LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Europapremiere von „Extending the Play“ morgen Abend im Escher Ciné Ariston

Filmische Werke über Sportler oder das Sportmilieu müssen dramaturgisch so gestrickt sein, dass nicht nur Dauergucker von Sport-Bezahlsendern oder Aktive sich eine Kinokarte leisten wollen, sondern auch jene Kinogänger, die Winston Churchills „No Sports“-Attitüde teilen.

Der Basketball-Dokumentarfilm „Extending The Play“ von John Dahlgren, der morgen Abend im Escher Ariston seine Europapremiere feiert, blickt über den Rand des Korbs hinaus und befasst sich mit dem Schicksal des Ehepaares Bracey und Kasey Ulin, das bis Anfang dieses Jahres in Luxemburg gelebt hat.

Beide Basketballer waren erfolgreich in Deutschland auf Profiniveau aktiv, bis Kasey Ulin aufgrund eines Zwischenfalls seine Karriere unfreiwillig für zwei Jahre unterbrechen musste. Die beiden Leistungssportler kehrten Europa den Rücken in Richtung amerikanische Heimat, wo sie mehr schlecht als recht eine neue Existenz aufbauten. 2011 bekam Kasey dann ein Anruf vom luxemburgischen Club Sparta Bartringen, der ihm ein Arbeitspapier anbot und ihm so ein Comeback ermöglichte. Die beiden Amerikaner packten ihre Koffer, schlugen ihre Zelte im Großherzogtum auf und bereicherten bis Anfang dieses Jahres die nationale Basketballszene mit ihrem Spiel.

An der Entstehung des Streifens war neben Regisseur Dahlgren, ein Bekannter von Kasey Ulin, auch der Luxemburger Fränk Muno maßgeblich beteiligt, der als Regieassistent 2013 zum Projekt gestoßen ist. Muno, der seit dem Dokumentarfilm „Nak Muay“, bei dem er gemeinsam mit Raoul Schmitz und Christian Muno Regie führte kein unbeschriebenes Blatt mehr in luxemburgischen Filmkreisen ist, war im April 2013 aufgrund eines Artikels auf den Film aufmerksam geworden und bot dann dem amerikanischen Filmemacher seine Mithilfe am Projekt an.

„John hatte damals aber schon 50% des Films im Kasten“, erinnert sich Muno. Der Luxemburger fing an, die Basketballpartien der beiden Sportler in Luxemburg zu filmen und führte Interviews mit dem einen oder anderen Trainer, manchmal ging ihm sein Bruder Christian Muno dabei zu Hand. Seine Aufnahmen ließ er dann dem amerikanischen Regisseur zukommen: „Wir standen in ständigem Kontakt“ präzisiert Muno und ergänzt, dass 40 Prozent des Films in Luxemburg entstanden sei. Dahlgren selber war im Frühjahr nach Luxemburg gekommen, um den Alltag seiner beiden Landsleute auf Zelluloid zu bannen. Im Dezember reiste Muno seinerseits nach Seattle, um sich eine erste Rohfassung des Dokumentarfilms anzuschauen.

Sponsor finanziert Film mit

John Dahlgren hat sich persönlich um die Finanzierung des Filmprojektes gekümmert; das Geld kam über eine Crowdfunding-Kampagne zusammen, außerdem steuerte der Sponsor des Bartringer Basketballclubs 2.000 Euro zur Produktion bei. Nach der morgigen Premiere soll der Film auch in Kinos der Caramba-Gruppe laufen, im Frühjahr 2015 kommt der Film auf DVD heraus.

Morgen Abend wird der Streifen, der bereits auf mehreren Filmfestivals lief in Anwesenheit von Regisseur Dahlgren projiziert; die beiden Hauptdarsteller Bracey und Kasey Ulin werden nicht an der Premiere teil nehmen, da sie seit einigen Wochen frisch gebackene Eltern einer Tochter sind.


„Extending The Play“ feiert morgen Abend um 20.00 im Escher Ciné Ariston in Anwesenheit von Regisseur John Dahlgren seine Europapremiere.