LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft plädiert auf Körperverletzung mit Todesfolge

Zwei mühsame Prozesse liegen hinter den Richtern der Kriminalkammern Luxemburg, die versuchten, die Frage zu klären, ob die beiden Angeklagten den 41-jährigen Obdachlosen Jean-Claude B. am 28. März 2014 in der Nähe des Findel getötet haben. Die Kriminalkammer hat es sich nicht leicht gemacht. Die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter stellte schnell klar, worum es im Prozess geht: Vorsätzliche Tötung und Mord.

Nach Abschluss der Beweisaufnahme hielten die Prozessparteien ihre Plädoyers. Der Luxemburger Strafrechtler Roland Michel verteidigt den mutmaßlichen Täter Andrzej R..

Im Zweifel für den Angeklagten

Für den Verteidiger gilt: Zweifel an der Schuld des Angeklagten bestehen immer noch. Für die Verteidigung gibt es zwar viele Puzzleteile, aber keinerlei Beweise für die von der Anklage favorisierte Theorie. Ein nachvollziehbares Motiv für einen Mord geben die Indizien nicht her, sagt der Verteidiger. Totschlag käme auch nicht in Frage, denn es konnte nicht einwandfrei bewiesen werden, dass das Opfer durch eine Prügelattacke gestorben sei. Dazu bemerkte der Verteidiger, dass das Opfer mit 19 Jahren einen schweren Unfall hatte und im Kopfbereich schwer verletzt wurde. Aus dem Bericht vom „Laboratoire de Santé“ stehe, dass das Opfer medizinisch stark vorbelastet gewesen sei. Ein Sturz hätte deshalb bereits zu schweren Komplikationen führen können. Wenn die Staatsanwaltschaft keine Gewissheit hinsichtlich der Täterschaft und der Todesursache habe, könnten die Richter den Angeklagten nicht verurteilen. Der Satz „in dubio pro reo“ sei nicht vom Tisch, sagte Michel. Wenn das Gericht den Angeklagten verurteilen sollte, beantragte Roland Michel deshalb für seinen Mandanten eine geringe Strafe.

Die Anklagevertreterin ihrerseits fasste noch einmal den Tatablauf zusammen und wählte deutliche Worte, um den Vorsatz der beiden Angeklagten zu beschreiben: Ihnen war sicherlich bewusst gewesen, dass der Obdachlose eine solche Attacke nicht überleben würde, sagte die Anklagevertreterin, doch hält sie an dem Anklagepunkt Mord nicht mehr fest. Es gebe aber genug Indizien für eine mögliche Tatbeteiligung der Angeklagten, wertet die Staatsanwältin; für sie besteht ein klarer Kausalzusammenhang zwischen den Verletzungen und dem Tod des Opfers. Es sei traurig, dass man einen Menschen einfach so liegen lasse - „wie ein Stück Abfall“ hätten sie das Opfer zurückgelassen, sagte Anklagevertreterin.

Schließlich beantragte die Anklagevertreterin die Verurteilung von R. wegen Körperverletzung mit Todesfolge und wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren. Für Evaldas beantragte sie eine Strafe wegen unterlassener Hilfeleistung von vier Jahren.

Der Angeklagte sagte noch zum Schluss, dass er unschuldig sei.

Das Urteil fällt am 24. Mai 2018.