CLAUDE KARGER

Der tragische Vorfall im Munitionsdepot der Armee beim „Waldhaff“ am Donnerstag hat uns auf brutalste Weise vor Augen geführt, was für ein tödliches Erbe der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Und wie gefährlich, trotz aller modernen Instrumente und Dauerausbildung die Arbeit eines Kampfmittelräumers bleibt. Zwei von ihnen mussten sie nun mit dem Leben bezahlen. Ihren Familien und ihren Angehörigen gilt unser tief empfundenes Beileid.

Wir verneigen uns allgemein vor dem Einsatz der Kampfmittelräumspezialisten, die jahrein, jahraus zur Stelle sind, um die Sicherheit ihrer Mitmenschen zu gewährleisten, indem sie todbringendes Kriegsmaterial schnellstmöglich entfernen und unschädlich machen. Über 300 Einsätze jährlich im In- und Ausland fährt die kleine Einheit des „Service de Déminage de l’Armée Luxembourgeoise“. Die meisten Missionen bleiben von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt.

Allein in Luxemburg werden so im Jahr vier bis fünf Tonnen Munition aller Art beseitigt. Auch Granaten und Bomben großen Kalibers, von denen man nie weiß, wie sie sich verhalten. Ein Sprengkörper, das sagten uns im vergangenen November Mitarbeiter des SEDAL im Rahmen einer Reportage, wird nämlich mit der Zeit gefährlicher und nicht harmloser, wie oft angenommen wird. Wie viele auf den ehemaligen Schlachtfeldern in Luxemburg und in der Großregion verrotten, weiß niemand so genau. Gewusst ist nur, dass Millionen und Abermillionen Tonnen Munition in den riesigen Materialschlachten des 20. Jahrhunderts verschossen wurden. Einige Anhaltspunkte: Während der zehnmonatigen Schlacht von Verdun 1916 wurden schätzungsweise 53 Millionen Granaten abgefeuert - eine alle drei Sekunden. An der ehemaligen Westfront, wo jahrelang Meter für Meter gekämpft wurde, treten noch hundert Jahre später fast täglich Kriegsinstrumente zutage.

Im Zweiten Weltkrieg warfen allein die „Air Forces“ der USA und Großbritanniens zwei Millionen Tonnen Bomben über Deutschland ab, oft auf dicht besiedelte Gebiete. Schätzungsweise 15 Prozent der Bomben detonierten nicht und werden regelmäßig bei Bauarbeiten entdeckt.

Damit sie geborgen werden können, werden auch 75 Jahre später immer wieder zehntausende Bürger evakuiert. Fast wöchentlich erreichen uns entsprechende Meldungen aus Rheinland-Pfalz und Saarland, wo übers Jahr gesehen insgesamt 45 Tonnen unterschiedlichste Munition beseitigt werden müssen.

In anderen, von rezenteren Konflikten betroffenen Ländern sind ganze Landstriche durch Minen und perfide Streumunition verseucht, die jährlich tausende Tote und Verletzte in der Welt fordern, wie nicht zuletzt die NGO Handicap International immer wieder unterstreicht. Ein Krieg ist also längst nicht vorbei, wenn ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde. Noch lange danach fordert er Opfer. Und nicht nur weil verbleibendes Kriegsgerät weiter tötet und verletzt. Oft gleichen auch die Psychen der Betroffenen Trümmerfeldern, die nie wieder aufgebaut werden können. Deshalb gilt: Alle Mittel einsetzen, um Kriege zu verhindern. Und keine Macht denjenigen, die zündeln.