LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Fortsetzung der Verfilmung des Musicals „Mamma Mia“

Vier Buchstaben, eine Legende: Abba. Die schwedische Popgruppe, bestehend aus Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad, startete 1974 voll durch, nachdem sie den Eurovision Song Contest mit „Waterloo“ gewonnen hatte. Im Trend der sogenannten Jukebox-Musicals kam 1999 die Show „Mamma Mia“ in London auf die Bühne, wo sie noch immer läuft. 2008 wurde das Musical verfilmt, ein Film, der aber weit hinter den Qualitäten der Bühnenshow zurückblieb. Nun kommt ein zweiter Teil zu dieser Verfilmung in die Kinos, „Mamma Mia! Here We Go Again“ von Ol Parker.

Hotel Bella Donna

Sophie (Amanda Seyfried) hat das Hotel ihrer verstorbenen Mutter Donna (Meryl Streep) renoviert. In ein paar Tagen ist die Neueröffnung vom „Bella Donna“. Ihr Mann Sky (Dominic Cooper) ist allerdings beruflich in New York und kann nicht kommen. Nur einer ihrer drei Väter, Sam (Pierce Brosnan), ist anwesend, während Bill (Stellan Skarsgård) und Harry (Colin Firth) beruflich verhindert sind. Ihre besten Freundinnen Tanya (Christine Baranski) und Rosie (Julie Walters) sind jedoch zeitig angereist. Erinnerungen an Donna und ihre drei Affären, die mit der Geburt von Sophie endeten, werden wach.

Es scheint, als hätte Regisseur Parker willkürlich Rückblenden einbaut, ohne irgendwelche Logik, jedenfalls am Anfang des Films. So wird der Zuschauer ohne Vorwarnung ins Jahr 1979 zurückversetzt, wo die junge Donna (Lily James) zusammen mit Tanya (Jessica Keenan Wynn) und Rosie (Alexa Davies) ihren Schulabschluss zu „When I Kissed the Teacher“ feiert. Donna bereist die Welt und begegnet in Paris Harry (Hugh Skinner). Komplett unlogisch folgt die Erinnerung an ihre Begegnung mit Bill (Josh Dylan), während man einen sich besinnenden Sam im Bild sieht. Schließlich trifft Donna den jungen Architekten Sam (Jeremy Irvine) auf einer kleinen griechischen Insel, auf der sie bleiben wird, ohne einen Vater für ihre Tochter Sophie. So plätschert die Geschichte daher, zwischen Abba-Hits, wie „One of Us“, „Waterloo“, eine Szene, die in einem Pariser Restaurant spielt, wo die Bedienung Uniformen aus Napoleons Zeiten anhat, „Kisses of Fire“, „Andante, Andante“, „I Have a Dream“ oder „Dancing Queen“, und Flashbacks, die mit laufender Spielzeit besser eingesetzt werden.

Übers Knie gebrochen

Die Geschichte, die fünf Jahre nach „Mamma Mia“ spielt, also etwa 2005, strotzt oft nur so von Banalitäten, wie das pubertäre Gehabe von Tanya, Kitsch, wie ein riesiger blauer Mond, und Unlogik. So schickt Sophie die Einladungen erst ein paar Tage vor der Eröffnung des Hotels ab. Harry, Bill und Sky sind in Nullkommanix von Tokio, Stockholm oder New York auf der Insel. Als Apotheose von allem, taucht eine scheinbar in Stein gehauene Cher als Oma Ruby auf. Wenn man nicht wüsste, dass diese Dame singen kann, könnte man starke Zweifel an ihrer Fähigkeit bekommen, denn „Fernando“, das sie im Duett mit Andy Garcia trällert, der Señor Cienfuegos spielt, klingt einfach grausam. Würde sie zudem eine Grimasse schneiden, würde ihr tonnenschweres Make-up sofort abbröckeln.

Nur ein paar Szenen gefallen, besonders die Taufszene zu „My Love, My Life“. Irgendwie scheint der Regisseur, der einzig mit „The Best Exotic Marigold Hotel“ international auffiel, keine Ahnung zu haben, wie man einen Musikfilm inszeniert. Er scheint sich mit der unsterblichen Musik von Abba zufrieden zu geben, ohne auf Logik zu achten, eine anständige Kameraführung - es gibt Aufnahmen im Gegenlicht - und eine Geschichte, die wie übers Knie gebrochen daherkommt. Ja, wäre da tatsächlich nicht die Musik von Abba, man würde den Kinosaal schnellstens verlassen.