LUXEMBURG
NIC. DICKEN

In Luxemburg beraten über 100 Finanzaufsichtsbehörden aus der ganzen Welt

Dass angesichts der kontinuierlichen Globalisierung der Finanzmärkte auch die Regulierungs- und Kontrollorgane auf verstärkte Zusammenarbeit angewiesen sind, um im zunehmenden grenzüberschreitenden und internationalisierten Kapitalgeschäft den Überblick zu behalten und die zugedachten Kontrollfunktionen durchgängig erfüllen zu können, erscheint offensichtlich.

Luxemburg als würdiger Gastgeber

Weniger zwingend ist die Tatsache, dass die „International Organization of Securities Commissions“ (IOSCO), in der zur Zeit über 100 nationale Aufsichtsbehörden zusammengeschlossen sind, ihre diesjährige Hauptversammlung in Luxemburg abgehalten hat, wohin die „Commission de Surveillance du Secteur Financier“ (CSSF) eingeladen hatte und sich dem Vernehmen der gut 700 Teilnehmer zufolge als vorzüglicher und bestens organisierter Gastgeber erwiesen hat.

Nachdem die ersten beiden Tage der Jahreskonferenz für interne Beratungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatten, waren für Mittwoch und Donnerstag mehrere Diskussionsrunden u.a. auch mit Marktakteuren vorgesehen, um einen umfassenden Austausch über die Anliegen der Kontrolleure und die Ansprüche der Finanzbranche zu ermöglichen.

Im Rahmen einer Pressekonferenz unter dem Vorsitz von CSSF-Generaldirektor Jean Guill, der auch die IOSCO-Tagung präsidierte, gab IOSCO-Direktor Greg Medcraft einen Überblick über die wichtigsten Problemlagen, mit denen die Aufsichtsbehörden weltweit konfrontiert sind. In einem bereits 2002 erstellten „Multilateral Memorandum of Understanding“ (MMoU) haben sich die derzeit knapp 100 Mitgliedsbehörden zu gegenseitiger Unterstützung und Information verpflichtet. Im Rahmen der Tagung in Luxemburg wurde beschlossen, dieses Kooperationsabkommen auch auf die Behörden aus anderen Staaten auszuweiten, die auf diesem Weg auch Mitglieder IOSCO würden.

Der Weltorganisation kommt es vor allem darauf an, die systemischen Risiken der global funktionierenden Finanzmärkte einzudämmen, wie Medcraft weiter unterstrich, wobei gleichzeitig darauf geachtet wird, einer zukunftsorientierten Marktentwicklung möglichst viele Wege offen zu halten. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es darüber hinaus, auch den Schwellenländern den Zugang zu modernen Finanzierungsmethoden und -techniken zu öffnen. Für alle Länder sollten auf diese Weise gleiche Marktbedingungen geschaffen werden, die dann aber auch von allen respektiert werden müssten.

Globale Aufsichtsstandards anstreben

Eine wesentliche Aufgabe sieht die IOSCO in der Festlegung von einheitlichen Referenzpunkten der Regulierung und Kontrolle, um so eine weltweite Standardisierung für die Arbeit der Aufsichtsbehörden zu erreichen. Gesprächspartner der IOSCO sind allerdings nicht nur die Marktteilnehmer, sondern auch die politischen Instanzen in den jeweiligen Ländern, mit denen die Regulierungs- und Kontrollbehörden in einer ständigen Wechselbeziehung stehen.

CSSF-Generaldirektor Jean Guill versicherte auf unsere Anfrage hin, ob angesichts der unterschiedlichen Finanzkulturen in den jeweiligen Weltregionen denn überhaupt einheitliche Methoden zu erreichen seien, dass die wesentlichen Fragen und Probleme bei der Aufsicht der Finanzmärkte eigentlich überall die gleichen seien und dass man sich demzufolge sehr wohl auf einheitliche Regeln verständigen könne.