LUXEMBURG
SVEN WOHL

ANIL möchte bei Entscheidungen mehr Mitspracherecht haben

Es werfen sich grundlegende Fragen zum Stellenwert der Pflege in unserer Gesellschaft auf“, sagte Anne-Marie Hanff gleich zu Beginn der Vorstellung der zahlreichen Probleme, die den Pflegesektor betreffen. Die Präsidentin der „Association Nationale des Infirmières et Infirmiers du Luxembourg“ (ANIL) wagte zusammen mit Michèle Halsdorf, der vorherigen Präsidentin und Tina Koch, Generalsekretärin, eine Tour de Force durch die Problemzonen des Bereichs. Denn die Krisenstimmung mündet in klaren Forderungen: Man möchte wahrgenommen werden und auf Augenhöhe bei den wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht besitzen. Kurz: Man möchte am Diskussionstisch sitzen. Es soll nicht mehr über die Pflege, sondern mit der Pflege gesprochen werden.

Mitspracherecht möchte man vor allem bei der Ausarbeitung von Gesetzen haben. Denn aktuell gebe die Pflege oft nur nach dem Abschluss dieser Arbeiten eine Stellungnahme ab, die zudem meistens ignoriert werde. Bestes Beispiel sei das neue Krankenhausgesetz, wo die Aufgaben und Kompetenzen der Pflegedirektion keine Erwähnung finden. Die Pflege wird außerdem für die Position des Generaldirektors ausgeschlossen, was die ANIL ebenfalls kritisiert.

Auf gleicherAugenhöhe

Im weiteren Bereich der Pflegepolitik wird festgestellt, dass niemand für diese innerhalb der „Direction de la santé“ zuständig ist. So fordern die Vertreter der ANIL die Einführung eines „Directeur des soins“, welcher als Ansprechperson fungieren soll und die Pflege bei Entscheidungsprozessen vertritt. Die Person soll als „Directeur adjoint de soins“ im Gesundheitsministerium integriert werden.

Insgeheim müsste die Kommunikation verbessert werden. Insgesamt fünf Minister arbeiten mit der Pflege zusammen, wobei nicht immer klar ist, wer für was zuständig ist. Um einen Aktionsplan für das Jahr 2020 aufzustellen, fordern die Vertreter der ANIL, dass eine interministerielle Kommission für den Pflegebereich geschaffen wird.

Einer Überarbeitung bedarf das Tarifsystem für ambulante Pflege. Dieses basiert auf einem Katalog, der bereits zwei Jahrzehnte alt ist. In der Zwischenzeit habe es viele Entwicklungen gegeben. Laut einer Untersuchung der Universität Vallendar (2013-2014) sind 32 Prozent aller Leistungen, die für eine autonome Lebensführung unabdingbar sind, nicht im Leistungskatalog enthalten. Dies bedeutet, dass diese auch nicht bezahlt werden. Neben einer Aktualisierung des Katalogs müsste das gesamte Funktionieren der zuständigen Nomenklaturkommission überarbeitet werden.

Dabei geht es unter dem Strich auch um Geld. So müsste stärker in die Pflege investiert werden. Die Langzeitpflege mache in Luxemburg nur 1,3 Prozent des BIP aus, während er bei den Nachbarländern bis zu dreimal höher ausfallen kann.

Zudem wirft man auch die Frage auf, welche Rechte die Politik und Gesellschaft den Pflegebedürftigen zuspricht. Zusätzlich möchte die ANIL ein Recht auf eine Teilnahme an einer Quadripartite erhalten, die Pflege zusätzlich akademisieren und nationale Qualitätsindikatoren für die Pflege definieren.


Mehr Informationen finden Sie auf anil.lu