Huhn sei kein Opfer von Vernachlässigung oder direkter/indirekter Gewalt. Die Hühner seien nie „obduziert“ worden, meinte die Verteidigerin. Während des Vorfalls hätte sich ihr Mandant von seiner Frau getrennt. Er sei deshalb anfällig für psychische Traumata gewesen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hingegen forderte in ihrem Anklagevortrag drei Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 2.500 Euro.


Das Urteil fällt am 7. März