SUNNYVALE
MARCO MENG

Der Einschlag wird kommen, wenn er nicht abgewehrt wird - „Asteroid Foundation“ wird in Luxemburg gegründet

Nur ein Bruchteil der Asteroiden, die in unserer Galaxis umherschwirren, sind entdeckt. Schon der, der vor einigen Jahren filmreif über der russischen Stadt Tscheljabinsk niederging, hätte das Ende für die Menschheit bedeuten können, wäre er denn größer gewesen.

Wie der ehemalige NASA-Astronaut Ed Lu am Dienstag in Sunnyvale der Wirtschaftsdelegation aus Luxemburg erklärte, erfuhr selbst die Nasa erst durch Twitter-Meldungen und den Handybildern vom Satelliteneinschlag. Nur der Tatsache, dass die Stadt Tscheljabinsk verfehlt wurde, ist es zu verdanken, dass es keine Toten durch diesen Asteroideneinschlag gab. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis einer die Erde träfe - mit weit gravierenderen Folgen, so Lu. Schon ein Asteroid von einem Kilometer Durchmesser genüge. Das zu verhindern, hat sich der ehemalige Astronaut zur Aufgabe gemacht.

Gründung am Welt-Asteroiden-Tag 

Zum nächsten Welt-Asteroiden-Tag, der an die Gefahr gemahnen soll, kündigten Danica Remy, Mitinitiatorin von Asteroid Day, und Ed Lu am Dienstag an, in Luxemburg eine „Asteroid Foundation“ zu gründen. Astronauten und Astrophysiker werden zu diesem Zweck am 30. Juni nach Luxemburg kommen. Neben Ausstellungen zum Thema wird im Mudam der Film „51 Grad Nord“ des Regisseurs Grigorij Richters gezeigt.

Der Welt-Asteroiden-Tag wurde von den Vereinten Nationen in Gedenken an den Asteroiden-Einschlag am 30. Juni 1908 ins Leben gerufen, bei dem in Westsibirien weite Landstriche verwüstet wurden. Die Asteroid Foundation soll den Austausch von Wissenschaftlern, Astronomen und Ingenieuren, die sich mit Asteroiden befassen, fördern, und die Öffentlichkeit für die Gefahren eines Asteroiden-Einschlags sensibilisieren.

„Menschen müssen das Problem lösen“, sagte Lu. Internationale Zusammenarbeit ist nötig; doch wie Wirtschaftsminister Schneider anmerkte, kam ein entsprechendes Projekt der europäischen Weltraumbehörde ESA in Kooperation mit der Nasa nicht zustande, in das nur Luxemburg zu investieren bereit war. „Wir sind aber mit Deutschland im Gespräch“, sagte Schneider.

John Carrico von Google arbeitet derzeit an einer 3-D-Asteroiden-Karte, die nötig ist, um Asteroiden zu entdecken, zu katalogisieren und deren Flugbahnen zu errechnen. „Ein Asteroid kann aufgehalten werden, wenn man ihn rechtzeitig entdeckt.“ Monate oder Jahre im Voraus.

Carrico rechnet in etwa zwei Jahren mit dem fertigen Programm, das dann offen für alle sein und der Standard in der Asteroiden-Ortung sein soll. Damit soll dann nicht nur die Flugbahn und Geschwindigkeit eines Asteroiden kalkuliert werden, sondern auch die benötigte Kraft, um ihn gegebenenfalls von der Erde wegzulenken. Je eher das geschieht, desto so einfacher ist es.

Auch die UN hat die Gefahr erkannt und ein „UN Asteroid Warning Network“ eingerichtet. Die Frage ist dabei vor allem: Wer trägt welche Verantwortung? Könnte ein Asteroid im schlimmsten Fall durch eine Atomrakete zerstört werden? Und wer sollte diese Rakete starten?

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