NIC. DICKEN

Bis vor wenigen Jahrzehnten - es ist deutlich weniger als ein normales Menschenleben dauert - galt „Amerika“ in der ganzen Welt schlicht und ergreifend als das Land der (erfüllbaren) Träume.

Allein das Wort Amerika stand für Freiheit, Toleranz, Offenheit, ja vermeintlich bedingungslosen Respekt von Menschenrechten, auch wenn die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte von der Ausrottung der indianischen Ureinwohner bis zur fortgesetzten systematischen Versklavung von Millionen zwangsimportierten afrikanischen Arbeitskräften durchwegs andere Bilder vermitteln, die bis auf den heutigen Tag noch durchschimmern und keineswegs ganz übertüncht werden konnten.

Wie kein anderes Land auf der Welt stand der Begriff USA als Heimstätte für all jene, die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zwängen entfliehen wollten und bereit waren, sich selbst voll und ganz einzubringen für die Erfüllung persönlicher Lebensträume, die ihnen in ihrem jeweiligen Heimatland verwehrt blieb.

Kaum jemand, der nach Amerika wollte oder will, tat oder tut dies, um sich in einem engen Sozialnetz zu wiegen und von den Errungenschaften anderer zu profitieren.

Allein schon wegen der geographischen Lage ist ausgeschlossen, dass Flüchtlinge aus kriegerisch, politisch oder wirtschaftlich bedrohten Regionen der Erde ohne offizielle Mitwirkung der US-Behörden hier Aufnahme, Schutz und Unterstützung finden können. Andererseits hat die seit mehr als 200 Jahren andauernde Einreise aus praktisch allen Weltgegenden in den USA zu einem kulturellen, geistigen und im Endeffekt auch wirtschaftlichen Reichtum beigetragen, der nach wie vor seinesgleichen sucht.

Nicht von ungefähr entstand bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Begriff des „Melting Pot“, jener Vermischung von Traditionen und Gebräuchen, aber auch von fachlichem, wissenschaftlichem, geistesgeschichtlichem und fortschrittsgläubigem Wissen und Können, das die Mentalität der Menschen in diesem Lande bis heute prägt und verkörpert.

Damit soll jetzt Schluss sein. Der 45. US-Präsident will „make America great again“, und das sowohl mit eigener Kraft als auch auf Kosten der übrigen Welt. Die kann ja sehen, wo sie bleibt.

Und dabei sowohl ihre Waren und Güter wie auch ihre einwanderungswilligen Bürger für sich behalten.

Naja, zunächst gilt dies mal für sieben ausgewählte Staaten aus dem Nahen und Mittleren Osten, aber andere werden da nicht allzu lange auf Ablehnung warten müssen.

Amerika soll wieder stark werden, wohlhabend, stolz, sicher, ja einfach großartig, so hieß es am 20. Januar 2017 von der Empore des Washingtoner Kapitols herab und vor einer überschaubaren Zuhörermenge, die nicht unbedingt der gefühlten Machtfülle des Redners entsprach. Ein erster Richterspruch hat seine erste Dekretierungswut gebremst.

Aber auch Richter kriegt man in den Griff. Die Selbstdemontage der USA hat begonnen.