CARCASSONNE
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Die tödlich verlaufene Geiselnahme in einem französischen Supermarkt ist beendet. Der Täter sei in Trèbes bei Carcassonne erschossen worden, teilte Innenminister Gérard Collomb am Freitag auf Twitter mit. Er kündigte eine Stellungnahme an. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, Einsatzkräfte hätten den Täter getötet. Der zuletzt als einzige Geisel festgehaltene Polizeibeamte sei verletzt worden.

Der Täter berief sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Carcassonne meldete. Zwei Menschen seien getötet worden, bestätigte das Pariser Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Bilanz sei vorläufig und könne sich leider noch verschlimmern. Medien berichteten von drei Todesopfern, bevor Einsatzkräfte den Geiselnehmer ausschalteten.

Man gehe von einem Terrorakt aus, sagte Premierminister Édouard Philippe vor Journalisten. «Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Terroranschlag handelt», sagte Präsident Emmanuel Macron vor Journalisten beim EU-Gipfel in Brüssel. Zudem soll die Geiselnahme mit vorherigen Schüssen auf Polizisten zusammenhängen.

Die Geiselnahme hatte kurz nach 11 Uhr in Trèbes östlich von Carcassonne begonnen. Laut Zeugenaussagen waren Schüsse gefallen. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus sowie wegen Freiheitsberaubung.

Die Polizei hat den Geiselnehmer Medienberichten zufolge identifiziert. Wie der Radiosender France Info meldete, ist der Mann den Geheimdiensten bekannt und in einer Datenbank zur Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung verzeichnet. Die südfranzösische Zeitung «La Dépêche du Midi» berichtete darüber hinaus, der Täter sei ein Marokkaner im Alter zwischen 30 und 40 Jahren und anhand des Nummernschildes seines Autos identifiziert worden.

Dem steht ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP gegenüber, wonach der Täter zunächst ein Auto in Carcassonne gestohlen hatte. Dabei habe er einen Passagier getötet und den Fahrer verletzt, meldete die Agentur unter Berufung auf Ermittlerkreise. Danach habe er in der Nähe einen Polizisten verletzt, bevor er bei der Geiselnahme in einem Supermarkt im Ort Trèbes zwei weitere Menschen getötet habe.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Sie leitete eine Untersuchung wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus ein, wie die Behörde mitteilte. Außerdem wird wegen Freiheitsberaubung ermittelt.

Der Geiselnehmer soll laut einem Medienbericht die Freilassung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam gefordert haben. Das meldete der Sender BFMTV ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Zelle der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Das Innenministerium hatte während der Geiselnahme auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um den Supermarkt «Super U» in dem 5500-Einwohner-Ort zu meiden. Laut französischen Medien wurde das Gebiet abgeriegelt. «Ein großer Teil der Mitarbeiter und der Kunden des Super U konnten fliehen», zitierte AFP eine namentlich nicht genannte informierte Person.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekundete ihre Anteilnahme. «Wir sind natürlich bei den Betroffenen und Angehörigen und sprechen ihnen aus vollem Herzen unsere Anteilnahme aus», sagte sie beim EU-Gipfel in Brüssel. «Wir stehen, wenn es um terroristische Bedrohungen geht, natürlich an der Seite Frankreichs und wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun.»

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Die Behörden sprechen regelmäßig von einer weiterhin hohen Gefahr.