LUXEMBURG
MONIQUE GOYENS

Der Europäische Verbraucherschutzverband BEUC hat jüngst in einem Report die vielen Tricks aufgezeigt, mit denen Lebensmittelhersteller Verbraucher in die Irre führen. BEUC-Generaldirektorin Monique Goyens sieht sowohl die Lebensmittelhersteller selbst als auch den Gesetzgeber in der Pflicht.

„Das Leben ist heutzutage sehr hektisch für Verbraucher, die sich mit vielen verschiedenen Herausforderungen des Lebens auseinandersetzen müssen. Niemand verbringt mehr Zeit im Geschäft als unbedingt nötig und gehetzte Kunden treffen Kaufentscheidungen innerhalb von Sekunden. Darum sollte Kennzeichnung auf Lebensmitteln und Getränken schnell und genau die nötigen Informationen auf einen Blick bereit halten.

Laut EU-Gesetz darf Lebensmittelkennzeichnung ,Verbraucher nicht irreführen‘. Hersteller nutzen die Grauzonen des Gesetzes, um ihre Produkte qualitativ besser darzustellen als sie tatsächlich sind. Unsere Mitgliedsverbände, nationale Verbraucherschutzorganisationen, haben drei typische, weitverbreitete Marketingtricks aufgedeckt:

› Darstellungen von Früchten auf der Verpackung, die nicht dem tatsächlichen Fruchtanteil entsprechen

› die Verwendung von Beschreibungen wie ,handwerklich‘, ,natürlich‘ oder ,traditionell‘ für Produkte, die industriell hergestellt werden

› Produkte, die als ‚Vollkorn‘ gekennzeichnet werden, obwohl der Vollkornanteil sehr gering ist

,Milchgetränke aus roten Früchten‘, die nur 0,03% rotes Obst enthalten oder Vollkornplätzchen, die hauptsächlich aus raffiniertem Mehl bestehen oder sogar Zucker beinhalten - kein Wunder, wenn das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittellabel eher gering ist. Auch wenn faktische Informationen zu den Inhaltsstoffen laut Gesetz verplichtet sind, befinden diese sich oft ausschließlich auf der Rückseite der Verpackung, in kleiner, für viele Verbraucher unleserlicher Buchstabengröße. Das bedeutet, dass Verbraucher auf sich gestellt sind, wenn es darum geht, den Wahrheitsgehalt der attraktiven Werbebeschreibung auf der Vorderseite der Verpackung zu überprüfen. Das ist unfair.

Käufer sollten sich darauf verlassen können, dass das Etikett eine ehrliche Wiedergabe des Inhalts ist. Gerade wenn unser Vollkorn- und Obstkonsum weit unter dem empfohlenen Niveau liegt, sollte es dem Verbraucher einfacher gemacht werden, die gesunde Wahl zu treffen. Das heißt, wenn Produkte so präsentiert werden, als ob sie viel Obst oder Vollkorn enthielten, diese Erwartungen auch erfüllt werden müssen.

Unsere Forderung ist, dass Lebensmittelhersteller ehrlicher über ihre Produkte kommunizieren und wir erwarten vom Gesetzgeber, dass er Mindestmengen von Obst und Vollkorn festlegt, bevor Lebensmittel auf der Vorderseite der Verpackung damit beworben werden dürfen. Außerdem sollte der Anteil der beworbenen Inhaltsstoffe auf der Vorderseite angegeben werden müssen. Zum Schluss brauchen wir Definitionen für Begriffe wie ,handwerklich‘, ,traditionell‘ und ,natürlich‘.

Es ist dringend notwendig, dass der EU-Gesetzgeber ein Rezept gegen solche irreführenden Praktiken findet und die Mitgliedsstaaten müssen mehr investieren, um dafür zu sorgen, dass die Regeln eingehalten werden.“