LUXEMBURG
PHILIPPE ERNZER

Seit der Tornado über den Süden des Landes hinweggefegt ist, machen sich viele Menschen Sorgen, ob es bald zum nächsten Tornado kommt, warum nicht früher gewarnt wurde und ob es durch den Klimawandel mehr Tornados im Land gibt. Wir haben bei Philippe Ernzer, Gründer von „Météo Boulaide“, nachgefragt.

„Die Wahrscheinlichkeit eines Tornados besteht generell jeden Sommer bei starken Gewittern. Wenn diese Sommergewitter auf Luxemburg treffen, kann so ein Phänomen entstehen, auch wenn es selten ist, denn wir sind ein kleines Land und daher nicht so oft betroffen. Zuletzt gab es einen Tornado am 16. September 2015 in der Nähe von Bissen, Colmarberg und Schieren und auch bei Reckingen/Mersch. Jener Tornado hatte eine Stärke von F1, also etwas schwächer als der von Petingen. Der Unterschied war darüber hinaus, dass dieser Tornado über Gebiete zog, wo er nicht so große Schäden anrichten konnten, weil es sich um Felder und Wälder handelte. Teilweise waren zwar Ortschaften betroffen, aber die Schäden waren geringer als jetzt.

Warnungen vor Tornados sind schwierig und bestenfalls 15 bis 20 Minuten vorher möglich. Zwölf bis 24 Stunden zuvor kann man nur über die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Tornados sprechen. Doch dann ist noch nicht sicher, wo genau das sein könnte. Im Fall von Petingen beispielsweise gab es eine generelle Wahrscheinlichkeit, aber eben ohne Ortsangabe. Es ist kompliziert. Am Ende muss man feststellen, dass es Tornados durchaus öfter gibt – aber nicht so sehr hier im Land.

Kommt es zu einem Tornado, ist Schutz wichtig. Auf gar keinen Fall sollte man unter einer Brücke Schutz suchen, denn dort wird der Wind hindurch gepresst und nimmt noch mehr Geschwindigkeit auf. Sich mit dem Gesicht nach unten in einem tiefen Straßengraben zu legen und den Kopf zu schützen könnte helfen, wenn der Tornado nicht zu stark ist. Aber bei einem sehr starken Tornado bringt auch das nichts mehr.

Wie misst man die Stärke? Es gibt eine Tornado-Skala von F0 bis F5. Die Stufen entsprechen den Windgeschwindigkeiten. Bei F0 ist der Tornado rund 63 km/h bis 117 km/h schnell. Der in Petingen war ein F2, das reicht von 181 km/h bis 253 km/h. Doch in einzelnen Wirbeln war er auch schon 300 km/h schnell. Wenn man von einem starken Tornado spricht, ist ein F2 im oberen Bereich gemeint. Das ist schon heftig mit Blick auf die Schäden. Bei F4 kann ein Tornado 333 km/h bis 418 km/h schnell sein und bei F5 werden ganze Häuser bei 500 km/h aus dem Fundament gerissen. So was gab es schon mal in Hautmont oder Léglise. Das kann also auch in Europa passieren.

Die Frage, welche Rolle der Klimawandel dabei spielt, ist schwierig. Es scheint, die Zahl der Tornado würde zunehmen. Aber damals hatte nicht jeder ein Handy, um den Tornado zu filmen. Ob das wirklich so ist, steht also auf einem anderen Blatt. Generell ist es sehr wahrscheinlich, dass extreme Wetterphänomene durch den Klimawandel zunehmen.“