LUXEMBURG/WALDHOF
PIERRE WELTER

Zwischenfall im Armeemunitionslager beschäftigt Gericht Luxemburg

Vor dem Bezirksgericht Luxemburg hat gestern der Prozess gegen einen früheren Soldaten begonnen. Der 28-jährige Ex-Soldat David B. stand zunächst unter Verdacht, seinen 28-jährigen Kollegen Laurent T. entweder fahrlässig mit einem Sturmgewehr getötet oder ermordet zu haben.

Was war passiert? Am Montag, den 5. November 2012 gegen 17.25, fanden Soldaten im „Camp Militaire Waldhof“, das allgemein als Armeemunitionslager bekannt ist, einen toten Kameraden, der offensichtlich durch eine Gewehrkugel ums Leben kam. Über die näheren Umstände seines Todes war zunächst nichts bekannt geworden. Die Kripobeamten fanden den Toten im Korridor, die ermittelte Tatwaffe soll laut Ermittlungen eine solche für Rechtshänder sein.

Wie die Staatsanwaltschaft damals mitteilte, konnte der Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen. Eine Fremdeinwirkung wurde zunächst ausgeschlossen. Die Behörden gingen von einem Selbstmord oder einem Unfall aus. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermittelten.

Eine Obduktion des Leichnams war damals angeordnet worden. Doch am nächsten Tag teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass es sich um einen suspekten Tod handelte. Die Rechtsmedizinerin Dr. Kattia Loddo gab zu Protokoll, dass es zwei Schussverletzungen gab. Ein Schuss durchdrang den rechten Arm, der zweite Schuss den Brustkorb und zerfetzte die Leber. Es handelt sich laut Obduktion nicht um Nah-, sondern um Weitschüsse, denn Schmauchspuren am Körper wurden keine gefunden. Laut Obduktion ist die Todesursache „inneres Verbluten“.

„Gröblichst fahrlässiger Umgang“

Was zunächst nach einem Schießunfall mit tödlichem Ausgang aussah, wurde daher schnell in Frage gestellt. Schnell wurde klar, dass zwei Verdächtige in diesem Fall gelogen hatten. Die zwei Kollegen, die während dem Abfeuern der Waffe anwesend gewesen sein sollen, wurden festgenommen. Einer der Kollegen wurde aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihm konnte nichts nachgewiesen werden.

Ob der Beschuldigte den Wachposten beim Herumspielen mit seiner Dienstwaffe durch einen Schuss getötet hat, bleibt offen. Die jungen Männer hatten auf jeden Fall Munition, weil sie sich im Wachdienst befanden. Beide hatten sich eine Version zurechtgelegt, die sie recht lange bei der Kripo aufrechterhielten. Bis der Beschuldigte den Behörden schließlich die Wahrheit erzählte. Jedenfalls bestritt der Beschuldigte bei der Kripo mit der Waffe herumgespielt zu haben. Als er die Waffe von der Schulter nahm, sei der Schuss gefallen, der seinen Kameraden traf.

Der zuständige Ermittler gab weiter zu Protokoll, dass es eine Reihe Sicherheitsmaßnahmen gab, die von dem Beschuldigten nicht eingehalten wurden und stellte weiter fest, dass die Waffe technisch einwandfrei war. Die Kripo schließt daher eine Fehlfunktion aus und konzentrierten sich auf Berichte, nach denen der Schuss sich durch unvorsichtige Handhabung löste.

Der Beschuldigte hatte selbst bei der Kripo zugegeben, dass er gegen alle Vorsichtsmaßnahmen verstoßen hatte. Der Vorsitzende Richter Prosper Klein bezeichnete dies als einen „gröblichst fahrlässigen Umgang“.

Die Aufgabe, den Fall restlos aufzuklären, liegt jetzt beim Gericht. Handelte es sich bei dieser Tat somit um eine fahrlässige Tötung? Die Staatsanwaltschaft hat in der heiklen Sache eine Reihe von Zeugen vorgesehen. Außerdem sind Überprüfungen mit den vorgefundenen Waffen im Gerichtssaal vorgesehen.

Die Verwandten des Opfers werden in dem Prozess als Nebenkläger auftreten.
Der Prozess wird heute fortgesetzt