WALFERDINGEN
CLAUDE KARGER

Zu Besuch beim „Field“-Bogenturnier auf dem Walferdinger „Geierbierg“

Um 10.30 wird’s ernst an diesem Samstagmorgen auf dem „Geierbierg“ in Walferdingen. Mit einem langen Hupen gibt Schiedsrichterin Yvette Thill das Startsignal für das vom „Fine Flèche Walferdange“-Club ausgerichtete zweitägige „Field“-Bogenturnier. Die 24 Teams à drei bis vier Bogenschützen haben sich zu diesem Moment bereits an den 24 Startzielscheiben aufgestellt. Nun geht es darum, auf dem rund drei Kilometer langen Parcours die meisten Punkte zu erzielen. Leichter gesagt als getan, denn der Parcours zählt eine Menge Herausforderungen.

Schätzen vor dem Zielen

Das Wetter ist schon mal eine. Während die Schützen froh sind, dass sie nicht in der brütenden Hitze der vorigen Tage antreten müssen, heißt es, sich auf den Nieselregen einzustellen - und auf die Lichtverhältnisse im bisweilen düsteren Wald. Dort aus Entfernungen von bis zu 60 Metern kleine Zielscheiben zu treffen, die manchmal auch noch in Hanglage aufgestellt sind, erfordert beträchtliches Können. Als Schwierigkeit kommt hinzu, dass bei der Hälfte der Zielscheiben keine Distanzangaben zu sehen ist, so dass der Schütze erstmal abschätzen muss, wie weit die Scheibe weg ist, um seinen Bogen einstellen zu können. Das wäre mit modernen Distanzmessern relativ einfach festzustellen, doch solche Hilfen sind in diesem Wettbewerb verboten. Wer dennoch mogelt, riskiert eine Verwarnung von den Schiedsrichtern, die wie im Fußball dann eine gelbe Karte zücken. Bei Wiederholungstätern und krassen Regelwidrigkeiten kann Schiedsrichterin Yvette Thill auch Rot zücken - Platzverweis. Verwarnungen musste sie in ihrer Karriere laut eigenen Angaben bislang wenige verteilen.

Lockere Stimmung

Das „Fairplay“ unter den Bogenschützen, die bisweilen von weit her aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland angereist sind, wird groß geschrieben. Viele der Teilnehmer am „Field“-Turnier kennen sich mitunter seit Jahrzehnten, auch von anderen Wettbewerben in ganz Europa. Die Stimmung ist entsprechend locker. Man neckt sich. Es wird viel gelacht. Und gefachsimpelt. Aber natürlich nicht, wenn ein Schütze eine Zielscheibe ins Visier nimmt.

Drei Pfeile darf er jeweils abschießen. Wobei die Schützen mit einfachen Bögen etwas näher an die Scheiben ranrücken dürfen. Die meisten Wettbewerber ziehen allerdings mit sogenannten „Compound“-Bögen, die sich durch komplexe Seilzugvorrichtungen auszeichnen, oder „Recurve“-Sportwaffen ins Feld. Sie bringen deutlich mehr Kraft auf den Pfeil.

Ist das Team durch, werden die Ringe gezählt und auf einem Punkteformular eingetragen. Anschließens werden die Pfeile aus den Zielscheiben, die vier unterschiedliche Größen haben können, herausgezogen, respektive werden die eingesammelt, die daneben gingen. Dann rückt das Team zur nächsten Scheibe vor. Bis alle 24 Stationen durch sind. „Da weiß man am Ende des Tages, was man getan hat“, lacht Yvette Thill, die seit Mitte der 1970er bei der „Fine Flèche Walferdange“ engagiert ist, bei der ihr Mann Charles seit vielen Jahren den Vorsitz inne hat.

Viel Vorbereitung

Der Club richtet jedes Jahr drei Turniere aus, ein sogenanntes 3D-Turnier im Frühjahr, wo ebenfalls im Feld geschossen wird, aber diesmal auf 28 Tier-Attrappen, das „Field“-Turnier und die „Coupe Alpina“, ein internationaler Indoor-Wettbewerb, der in diesem Jahr am 27. Oktober in der Walferdinger Sporthalle über die Bühne geht. Für den Verein bedeutet das jede Menge Vorbereitungsarbeit. Und einen beträchtlichen „Papierkrieg“, denn insbesondere für „Field“-Wettbewerbe müssen zahlreiche Genehmigungen eingeholt werden, von der Gewerbeinspektion über die Gemeinde bis hin zu den Grundstückseigentümern, auf deren Terrain Zielscheiben aufgestellt werden. Dass sich die Mühe lohnt, werden sämtliche Teilnehmer am Turnier, das immer auch ein sehr konviviales Event ist, bezeugen.

Am meisten Punkte schoss übrigens an diesem Wochenende mit 2.928 das Team Jef Genyn, Linda Pintjens, Ulrike Wiese und Stefan Rehr. Bester Schütze war der Luxemburger Gilles Seywert mit insgesamt 798 Ringen, beste Schützin war die Deutsche Ulrike Wiese mit 742 Ringen. Das „Field“-Turnier war zeitgleich auch das luxemburgische „Field“-Championnat. Gilles Seywert vom Strassener Club, der erst im Juni bei den Europaspielen in Minsk im „Compound“-Wettbewerb Silber holte, wurde hier erster vor seinem Vereinskollegen Timo Bega, der im vergangenen Jahr in Italien Jugendweltmeister bei der „Field-WM“ wurde. Von den zwei Damen im Feld holte Carine Thill die weitaus meisten Ringe.


Wer sich für den Bogensport interessiert, kann sich bei der FLTA informieren: www.flta.lu