LUXEMBURG
MARCO MENG

Unternehmen brauchen Entwicklung - LIST lud zum Innovations-Tag nach Esch

Was sind die Herausforderungen für Unternehmen und wie können sie durch die Zusammenarbeit mit öffentlicher Forschung im Rennen um die globale Wettbewerbsfähigkeit gewinnen? Um zu zeigen, wie Innovationen konkret umgesetzt wird, veranstaltete am Donnerstag das „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) in Esch/Alzette seinen ersten „Technology Day“ unter dem Motto „Technologien, made in Luxembourg!“ Dabei sollte nicht nur Luxemburgs wachsende Innovationskraft beleuchtet werden, sondern mit Diskussionen und Präsentationen auch Einblicke in die drängendsten Innovationsherausforderungen der LIST-Partner gefördert werden, sagte Fernand Reinig, CEO a.i. von LIST. „Wir sind davon überzeugt, dass LIST bei der Katalysierung von wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen zur Lösung der Innovationsherausforderungen von größter Bedeutung ist, sei es in den Bereichen Produktentwicklung, Herstellung, Digitalisierung, Regulierung oder Umweltverträglichkeit“, sagte Reinig. Zugleich wurde der „Technology Showroom“ von LIST eingeweiht, den die zahlreichen Vertreter aus der luxemburgischen Wirtschaft gestern mit Interesse in Augenschein nahmen und der „Beispiele für neue Technologien und Lösungen zeigt, die die Wettbewerbsfähigkeit durch digitale, ökologische oder materielle Innovation oder eine Kombination aus diesen steigern“, wie es Reinig formulierte.

Innovation macht den Unterschied

Wie Innovation und industrieller Wandel konkret vonstatten gehen, zeigten Vertreter der Wirtschaft, die mit LIST zusammenarbeiten. Im Showroom von LIST sind neuste technologische Entwicklungen, darunter - ein Reifen von Goodyear. Ein Reifen? Ja, denn Goodyear und LIST machten ihn durch Sensoren zu einem „schlauen Reifen“, der über Reifendruck oder Abnutzung informiert. Heute gehe es längst nicht mehr um das Auto, sagte Romain Hansen, Direktor der „Global Technology Programs“ von Goodyear, sondern um Mobilität. Und wie der Reifen nicht mehr bloß Reifen ist, ist auch Glas nicht bloß Glas - ähnlich wie das Mobiltelefon längst weit mehr als nur ein Telefon ist.

„Innovation, so sagte es einst Steve Jobs, macht den Unterschied zwischen den Leadern und denen, die folgen“, erklärte Michael Bard, Direktor für „Advanced Product Development“ beim Autoglashersteller Carlex, der unter anderem in Grevenmacher produziert. Dort investiert der Konzern auch rund die Hälfte seiner Forschungsgelder. Anders als manche Wettbewerbe sei man nicht in ein Niedriglohnland gewechselt, weil man nahe am Kunden sein wolle und auch, weil das Forschungsumfeld stimme, meinte Bard. Innovation bedeute, den hohen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden, denn „wir stellen an uns dieselben Ansprüche wie die Premiumhersteller, die wir beliefern, an sich selbst stellen“, sagte Bard. Carlex beliefert Marken von BMW bis Bugatti. Sich abzuheben von Low-Cost-Massenproduktion verstehe sein Unternehmen darum nicht als Gefahr, sondern als Chance. Was Innovationskraft selbst anbelangt, so ist nach Bard die Zeit vorbei, wo jeder seine „eigene Innovation“ betreibt, wichtiger seien heute eine „offene Innovation“, also Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen wie dem LIST. „Wir von Carlex sind Glasspezialisten, keine Softwarespezialisten“, erläuterte Bard. Wenn die Windschutzscheibe der Zukunft im selbstfahrenden Auto nicht nur Scheibe, sondern auch Monitor ist, braucht es also Zusammenarbeit mit entsprechenden Spezialisten. Darum hat Carlex letztes Jahr mit LIST ein Projekt zur Digitalisierung der Windschutzscheibe gestartet.

Beim Hartmetall-Produzenter Ceratizit in Mamer arbeiten 200 Mitarbeiter in der Forschung- und Entwicklungsabteilung. Der „Global Player“, der einst aus zwei kleinen Familienbetrieben entstanden war, beschäftigt heute nicht nur 10.000 Mitarbeiter in 24 Werken der ganzen Welt, sondern sieht in die Innovation das Mittel, sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden, sagte Paul Jung, Managing Director von Ceratizit. Dass 30 Prozent der tausenden Produkte, die Ceratizit herstellt, jünger als fünf Jahre sind, veranschaulicht das. Und das wolle man noch steigern, meinte Jung. Dabei helfen Projekte mit öffentlichen Forschungseinrichtungen wie LIST, sei es beim Laser-Schmelzen oder der Produktions-Simulation, um herauszufinden, wie der Einsatz von Chemikalien im Herstellungsverfahren reduziert werden könne. Zu Innovation gehört laut Jung aber auch eines: ein guter Schutz des geistigen Eigentums.

Das Unternehmen „Circuit Foil“ in Wiltz hatte letztes Jahr ebenfalls ein Projekt mit LIST gestartet, bei dem es darum geht, eine neue Art von Flugzeughülle zu entwickeln, damit durch Blitzeinschläge keine Schäden mehr in der Flugzeugelektronik entstehen, erklärte Fabienne Bozet, Geschäftsführerin von „Circuit Foil“. Zudem forsche man gemeinsam an der Optimierung von elektrischem Widerstand und Gewicht. „Circuit Foil“ produziert vor allem Kupferfolien für die Elektronikindustrie. So enthalten etwa 95 Prozent aller Chips in Bankkarten Kupferfolie aus Luxemburg. Und die Herausforderungen werden auch für „Circuit Foil“ nicht weniger. Denn Solaranlagen, dezentrale Stromspeicher, Elektroautos, Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung und das „Internet der Dinge“, alles dies sind Märkte für das Unternehmen aus Wiltz und verlangen nach neuen Produkten und Lösungen.