LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nachvollziehbar und verständlich: „Fonds culturel national“ veröffentlicht Glossar mit Begriffserklärungen

Was unterscheidet einen professionellen Künstler von einem Amateur? Was ist gemeint, wenn bei einem Projekt eine gewisse Nachhaltigkeit Voraussetzung ist, um eine Beihilfe zu erhalten? Nach welchen Kriterien und von wem werden diese Projekte evaluiert? Was ist ein Finanzierungsplan, und was hat es mit der „Garantie de bonne fin“ auf sich? Mit diesen Fragen sehen sich Künstler konfrontiert, wenn sie beim „Fonds culturel national“ (Focuna) einen Antrag auf eine finanzielle Unterstützung stellen möchten. Außenstehenden fällt es noch dazu manchmal schwer, nachzuvollziehen, warum ein bestimmter Künstler ein Stipendium erhält oder ein bestimmtes Projekt mit einer Beihilfe unterstützt wird. „Transparenz statt Voyeurismus“ lautet deshalb das Ziel, das sich der Kulturfonds mit der Veröffentlichung seines „Glossaire et guide des opportunités de financement pour artistes et professionnels de la culture“ gesetzt hat, das gestern von Präsident Jo Kox vorgestellt wurde.

Professionalisierung auf allen Ebenen

Die Professionalisierung des Kultursektors ist derzeit in aller Munde. Auch Kulturstaatssekretär Guy Arendt hatte am Montag während der „Rentrées-Pressekonferenz“ auf deren Wichtigkeit gepocht. „Wenn wir als Institutionen eine gewisse Professionalität von unseren Künstlern verlangen, dann müssen wir auch vor unserer eigenen Tür kehren und uns ebenfalls professionelle Strukturen und Richtlinien geben“, bemerkte Kox. Das Kulturministerium hat vor kurzem seine ganze Subventionspolitik online zugänglich gemacht. Der „Fonds culturel“ geht mit seinem Glossar nun noch einen Schritt weiter, indem zum besseren Verständnis die ganze Terminologie aufgeschlüsselt wird, die in den jeweiligen Ausschreibungen benutzt wird. „Seit vier Jahren sind sämtliche Nutznießer und auch die Höhe der jeweiligen Unterstützung auf der Focuna-Website einsehbar. Ziel ist es nun, die Kriterien und Bedingungen für Beihilfen, Stipendien und Künstlerresidenzen nach außen hin so zu definieren, dass diese Entscheidungen auch nachvollziehbar sind“, unterstrich Kox.

Definierung der Zuständigkeitsbereiche

In diesem Kontext sei noch dazu eine Profilschärfung notwendig. „Künstler, Vereinigungen und Institutionen müssen wissen, wer wen unterstützt und welche Bedingungen erfüllt werden müssen. Überschneidungen oder ,double emploi‘ bleiben wohl nicht aus, sie sollten aber künftig vermieden werden. Wir sind offen und flexibel und können relativ schnell, Beihilfen hinzunehmen, wenn es einen Bedarf gibt“, führte Kox weiter aus. Beim „Fonds culturel“ werde derzeit ein großer Wandel vollzogen. „Mittel- oder langfristig wollen wir aus der traditionellen Subventionspolitik aussteigen. Das ist das Ziel. Ob das jetzt 2018, 2019 oder 2020 sein wird, steht noch in den Sternen. Manche Beihilfen können wir natürlich nicht von heute auf morgen streichen, dafür hat sich der Wandel aber bereits deutlicher bei den Stipendien und Künstlerresidenzen abgezeichnet“, gab er zu bedenken.

Mehr private Mäzenen - Gesetz nicht mehr zeitgemäß

Für den Focuna sind mit dem Kultur- sowie dem Finanzministerium gleich zwei Ministerien zuständig. „Hauptbrotgeber“ sei die „Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte“, von der jedes Jahr eine Dotierung in Höhe von 600.000 Euro komme. „In der Vergangenheit haben wir unseren Markt, wenn man so will, aber auch für private Mäzenen geöffnet“, sagte Kox. In diese Richtung gelte es weiterzuarbeiten.

Die Gründung des „Fonds culturel“ geht indes auf ein Gesetz von 1982 zurück, dessen Ziel es war, das Mäzenatentum in Luxemburg anzukurbeln. Laut Kox dränge sich eine Überarbeitung des Gesetzes auf, da manches nicht mehr zeitgemäß sei. Insbesondere was die Führungsebene anbelange, sei eine klarere Trennung nötig. „Deshalb haben wir uns nun einen ganz strengen Verhaltenskodex gegeben, der noch dazu von allen Mitgliedern einer Jury oder eines Auswahlausschusses unterzeichnet werden muss“, erklärte Kox.

87 Definitionen sowie Liste aller Beihilfen

Insgesamt 87 Definitionen finden sich in dem Glossar, an dessen Realisierung Jo Kox selbst sowie Marc Rettel maßgeblich beteiligt waren. Im Editorial werden die vier Hauptkriterien, auf deren Basis die Stipendien und Künstlerresidenzen vergeben werden, mit den nötigen Erklärungen aufgelistet: „Excellence“, „Création et renouveau artistique“, „Diffusion et mobilité des artistes“ und „Pérennisation“. Am Ende des Glossars findet sich eine Liste der aktuellen Stipendien, Künstlerresidenzen und Beihilfen sowie der jeweiligen Jurymitglieder. „Es war eine Sisyphusarbeit. Keine dieser Definitionen ist indes in Stein gemeißelt, vielmehr handelt es sich um ein ,work in progress‘“, betonte Kox. Lediglich für die Pressekonferenz wurden 200 Exemplare gedruckt, ansonsten ist der „Guide“ online zu finden, sodass die Begriffserklärungen - laut Kox „keine Universalwahrheit“ - permanent und schnell überarbeitet werden können.

„Aide à la promotion“ im Ausland

Mit den Worten „Et geet net duer, en Ee ze leeën, et muss een och nach kënnen dobäi gackeren“, zitierte Jo Kox gestern seinen Großvater, um auf eine neue Beihilfe anzuspielen, mit der eine Lücke gefüllt wird: die „Aide à la promotion d’une participation luxembourgeoise à un événement international auprès des médias et du public“ in Höhe von bis zu 15.000 Euro. Ein Beispiel: Das „Théâtre du Centaure“ ist seit mehreren Jahren mit seinen Produktionen beim „Festival Off“ in Avignon vertreten, beklagte sich aber zuletzt über zu wenig Publikum, was letztlich auf die fehlenden Mittel für eine gezielte Werbung zurückzuführen ist. „Wenn niemand weiß, dass das ,Centaure‘ dort ist, bleiben die Zuschauer natürlich aus, und es können noch dazu keine Kontakte mit Professionellen aus dem Sektor zwecks künftiger Koproduktionen zustande kommen. Deshalb müssen wir einen zusätzlichen Schub, beziehungsweise eine Finanzspritze geben, damit die betreffende Theaterkompanie vor Ort die nötige Kommunikationsarbeit leisten kann, respektive eine Agentur damit beauftragen kann“, erklärte Kox. Für die neue Beihilfe kommen neben dem Theatersektor auch die Bereiche der Literatur, des Tanzes und der bildenden Kunst in Frage.

Das „Glossaire et guide des opportunités de financement pour artistes et professionnels de la culture“ kann unter www.focuna.lu/fr/Glossaire heruntergeladen werden