LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Noe Nei will seine Hörer ermutigen, ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren

Noe Nei glaubt fest an seine Träume und setzt alles daran, aus ihnen Realität zu machen. Ein Thema, das der 18-Jährige Vollzeitmusiker auch auf seiner neuen Platte „Hypnophobia“ anspricht. Warum dieses Thema ihm so am Herzen liegt und was ihn sonst noch beschäftigt, verrät der Musiker im Interview.

Wie geht es Dir in der aktuellen Situation?

NOE NEI Tatsächlich ganz gut, da ich die Zeit nutze, um mich ein wenig zu entspannen. Da ich nicht der Typ Mensch bin, der viel feiert oder ständig unter Leuten ist, kann ich ganz gut mit dieser Situation umgehen. Deshalb war auch der Zeitpunkt meiner Albumveröffentlichung nicht so wichtig, weil es mir nie darum ging, eine große Release-Party zu schmeißen. Ich habe mich selbstverständlich gefragt: Wie kommt mein Album an? Wie viele Leute werden es sich anhören? Doch im Endeffekt denke ich, dass der Moment ideal war. Jeder ist zuhause, freut sich über neue Musik und hat die nötige Zeit, wirklich zuzuhören. Ich hatte auch auf Instagram eine Umfrage gestartet, in der ich wissen wollte, welche Lieder besonders gut ankommen. Tatsächlich war die aktuelle Single „Dreem“ gleich unter den Favoriten.

Ist „Dreem“ eine Single, die Dir besonders am Herzen liegt?

NOE Träume sind einfach unglaublich wichtig, deshalb: Ja. Sie helfen uns dabei, Ziele im Leben festzulegen. Mein größter Wunsch ist beispielsweise, dass man mich meine Träume leben lässt. Von klein auf, wollen Menschen einem sagen, was man tun soll, was gut für einen ist. Ich finde, man sollte Leute einfach mal machen lassen. Da ich ziemlich stur bin, wenn ich mir erst einmal etwas in den Kopf gesetzt habe, habe ich auch die Schule abgebrochen, um mich voll und ganz der Musik widmen zu können. Auch hier hagelte es Kritik. Sicherlich ist es kein einfacher Weg, aber ich lebe nach dem Motto: „Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben“. Wir lassen uns leider viel zu oft reinreden und nehmen es hin, einen Weg zu verfolgen, der uns nicht wirklich erfüllt, statt einfach etwas zu wagen. Risiken einzugehen, gehört zum Leben dazu, warum also nicht ein Risiko eingehen, das uns wirklich am Herzen liegt. Und selbst, wenn es mal schiefgehen sollte, hat man eben wieder dazugelernt.

Wann kam bei Dir der Wunsch auf, Musiker zu werden?

NOE NEI Ich habe schon ganz früh zur Musik gefunden, teils kann ich mich gar nicht daran erinnern, weil ich noch so klein war. Meine Mutter erzählt mir immer, dass ich mich schon als Kleinkind sehr für Klänge interessiert habe. Wie viele Kinder, habe ich immer auf Gegenständen rumgetrommelt und ganz konzentriert den unterschiedlichen Geräuschen gelauscht, bis sie wieder verschwunden sind. Als ich sieben oder acht Jahre alt war, entwickelte sich das in eine konkretere Richtung. Ich wollte Instrumente spielen und habe meine Mutter davon überzeugt, mich in einer Musikschule einzuschreiben. In der Zeit habe ich angefangen, elektrische, akustische und Bassgitarre im Cavem in Bonneweg zu spielen. Nebenher habe ich meine Patentante ganz oft besucht und dort das Klavier für mich entdeckt, habe ein bisschen rumgeklimpert und versucht dieses Instrument selbst zu erlernen. Mein Lehrer im Cavem, Dario von Versus You, hat mir dann mit der Zeit das Producen immer nähergebracht, sodass ich auch in dem Bereich angefangen habe, ein bisschen herumzuexperimentieren. Den Entschluss, wirklich mehr aus der Musik zu machen, fasste ich vor rund zwei Jahren. Zu dem Zeitpunkt habe ich erste Lieder selbst geschrieben und aufgenommen.
Du hast erst vor kurzem ein Rap-Album veröffentlicht. Findet man auch dort diese instrumentalen Merkmale?

NOE Sie sind sicherlich ein wenig herauszuhören, denn ich versuche immer akustische Elemente mit einfließen zu lassen. Das Album heißt „Hypnophobia“, das ist die Angst vor dem Schlafen. Den Sound würde ich als sehr abwechslungsreich beschreiben, weil sehr viele unterschiedliche Stimmungen mit dieser Platte verkörpert werden. Mir war es wichtig, sie so divers wie nur möglich zu halten. Es gibt etwas düstere und traurige Melodien und Texte, die dann wieder in eine hoffnungsvollere Atmosphäre übergehen. Ganz grob geht es um den Realitätsverlust, der von dieser Angst vor dem Schlaf hervorgerufen wird.

Ist der Realitätsverlust etwas, das Dich im Allgemeinen beschäftigt?

NOE Ich denke, dass es eine Angst ist, mit der sich unheimlich viele Menschen beschäftigen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Panikattacken und die Angst vor dem Kontrollverlust immer präsenter werden, und da bin ich keine Ausnahme. Fragen wie: Bin ich hier überhaupt richtig? Oder auch: Ist das eigentlich gerade wirklich real? Was wäre, wenn nicht? Und Tausende weitere Fragen und Gedanken kreisen eigentlich tagtäglich in meinem Kopf. Dieses Album hat mir geholfen, etwas mehr Struktur in diese Gedankenprozesse zu bringen und besser mit ihnen umzugehen.

Du hast diese Problematik eben als ein gesellschaftliches Problem bezeichnet. Könntest Du etwas genauer darauf eingehen?

NOE Ich denke, dass wir in einer schnelllebigen Welt leben, in der so viel passiert, dass es oft nicht wirklich zu begreifen ist. Wir werden mit einer solchen Vielzahl an Informationen überschüttet, dass wir zwar vieles ansatzweise mitbekommen, aber irgendwo auch von all den Eindrücken überfordert sind. Ich nehme mich einfach jetzt als Beispiel: Ich bin sehr verkopft und habe mich schon vor dieser Krise ein wenig zurückgezogen, um an meinem Sound zu feilen und mich auf diese eine Sache fokussieren zu können. Natürlich hat nun jeder in der Isolation noch mehr Zeit, seine Gedanken kreisen zu lassen und teilweise nicht die Möglichkeit, sie richtig zu äußern, oder sie mit jemandem zu teilen. Ich denke, dass dieser Gedankenwirrwarr und Ängste einfach ein großer Teil der heutigen Gesellschaft geworden sind. All das ist auch die Quelle meiner Inspiration. Es aufzuschreiben und in Musik zu verarbeiten, hilft mir dabei, Struktur in dieses Informationschaos zu bringen.

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Noe Nei verarbeitet seine Emotionen in seinem neuen Album „Hypnophobia“  Fotos: Fapic Group - Lëtzebuerger Journal
Noe Nei verarbeitet seine Emotionen in seinem neuen Album „Hypnophobia“ Fotos: Fapic Group