LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Wie gehen luxemburgische Schulen gegen Mobbing vor?

Mobbing und Cybermobbing sind unumgängliche Themen, dies nicht erst seit kurzem. Dennoch kommt das Gefühl auf, dass keine richtigen Handlungsmaßnahmen getroffen werden, oder dass Betroffene sowie auch Außenstehende oft nicht wissen, wie sie sich verhalten können, oder an wen sie sich im Fall von Mobbing wenden können. Vor allem die Digitalisierung ermöglicht eine noch schnellere Verbreitung von Gerüchten und Hassbotschaften. Gleichzeitig erschwert sie es Täter ausfindig zu machen. Darauf wurde nun auch der adr Deputierte Fernand Kartheiser aufmerksam und wendete sich mit einer parlamentarischen Frage bezüglich Mobbingprävention an das Bildungsministerium. Er verweist auf den enormen psychischen Druck, die psychischen Wunden und die Scham, die Betroffene mit sich tragen. Natürlich wurden schon zahlreiche Präventionskampagnen organisiert, allerdings scheint die Anzahl an Mobbing-Fällen dadurch aber nicht sonderlich zu sinken. Erschüttert darüber, wie viele Jugendliche einen Psychologen aufsuchen müssen und dass Mobbing im schlimmsten Fall im Suizid enden kann, fordert er nach Aufklärung. Der Bildungsminister soll erläutern was im Bereich Prävention bis dato in die Wege geleitet wurde, welche Maßnahmen innerhalb sowie außerhalb von Schulen getroffen werden, um der Problematik entgegenzuwirken, beziehungsweise wie Schulen reagieren, und an wen sich Betroffene und Angehörige wenden können. Die Antwort auf so viele Fragen wurde ausführlich von Minister Claude Meisch beantwortet.

Zahlreiche Formationen, aber nicht obligatorisch

Das „Institut de formation de l‘Éducation nationale“ (IFEN) und das „Centre psychosocial et d’accompagnement scolaires“ (CePAS) organisieren bereits seit Jahren zahlreiche Fortbildungen für Lehrpersonal und sozialpädagogisches Schulpersonal wie Erzieher. Diese werden in unterschiedliche Kategorien eingeteilt, so dass sowohl für Prävention und Intervention, als auch für Sensibilisierung und Aufklärung gesorgt wird. Ihnen wird also nicht nur beigebracht, Schülern soziale Kompetenzen, wie Kommunikations- und Konfliktfähigkeit nahezubringen, sondern sie lernen auch Methoden, um mit Mobbing oder Gewalt richtig und angemessen umzugehen. Dazu gehört auch ein gewisses Hintergrundwissen, damit das Schulpersonal Mobbingfälle schnell erkennen und auch dementsprechend reagieren kann. Hier geht es auch darum, dass Bildende und Erzieher wissen müssen, wie eine solche Situation zu entschärfen ist, damit sie den Schülern mit der nötigen Sensibilität entgegentreten und es nicht zu einem weiteren Eklat kommt. Zusätzlich zu diesen Fortbildungen beschäftigen sich weitere Kurse insbesondere mit dem Thema Cybermobbing, damit auch in der digitalen Welt solche Fälle schneller identifiziert werden können. Sie werden so geschult, dass sie ihre Schüler sowohl sensibilisieren als auch eventuell schützen können. Wer sich auch außerhalb der Fortbildungen noch mit Thema beschäftigen möchte, kann sich beim CePAS noch zusätzlich pädagogisches Material ausleihen, erklärt der liberale Minister. Damit nicht nur Lehrpersonal aufgeklärt wird, organisiert das CePAS zusätzlich Informationsabende und Konferenzen, an denen auch Eltern gerne teilnehmen können. Das einzige Manko liegt wohl darin, dass die Formationen fakultativ sind.

Bewusst und konstruktiv handeln

Wichtig ist, hebt der DP-Minister hervor, dass man klar zwischen Konfliktsituationen und systematischem Mobbing unterscheidet. Wird tatsächlich Mobbing identifiziert, hat jede Schule individuelle Strategien ausgearbeitet. Obschon einige Schulen bereits Anti-Mobbing-Programme anbieten, ist es dennoch wichtig darauf hinzuweisen, dass die Mitarbeiter der Initiative „Stop Mobbing“ spezifisch für solche Fälle ausgebildet sind. Sie können von Schulen kontaktiert werden, um eine geschulte, aber auch neutrale Person mit einzubeziehen. Das wichtigste ist, dass konstruktiv gehandelt wird und dass wieder ein positives Klima hergestellt wird. Hier kann man auch mal kreativ werden, wie es das CePAS zeigt. Sie planen für dieses Jahr zum Thema Mobbingprävention ein interaktives Theaterprojekt mit Schülern. Außerdem wird Tätern ein Antigewalttraining angeboten.

Wer trotzdem noch mit offenen Fragen zurückbleibt, dem helfen die unterschiedlichen gratis Hotlines. Während Eltern sich beim „Elterentelefon“ melden können, bietet das „Kannerjugendtelefon“ europaweit ein offenes Ohr und Unterstützung für Kinder und Jugendliche. Die „BEE SECURE Helpline“ richtet sich an alle, die auf der Suche nach Beratung im Bereich Medien sind, dazu gehört selbstverständlich auch das Thema Cybermobbing.

Am wichtigsten bleibt das konstruktive Handeln. Junge Menschen sollen lernen, dass Mobbing nicht mit Mobbing bekämpft wird. Sie sollen einen respektvollen Umgang erlernen, daher auch die zahlreichen Weiterbildungen des Schulpersonals, die den Jugendlichen die richtigen Werte vermitteln sollen. Zudem unterstützt auch das Projekt „Peer-Mediation im Schulalltag“ Schüler dabei, konstruktive Konfliktlösung zu erlernen. Es geht darum, soziale Kompetenzen zu verfeinern und somit für mehr Toleranz, Kompromissbereitschaft und Kooperationsfähigkeit zu sorgen.

Noch mehr Informationen zur Aufklärung über Mobbing und Cybermobbing gibt es unter www.bee-secure.lu, Elterentelefon: 26 64 05 55, Kannerjugendtelefon: 11 61 11, BEE SECURE Helpline: 80 02 12 34