LUXEMBURG
MARCO MENG

Von Vorschriften bis Geschlechtergerechtigkeit - Fondsverband Alfilud Branche zur „European Asset Management Conference“

Zahlreiche Vertreter der Finanzbranche kamen gestern der Einladung des luxemburgischen Fondsverband Alfi zur jährlichen „European Asset Management Conference“ nach und trafen sich auf der Luxexpo „The Box“ auf Kirchberg.

Diskussionsthemen gab es wieder einige: Regulatorische Vorgaben, neue Trends und auch der Frage nach der Geschlechtergleichheit wurde Raum gegeben. Denise Voss, die erste Frau als Alfi-Vorsitzende, wies denn auch bei ihrer Eröffnungsrede darauf hin, dass am morgigen Donnerstag Weltfrauentag ist. Dazu später mehr.

Premierminister Xavier Bettel, der die Einleitungsrede hielt, wies auf die Erfolgsgeschichte der luxemburgischen Fondsbranche hin, die letztes Jahr ein Vermögenswachstum von zwölf Prozent erfuhr. Bettel erklärte ebenso, dass er Luxemburg als Teil der Lösung für einen „intelligenten Brexit“ sieht. „Offenheit ist Teil unserer DNA“, betonte der Premier.

Der Vorsitzende der EU-Wertpapieraufsicht ESMA, Steven Maijoor, wies darauf hin, dass bei allen Regelungen die Branche selbst in Arbeitsgruppen mit am Tisch saß.

Danach begannen die Vorträge und Rundtisch-Gespräche, zum Beispiel zur Neudefinition des Geschäftsmodells für die Vermögensverwaltung, das vor einer Reihe von Herausforderungen steht, darunter eine zunehmende Gebühren- und Margenkompression und wie der Sektor darauf reagieren soll; auch ob Alternativen zu Mainstream werden wurde diskutiert.

Eines der Themen, an dem sich die Geister scheiden, ist das EU-Vorhaben, der EU-Wertpapieraufsicht ESMA mehr Kompetenzen einzuräumen. Alfi-Vertreter wiederholten gestern ihre Ansicht, dass unverständlich ist, warum nun bei ausgelagerten Funktionen von Investmentfonds künftig die ESMA in Paris zu verständigen sei, denn das bestehende Modell funktioniere sehr gut. Der Vorsitzende von ESMA, Steven Maijoor, sagte, es gehe vor allem darum, im besten Interesse der Geldanleger zu agieren.

Kulturell unterschiedlichesInvestorenverhalten

Wer ist der Investor? Verhalten sich alle gleich? Nein, sagte der Verhaltensökonom Thorsten Hens, Professor am „Swiss Finance Institut“ für Finanzwirtschaft der Universität Zürich. „Der Investor von Europa ist nicht derselbe wie der Investor von Asien oder Amerika“, erklärte Hens anhand einer Studie, die in 52 Ländern durchgeführt wurde. Wie Anleger auf Renditen reagieren, hängt von ihrem kulturellen Hintergrund ab. Auch Europa ist keine Einheit, denn während Anleger in Skandinavien oder Deutschland beispielsweise dazu neigen, ihre Anlagen länger zu halten, stoßen Anleger in Spanien, Portugal oder auch den angloamerikanischen Ländern und Osteuropa diese schneller ab. Hier sind demzufolge Kursschwankungen größer. Es bestehen tatsächlich spürbare Unterschiede von Land zu Land, sogar große. Untersuchungen von Aktienfonds zwischen 1991 bis 2011 belegen das. „Die Geduld von Investoren ist auch eine Frage von Vertrauen“, meinte Hens. Laut ihm kann die Studie Fondsgesellschaften bei ihrer Strategie helfen: Welcher Fondstyp eignet sich für welche Region am besten?

Finanzbranche und Geschlechtergleichheit

Ein Panel, das der Südafrikaner Revel Wood leitete, seines Zeichens Geschäftsführer von FundRock Management, widmete sich auf der Alfi-Konferenz dem Thema Geschlechtergleichheit und Diversität im Asset Management. Denn dort, wie insgesamt in Vorstandsetagen, sind Frauen unterrepräsentiert.

Ein bisschen ist da Norwegen eine Ausnahme: Denn dort sind bereits 40 Prozent der Manager im Fondssektor Frauen. Eine davon, Alexandra Morris, CIO von Skagen Fonds, wusste davon zu berichten, dass in skandinavischen Ländern großzügige Möglichkeiten für Elternurlaub bestehen, ein System, das sie europaweit für empfehlenswert hält.

Lorraine Rodrigues, von Fidelity International hält Quoten für das Falsche. „Ziele statt Quoten würden eher helfen“, sagte sie. Guter Wille allein reiche aber nicht, das Ziel zu erreichen müsse strategisch angegangen werden. „Wir wollen, dass sich mehr Frauen bei uns bewerben, auch für die Bereiche Sales und Technology“, sagte sie. Das Thema Geschlechtergleichheit hat ihrer Meinung nach auch viel damit zu tun, wie wir unsere Kinder erziehen. Auch da seien Veränderungen nötig.

„Blackrock will bei seinen Mitarbeitern Diversität, ein Anteil von 50 zu 50 von Frauen und Männern wäre das Ziel“, sagte Alexandra Haggard, Managing Director des Vermögensverwalters. Diversität spiele auch eine zunehmende Rolle dabei, in welche Firmen Blackrock investiere. Insgesamt werde die Finanzbranche falsch wahrgenommen, „denn wir leisten auch einen sozial wertvollen Beitrag“, erklärte sie. Und Alexandra Morris ergänzte: „Wir möchten keine jungen Gordon Gekko-Typen.“ Lou Kiesch, Partner des Beratungsunternehmens Deloitte und Experte für Beratung hinsichtlich Regulierungen stimmte dem bei: „Und wir Männer genausowenig.“ Zu tun gibt es dennoch genug. Revel Wood verwies auf einen Artikel in der Financial Times vom Wochenende, der davon berichtete, dass Frauen in britischen Vermögensverwaltern 70 Prozent weniger Boni erhalten als ihre männlichen Kollegen.

Bei einer Befragung unter den Zuschauern der Gesprächsrunde gestern meinten 88 Prozent, die Geschlechter-Situation habe sich in den letzten Jahren verbessert. Auch hier ein Wahrnehmungsproblem, so Morris: „Denn die Zahl der Frauen in der Finanzbranche hat seit der Finanzkrise gar nicht zugenommen.“