LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Guitar Hero“ und „Rockstar“ machen jeden zum Rockstar

Dem Traum, ein Rockstar zu sein, kann jeder ganz leicht nahe kommen. Zumindest vom Gefühl her. Keine Gitarrenstunden sind nötig, oder das Erlernen von Noten, nein, nicht einmal Lieder müssen geschrieben werden. Gut, die Gitarre ist nicht so groß wie eine normale und die farbigen Knöpfe erinnern etwas an ein Spielzeug der Marke Fisher-Price, aber diesen Preis zahlt man gerne für die Illusion, ein Rockstar zu sein. Der Umstand minderte den Aufstieg von Spielen wie „Guitar Hero“ und „Rockband“ nicht, auch wenn deren Absturz, wie bei manchem Rockstar, ziemlich brutal aussah.

Inspiration Fernost

2005 sah alles noch sehr unscheinbar aus. Das erste „Guitar Hero“ erschien damals und war eine Zusammenarbeit von Harmonix und RedOctane, wobei letztere hauptsächlich für die Controller zuständig waren. Das Konzept, im Einklang zur Musik die korrekten Noten im richtigen Moment zu treffen, war damals nicht ganz neu, sondern kam aus japanischen Spielhallen (siehe Kasten). Doch auf den Konsolen stellte der Erstling eine kleine Revolution dar und während dieser nur einen verhaltenen Erfolg feierte, war bereits beim zweiten Teil klar, dass hier ein Erfolgskonzept gefunden war, das den Verkauf von Millionen von Spielen ermöglichte.

Das Jahr danach war eines zahlreicher Umwälzungen. Zum einem wurde „Guitar Hero“ von Activision gekauft, während Harmonix an MTV Networks ging. Activision entschied sich, von nun an gleich mehrere Spiele pro Jahr mit dem Studio Neversoft zu veröffentlichen. Dazu gehörten Spin-Offs für den Handheld Nintendo DS und bandspezifische Einträge, wie etwa zu Aerosmith und Metallica. Bereits bei der „Guitar Hero World Tour“ setzten die Entwickler ebenfalls auf Drums und Mikrophon, damit die heimische Band komplett wurde. Damit reagierten die Erfinder auch auf den Druck der Konkurrenz, denn in der Zwischenzeit hatte Harmonix für MTV Networks „Rockband“ geschaffen, das im Gegensatz zu „Guitar Hero“ von Beginn an auf die ganze Band setzte. Ein heißer Konkurrenzkampf entbrannte und die Musik-Simulatoren wuchsen allmählich.

Plastikfluten

Was in den folgenden Jahren sich abspielte, war eine klassische Marktübersättigung: Obwohl sämtliche Spiele die Möglichkeit herunterladbarer Inhalte boten, bestanden die Macher darauf, in beiden Serien immer neue Spiele herauszubringen und teilweise jedes Mal begleitet von neuen Plastikinstrumenten, die nicht immer untereinander kompatibel waren. Spieler frustrierte dies zusehends, ging ihnen doch langsam der Platz für den Plastikkram aus. 2009 begann bereits der Niedergang des Sub-Genres, als sich die zahlreichen Spiele nicht mehr so gut verkauften. Die Studios RedOctane und Neversoft wurden von Activision aufgelöst. Überlebt hat Harmonix, deren „Rockband“-Serie ebenfalls - so sah es zumindest lange Zeit aus - 2010 zu Ende ging.

Schließlich konzentrierten sich die Hersteller auf Dance Central, ein Tanzspiel, das der Microsoft Kinect Erweiterung der Xbox 360 und später der Xbox One einen lohnenswerten Titel spendierte. In diesem Monat wurde allerdings die Fachpresse überrascht, als man einen vierten „Rockband“-Teil ankündigte. Steht damit eine Wiedergeburt des Genres an?