LUXEMBURG
INGO ZWANK

„Meco“ nimmt neues Tierschutzgesetz genauestens unter die Lupe

Nicht alles sei schlecht, und doch umfasst die Stellungnahme des „Mouvement Ecologique (Meco)“ zum Tierschutzgesetz fast 25 Seiten, fast soviel Seiten wie die Stellungnahme des Staatsrates. „Aber was für eine Qualität“, sagte Meco-Präsidentin Blanche Weber einführend zur gestrigen Pressekonferenz. Hierbei beschränkte sich der Meco in seiner Stellungnahme ausschließlich auf den Tierschutz im Rahmen der Nutztierhaltung. Die Stellungnahme basiert unter anderem auf Anregungen des Schweizer Tierschutzes.

Im Widerspruch zu den Tierschutzgedanken

So sei eine notwendige Reform der Landwirtschaftspolitik der wichtigste Punkt bezüglich des Tierschutzes, wie Weber mit Blick auf das ausführliche Dossier ausführte, indem der Meco darauf verweist, dass die heutige Orientierung der Landwirtschaftspolitik vor allem eine Orientierung auf den Weltmarkt darstelle. Auch seien die Konsumgewohnheiten derzeit „absolut im Widerspruch zu den Tierschutzgedanken“, so Weber - Stichwort: Fleisch jeden Tag auf den Tisch. „Ein reeller Tierschutz ohne eine Neuorganisation der Landwirtschaftspolitik sowie unseres Gesellschaftsmodells wird nicht möglich sein“, so Weber weiter. Dem Tierschutz soll zu einem möglichst hohen Stellenwert im Rechts- und Wertesystems verholfen werden, wobei es darum gehe, den Umgang mit Tieren in ethisch verträgliche, tierschutzgerechte Bahnen zu lenken. „Insofern müsste ein neues Tierschutzgesetz einen Spagat darstellen. Würde man das Tierwohl reell, wie es eigentlich erforderlich wäre, in den Fokus stellen und umsetzen, so müsste die weltweite Nachfrage nach tierischen Produkten sinken und die gesamte Orientierung der Landwirtschaft umgekrempelt werden. Dies wird aber kaum erfolgen oder machbar sein“, resümierte Weber. Es gelte, die Weichen in diesem Sinne zu stellen - vielleicht verbunden mit entsprechenden Sensibilisierungskampagnen und Aktionen wie Werbeverbot für Billigfleisch oder auch den Leuten die Landwirtschaft wieder näher bringen, so die Ideen des Meco. Dabei sollte verstärkt auf aufgeklärte Verbraucher gesetzt und auch die Landwirte in diesen Prozess eingebunden werden.

So soll „Tierwürde“ und Wahrung der „Bedürfnisse“ der Tiere in den Vordergrund gestellt werden. Die Landwirte müssten im Sinne eines Mehr an Tierschutz beratend und „auch finanziell bei notwendigen betrieblichen Umstellungen unterstützt werden. Dabei müssten die Haltungsbedingungen der Nutztierarten grundsätzlich dem Tierwohl untergeordnet werden“, sagte Weber. Auch müssten Schmerzen von Tieren zur Produktionssteigerung und zur Vereinfachung von Haltungsbedingungen konsequent reduziert werden. „Eine regelrechte Schmerzausschaltung statt nur Sedierung sei nach MouvEco-Arbeitsblatt geboten. Auch müssten Transportzeiten von Schlachttieren zeitlich strikt begrenzt und der Transitverkehr verboten sein, wie es auch die Schweiz realisiert habe, so Vizepräsident Roger Schauls. „Auch Fischerei und Jagd in einem zeitgemäßen Rahmen müssten im Thema des Tierschutzes aufgegriffen werden“, sagte Weber.

Ein exemplarisches Tierschutzgesetz sollte her

Das Töten von Tieren „ohne vernünftigen Grund“ muss nach Meco-Ansicht strikt verboten werden, womit auch die Dienste der „Administration des Services vétérinaires“ als Kontrollinstanz gestärkt gehören. „Dies ist kein Vorwurf an die Verwaltung, aber es muss mehr Personal zur Verfügung stehen.“

„Luxemburg sollte die anstehende Reform des Tierschutzgesetzes nutzen, um ein exemplarisches Tierschutzgesetz zu verabschieden, das den Übergang in eine tierschutz- und umweltgerechtere Landwirtschaftspolitik, auch im Sinne einer mittelständigen Landwirtschaft, in die Wege leitet“, so der abschließende Aufruf von Blanche Weber.

Im Mai soll zu diesem Thema übrigens auch eine Konferenz vom Meco abgehalten werden.

Komplette Stellungnahme unter www.meco.lu einsehbar