PATRICK WELTER

Die Koordinaten für die Zukunft haben sich geändert. Ein paar bis zum 8. November unumstößliche Wahrheiten haben sich nämlich erledigt: Der Untergang der alten weißen Männer ist abgesagt, der akademische Feminismus ist nicht auf der Siegerstraße, sondern in der Sackgasse und den meisten Frauen völlig egal und TTIP, das Diktat der amerikanischen Konzerne, wird den Amtsantritt von Trump nicht überleben.

Richtig lustig ist, dass sich amerikanische Ultra-Rechte und Europas aufrechte Linke in einer Sache einig sind: Die Globalisierung ist des Teufels. Nur die Begründungen weichen ab: Für Breitbart und Co. hat die Globalisierung die asiatische Mittelschicht reich und die Amerikaner arm gemacht. Für Linke und Lénk hat die Globalisierung die Asiaten arm und die Europäer reich gemacht. Die großen Vereinfacher sitzen zu beiden Seiten des politischen Spektrums.

In dieser Woche haben wir dann eine ganz neue Begrifflichkeit gelernt: Stephen Bannon, der designierte strategische Chefberater von Trump und ein Mann der derben Brauntöne, meinte in einem Interview, er sei kein Nationalist, sondern ein „Wirtschaftsnationalist“. Aha! Wenn sich Trump hinter einem Zaun aus maroden Raffinerien, steinzeitlichen Kohlekraftwerken und neuwertigen aber technologisch mittelalterlichen Straßenkreuzern verschanzen will, dann soll er das tun. Das Ausscheiden der USA aus der Weltwirtschaft, nichts anderes bedeuten Trumps (Wahlkampf-)Pläne, wird wehtun. Ein bisschen der Welt und ganz viel den Amerikanern.

Der transatlantische Rückfall ins 19. Jahrhundert sollte der EU Anlass genug sein, in ihrem Gemischtwarenladen ordentlich aufzuräumen. Dazu können auch das Ausdünnen des Angebots und die Trennung von Filialen gehören. Europa ist mehr als ein Hort der Bürokraten. Europa ist eine große Idee von Frieden und Zusammenarbeit. Eine Idee, die oft unter Geschwafel verschwindet. Auch Brüsseler Spitzen sollten mal klare Kante zeigen und Leuten wie Orban ein schlichtes „Halt’s Maul“ an den Kopf werfen. Anstelle künstlicher Aufregung über ein paar derbe Oettinger Sprüche, wäre es bedeutend wichtiger zu Erdogan laut und deutlich zu sagen: „Und raus bist Du!“

Das einfachste Mittel, allen europäischen Populisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist Ehrlichkeit. Das Dauersorgenkind Griechenland wird niemals seine Schulden zurückzahlen können. Jeder weiß es, keiner sagt es. Völlig falsch. Politik muss mit Haltung vertreten werden. Dann ist Schluss mit Geschwätz, wie Die-da-oben, EU-Diktatur, Bürokratensumpf und Lügenpresse.

Im Übrigen, war die EU nicht auch dafür gedacht, armen Verwandten in der europäischen Großfamilie unter die Arme zu greifen? Natürlich, aber man muss es sagen, laut und deutlich. Politisches Eiern um den heißen Brei haben die Leute satt.

Die Zahl von 27 EU-Staaten ist auch nicht in Stein gemeißelt. Warum sollte man Quertreiber nicht vor die Tür setzen dürfen? Es können auch 20, 15 oder zwölf Staaten sein, die eine neue, eine vertiefte EU bilden.

Vor allem sollte die Alte Welt endlich mehr Selbstbewusstsein zeigen! Sowohl gegenüber Vladimir P. aus M., als auch gegenüber Donald T. aus (demnächst) W.