LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Fondation Wonschstär: Eine kleine Stiftung, die Großes bewirkt

Mika ist total fußballverrückt und ein großer Fan des FC Bayern München, wie viele andere Jungs in seinem Alter wahrscheinlich auch. Mika ist aber nicht wie alle anderen Jungs. Er leidet an einem Gehirntumor und hat bereits einen schweren Weg hinter sich. Seine Träume unterscheiden sich jedoch nicht von jenen Gleichaltriger. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als einmal bei einem Spiel seiner Lieblingsmannschaft dabei zu sein und seine Idole aus nächster Nähe zu sehen. Diesen Wunsch hat ihm die „Fondation Wonschstär“ erfüllt. Genau darin sieht die Stiftung, die vor rund einem Jahr gegründet wurde, nämlich ihre Aufgabe: Menschen, die einen schweren Schicksalsschlag erlitten haben, bei der Verwirklichung ihrer Träume zu helfen. Wenn Viviane Vermeer, Präsidentin und Gründerin, über die bisherigen schönen Erfahrungen redet, tut sie das mit sehr viel Begeisterung.

Wie kam es zur Gründung der Stiftung?

Viviane Vermeer Privat habe ich mich eigentlich immer schon für Menschen eingesetzt, die einen Schicksalsschlag erleben mussten. Vor ein paar Jahren habe ich Tom Pauly kennengelernt. Seit einem Unfall ist er Tetraplegiker und auf Hilfe angewiesen. Menschen, die von einer solchen Form der Querschnittslähmung betroffen sind, stehen morgens mit ihrem schweren Schicksal auf und gehen abends wieder damit schlafen. Und dazwischen passiert überhaupt nichts. Seine Geschichte hat mich bewegt. Gemeinsam haben wir uns dazu entschlossen, diese Stiftung ins Leben zu rufen. Zum einen ging es darum, Tom wieder eine Beschäftigung zu geben. Genau das war sein Wunsch: Eine Arbeit. Tom arbeitet inzwischen im administrativen Bereich der Stiftung und kümmert sich um alles, was dort anfällt. Seither hat er wieder ein Ziel vor Augen und kann zumindest während ein paar Stunden am Tag an etwas anderes denken. Schnell haben sich dann andere Projekte ergeben, auch durch Toms Kontakte. Immerhin war er nach seinem Unfall fast ein Jahr im „Rehazenter“ auf Kirchberg in Behandlung und hatte dort viele Menschen mit einem ähnlichen Schicksal kennengelernt.

Richtet sich die „Fondation Wonschstär“ also in erster Linie an Personen mit einer Behinderung?

Vermeer Nein, nicht unbedingt. Wir möchten Menschen helfen, die mit einer lebensbedrohlichen medizinischen Situation zu kämpfen haben oder eben einen schweren Schicksalsschlag erleben mussten, und deren soziale Umstände es ihnen nicht erlauben, diese Situation zu verbessern. Durch Toms Schicksal sind wir aber tatsächlich im Rehazenter aktiv geworden. Einmal pro Woche bin ich dort und begegne vielen Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind oder Probleme mit dem Gehen haben. Um ihnen zu helfen, haben wir beispielsweise Gehhilfen mit Elektrostimulationsfunktion mithilfe von Sponsoren finanziert.

Werden diese Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen?

Vermeer Bei Erwachsenen ja, bei Kindern nicht. Die Ärzte und Physiotherapeuten des Rehazentrums versuchen schon seit Jahren, die Krankenkasse davon zu überzeugen, diese Kosten zurückzuerstatten, leider ohne Erfolg. Es ist wohl eine Budgetfrage, immerhin kostet eine solche Gehhilfe 5.000 Euro, die Lebensdauer beträgt rund vier Jahre. Wahrscheinlich gibt es einfach andere Prioritäten. Allerdings bedeutet eine solche Gehhilfe für die Kinder, die unter ganz unterschiedlichen Krankheiten leiden, eine enorme Verbesserung der Lebensqualität. Das Rehazenter verfügte bis vor kurzem nur über zwei bis drei solcher Geräte mit Elektrostimulationsfunktion, für all diese Kinder. Es musste abgewechselt werden, immer im Zwei- bis Drei-Wochen-Rhythmus. Man kann sich vorstellen, wie schlimm es für ein Kind sein muss, wenn es sieht, dass es besser gehen kann, und ihm diese Hilfe dann plötzlich wieder weggenommen wird. Für das Kind ist es zweifelsohne in dem Moment das Schlimmste, was es gibt. Bislang haben wir die Gehhilfen von sieben Kindern gesponsert. Auch das ist ja ein Wunsch. Die Kinder können sich besser in der Schule integrieren, sich zumindest ein bisschen an den Sportstunden beteiligen und sich in den Pausen besser bewegen.

Welche anderen Wünsche erfüllt Ihr Team?

Vermeer Das kann sehr unterschiedlich sein und reicht von der finanziellen Unterstützung für notwendige Operationen oder anderer Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern, über den Besuch eines Events wie Sportveranstaltungen, Konzerte… oder einem Ferienaufenthalt bis hin zur Unterstützung bei der Suche einer Wohnung oder einer Arbeitsstelle. Es müssen nicht immer „große Sachen“ sein, manchmal sind es auch banale Dinge, die bereits mit etwas Geld verwirklicht werden können. Wir versuchen ganz einfach, Wünsche zu erfüllen. Es geht uns natürlich nicht ausschließlich um Kinder, auch Erwachsene haben schließlich Träume.

Ist es schwer, Sponsoren zu finden?

Vermeer Wir haben festgestellt, dass es eine große Bereitschaft gibt zu helfen, wenn die Spender oder Sponsoren wissen, dass ihr Geld in ein konkretes Projekt fließt oder es sich um einen konkreten Fall handelt. Bislang hatten wir also sehr viel Glück bei der Suche nach Sponsoren.

Nach einem Jahr können Sie demnach bereits eine positive Bilanz ziehen?

Vermeer Wir sind sehr zufrieden und entsprechend motiviert weiterzumachen, gerade wegen der zahlreichen schönen Erfahrungen. Es bereitet sehr viel Freude zu sehen, dass man etwas bewirken und Menschen glücklich machen kann. Regelmäßig bekommen wir bewegende Dankesbriefe. Menschen eine Freude zu bereiten ist das Schönste, was es gibt.


Die Fondation Wonschstär hilft bei der Verwirklichung von

Träumen. Wünsche können via Mail (info@wonschstaer.lu)

oder über die Internetseite wonschstaer.lu eingesendet

werden. Dort finden sich auch weitere nützliche Infos