LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Zoonosen-Bericht: Luxemburg unauffällig - Ausbruch der Blauzungenkrankheit am Oberrhein

Noch ist Luxemburg eine Insel der Seligen, nicht nur für Tanktouristen, sondern auch, was Tierseuchen angeht.

Die EFSA, das Europäische Amt für Lebensmittelsicherheit, verwendet in seinem über zweihundert Seiten dicken Jahresbericht für 2017 über Zoonosen, Krankheiten die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, nur ein paar Zeilen auf Luxemburg. Auch in den zahlreichen statistischen Anhängen muss man lange nach Luxemburg suchen.

Auf der anderen Seite rücken zwei Tierseuchen - die wohlgemerkt nicht auf den Menschen übertragbar sind - näher an die Grenzen des Großherzogtums heran. Schon im September wurde im äußersten Süden Belgiens, also in unmittelbarer Nachbarschaft, bei Wildscheinkadavern die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen, die bereits in Osteuropa zu Verheerungen unter den Viehbeständen der Schweinezüchter geführt hat.

Gestern wurde bekannt, dass in Rastatt am Oberrhein die Blauzungenkrankheit aufgetreten ist. Die Krankheit befällt alle Arten von Wiederkäuern, ist aber ebenfalls für den Menschen ungefährlich. Da sie aber unter den Tieren hochvirulent ist, wurde eine Schutzzone von 150 Kilometern rund um den Hof errichtet. In diese Schutzzone fallen alle südlichen Landkreise von Rheinland-Pfalz und das gesamte Saarland.

Zoonosen - Europaweit stabil,Luxemburg unauffällig

Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, lauern nur äußerst selten im Speichel oder Fell von Hund und Katze. Diese Krankheitserreger schlagen an anderer Stelle zu: Im Softeis, einem Schälchen Eiersalat, kaltem Huhn oder auch in einer guten Ardenner Pastete. In den meisten Fällen bescheren sie den betroffenen nur lange, schmerzhafte und einsame Stunden auf der Toilette. Menschen mit schwächerer Konstitution, insbesondere betagte Menschen, können sie auch umbringen. Die Übeltäter heißen Salmonellen, Campylobakter oder Listerien.

Die Europäische Behörde für Gesundheitsvorsorge ECDC und das Europäische Amt für Lebensmittelsicherheit EFAS haben jetzt den Jahresbericht 2017 zur Verbreitung von Zoonosen vorgestellt. Dabei wurden die Zahlen für die gesamte EU und weitere europäische Länder vorgestellt. Im Lauf der letzten fünf Jahre sind Fälle von Salmonellen und Campylobakter stabil geblieben. Der Befall mit Listerien hat 2017 leicht abgenommen. In vielen Fällen verantwortlich für Krankheitsausbrüche durch Lebensmittel sind die verschiedenen Salmonellenarten, besonders auf dem Weg über Geflügelfleisch und Eier - 91.662 Fälle in 2017. An der Spitze der Erreger steht der „Campylobakter“ der mehrheitlich über Hühnchen- und Truthahnfleisch zu 246.158 Infektionen führte.

Listerien sind zwar deutlich seltener, aber für bestimmte Altersgruppen gefährlich, 2.480 Infektion im Jahr 2017. Listerien sind verantwortlich für viele Badeverbote.

In den Statistiken der EFSA für 2017 über durch Lebensmittel ausgelösten Krankheiten taucht Luxemburg nur mit sieben Fällen von Salmonellenerkrankungen auf, wobei nur ein Patient hospitalisiert werden musste. Die Untersuchungen von Rinder-, Schafs- und Ziegenherden auf bestimmte Erreger blieben ohne Befund. Bei Lebensmittelstichproben wurden vereinzelt Salmonellen entdeckt.

Afrikanische Schweinepest

Die erste parlamentarische Anfrage mit der sich der neue Landwirtschaftsminister Romain Schneider befassen durfte, dreht sich um die Afrikanische Schweinepest. Die Oppositionsführerin Martine Hansen (CSV) sorgt sich, auch wenn noch kein Fall der Krankheit in Luxemburg bekannt wurde, um den zu hohen Bestand an Wildschweinen, soll heißen um eine zu geringe Bejagung, die Untersuchung von tot aufgefundenen Wildschweinen und den zu geringen Handelspreis für Wildscheinfleisch. Ganz zuletzt fragt sie noch nach der Vorschriftsmäßigkeit der vorhandenen Wildsammelplätze - die sie bezweifelt.

Gemeinsam mit Umweltministerin Carole Dieschbourg beantwortet Minister Schneider die Fragen.

In Bezug auf den zu hohen Wildschweinebestand sei es so, dass Luxemburg, anders als seine Nachbarländer, seit 2012 sogar Mindestabschussquoten für Wildschweine habe. Die Jäger müssten in einem Zeitraum von drei Jahren eine bestimmte Anzahl Sauen schießen, der derzeitige Plan gelte noch bis 2021. Die Jäger seien aufgerufen, schon jetzt möglichst viele Tiere zu erlegen, es gebe keine Obergrenze. Von 85 tot aufgefundenen Wildschweinen - mehrheitlich Opfer von Verkehrsunfällen - sei keines mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert gewesen.

Schneider bestätigt, dass der Preis für Wildschweinefleisch sehr gering sei, etwa zwei Euro je Kilo bei Abnahme des ganzen Tieres. Bei einer - aufwändigen - Direktvermarktung sehe es anders aus. Der Fleischverkauf sei sowieso kein Anreiz für Jäger, eher die Eindämmung von Wildschäden. Die Regierung habe keinen Einfluss auf den Fleischmarkt, außer darauf hinzuweisen, dass Wildschweinfleisch nicht gefährlich ist. Es gebe durchaus Aktionen zur Förderung von Wildfleischabsatz, unter anderem mit dem Schul-Caterer Restopolis. Alle zehn Wildsammelstellen sind nach Auffassung der Minister gesetzeskonform und innerhalb eines Radius von 25 Kilometern leicht zu erreichen.

Blauzungenkrankheit

Gestern war leider niemand erreichbar, der etwas zu luxemburgischen Maßnahmen zum Schutz vor der Blauzungenkrankheit sagen konnte, da seit gestern in den benachbarten deutschen Ländern Schutzmaßnahmen angelaufen sind. Laut der Nachrichtennagentur DPA kann die Blauzungenkrankheit Schafe, Ziegen und Rinder befallen und wird durch kleine blutsaugende Mücken übertragen. Ein typisches Symptom ist eine geschwollene, blau gefärbte Zunge. Für den Menschen ist der Erreger Experten zufolge ungefährlich. Fleisch und Milch infizierter Tiere können nach Angaben ohne Bedenken verzehrt werden.

Das saarländische Umwelt- und Verbraucherministerium teilte gestern mit: „Das gesamte Saarland wird zum Sperrgebiet erklärt werden, da es innerhalb des 150-km-Radius um den Seuchenbetrieb liegt. (...). Die Sperrzone ist mindestens zwei Jahre lang aufrecht zu erhalten. (...) Um eine Ausbreitung der Krankheit über den Handel zu verhindern, dürfen die Halter ihre Rinder, Schafe und Ziegen nur dann aus der Sperrzone hinaus transportieren, wenn die Tiere als geschützt angesehen werden können. Der Status „geschützt“ „ist am einfachsten durch eine Impfung zu erreichen. (...)“ Eine Impfung sei das einzige Mittel, um die Wiederkäuer vor einer Infektion zu schützen.