COLETTE MART

Die Veröffentlichung des Tätigkeitsberichtes des Zentrums für Gleichbehandlung für das Jahr 2014 lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf dieses wichtige Thema und auf die immer noch bestehenden Diskriminierungen in der Gesellschaft. Die Gründung des Zentrums geht auf ein Gesetz von 2006 zurück, das zum Ziel hatte, die Gleichbehandlung von Menschen zu promovieren, dies ungeachtet ethnischer, rassischer Zuschreibungen, Behinderungen, oder auch einer geschlechtlichen oder religiösen Zugehörigkeit, respektive Orientierung.

Die Schaffung des Zentrums erlaubt Betroffenen, Klagen einzureichen. Das Zentrum bedauert in seinem Bericht eine mangelnde Inanspruchnahme seiner Dienste, und vertritt ebenfalls die Meinung, dass seine Befugnisse erweitert werden müssten.

Insgesamt wurden 153 Fälle von Diskriminierungen gemeldet, wobei interessanterweise der Zugang zu Wohnraum und zu öffentlich verfügbaren Dienstleistungen und Gütern 30 Prozent der Klagen ausmachen. Behinderungen und Rasse bleiben wichtige Motive für Diskriminierung. Wer sich die Gesellschaft näher ansieht, mit Menschen über ihre Erfahrungen spricht oder selbst Lebenserfahrung gesammelt hat, weiß, dass sich Diskriminierung in alle gesellschaftlichen Bereiche einschleicht und dass sie oft unscheinbar oder im Deckmantel daher kommt. Sie führt immer noch dazu, dass viele Menschen keine Chance haben und nirgends klagen, weil sie kein Vertrauen oder Angst haben, dass die Gesellschaft zurückschlägt. Und sie schlägt zurück.

Das Zentrum für Gleichbehandlung macht eine sehr sinnvolle Unterscheidung zwischen offenkundiger und versteckter Diskriminierung, wobei die versteckte sicherlich im Vormarsch ist in einer Gesellschaft, die sich immer mehr dem Schein verschreibt, und Werte zur Schau stellt, die in der Wirklichkeit keineswegs gelebt werden. Während diskriminierende Stellenanzeigen vielleicht leicht ausfindig gemacht werden, sind andere Formen subtiler Diskriminierung weitaus weiter verbreitet. Wie eine Arbeitspsychologin bestätigte, schließen sich bei dem Vornamen Mohammed die Türen auf dem Arbeitsmarkt. Wer sich mit schwarzer Hautfarbe auf eine offene Stelle bewirbt, kann durchaus informiert werden, dass keine Stelle frei ist, und die administrative Schnoddrigkeit, mit der Menschen anderer Kulturkreise behandelt werden, sagt sehr viel über deren Status in der Gesellschaft aus.

Menschen anderer ethnischer Zugehörigkeiten, respektive auch Menschen mit Behinderungen müssen sich immer wieder anhören, was sie nicht können, derweil ihre Stärken gezielt ignoriert werden, was durchaus bei Betroffenen zu Depressionen und gesellschaftlichem Rückzug führen kann. Was dann wieder zur Konsequenz hat, dass ihnen vorgeworfen wird, sie würden sich nicht integrieren. Rassismus und Frauenfeindlichkeit, die sich in belanglosen Nebensätzen ausdrücken, sowie abschätzige Bemerkungen über behinderte Kinder sind in der Gesellschaft überall präsent.

Hinzu kommen die Diskriminierungen von sozial Schwachen, die oft bereits wegen ihrer Vornamen als solche gebrandmarkt werden, und die kaum Zugang zu jenen Kreisen bekommen, in denen gute Stellen vergeben werden. Der Bericht des Zentrums für Gleichbehandlung sollte uns also zum Nachdenken anregen und dazu ermutigen, diskriminierten Menschen in unserem Umfeld Chancen zu geben.