JEAN SCHOOS

Bis vor rund 130 Jahren galt Tollwut als eine Krankheit, die unweigerlich zum Tod führte und gegen die es keine Heilung oder Impfung gab. Erst Louis Pasteur gelang es 1885, einen Impfstoff erfolgreich bei einem Menschen zu testen. Durch Impfungen von Mensch und Tier, im Besonderen der Füchse, gilt die Krankheit in Westeuropa weitestgehend als ausgerottet. Hierzu Jean Schoos, Präsident der „Association des Médecins Vétérinaires du Grand-Duché“ (AMVL).

„Der letzte Fall von Tollwut in Luxemburg wurde im Dezember 1999 registriert. Dabei handelte es sich um ein Pferd, das vermutlich von einem Fuchs gebissen wurde. Seither konnte weder beim Fuchs noch bei sonst einem Tier Tollwut nachgewiesen werden. Die einzige Ausnahme bilden die Fledermäuse, bei denen in der Eifel Tollwut nachgewiesen werden konnte. Dazu muss man allerdings sagen, dass sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig darüber ist, ob sich dieser Virus nicht vielleicht bereits so weit verändert hat, dass er nicht mehr auf den Menschen übertragbar ist.

Da es in unserer Gegend auch keine Fledermäuse gibt, die Säugetiere wie Fuchs, Hund oder den Menschen beißen, wäre die Chance auch sehr gering, dass eine Ansteckung erfolgt. Denn der Tollwutvirus überträgt sich in dessen Endphase über den Speichel. Falls sich also mal eine Fledermaus ins Schlafzimmer verirren sollte, ist das kein Grund zur Panik. Wenn das Virus keinen Fleischfresser befällt, beißt das erkrankte Tier in der Regel auch nicht und das Virus wir nicht übertragen. Wenn jedoch ein Fuchs an Tollwut erkrankt, verliert er zunächst die Scheu vor dem Menschen, ist auch tagsüber aktiv, wird aggressiv auch gegenüber Nicht-Beuteltieren wie eben Hund, Katze und Menschen und greift an.

Allerdings sollte man nun nicht erschrecken, wenn man sieht, wie ein Fuchs durchs Dorf läuft. Denn Füchse sind Zivilisationsfolger und haben sich uns angepasst. Die Chance, dass man in Luxemburg einem tollwütigen Fuchs begegnet, ist geringer, als dass man bei Euro Millions gewinnt. Auch durch das Schießverbot von Füchsen ist das Risiko, dass die Tollwut wieder in Luxemburg Einzug hält, nicht gestiegen. Hühnerbesitzer dürften hingegen weniger froh über das Verbot sein.

Innerhalb der EU gibt es die Tollwut nur noch in Rumänien und Bulgarien, wo man allerdings dabei ist, sie mit entsprechenden Bekämpfungsprogrammen auszurotten. In Nordafrika ist die Tollwut hingegen noch sehr weit verbreitet, auch beim Hund. Da aus solchen Ländern gelegentlich illegal Hunde importiert werden, besteht das Risiko, dass der Virus wieder eingeschleppt wird. Genau deswegen gibt es auf EU-Ebene das Gesetz, dass keine Hunde importiert werden dürfen, die nicht gegen Tollwut geimpft sind. Solange diese Gesetze eingehalten werden, haben wir nichts zu befürchten. Sollte der Virus dennoch eingeschleppt werden, würde sich die Tollwut recht schnell in unserer Fuchspopulation verbreiten, da diese nicht mehr geimpft, dafür aber überwacht wird.“