LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Bei den Golden Globes gab es zwei Preise für das Kriegsdrama „1917“

Der britische Regisseur Sam Mendes hat die unterschiedlichsten Filme gedreht. Mit dem Drama „American Beauty“ gelang ihm 1999 der internationale Durchbruch, der Film gewann fünf Oscars, unter anderem den des besten Films und des besten Regisseurs. Es folgten der Krimi „Road to Perdition“ (2002), der Kriegsfilm „Jarhead“ (2005) und die beiden James-Bond-Filme „Skyfall“ (2012) und „Spectre“ (2015). Sein neuer Film „1917“, für den er zusammen mit Krysty Wilson-Cairns das Drehbuch verfasste, basiert auf Geschichten, die ihm sein Großvater aus dem Ersten Weltkrieg erzählte. Mit seinem Werk wollt er den kämpfenden Soldaten und den unzähligen Toten gedenken. Der Film gewann in der Nacht auf Montag in Beverly Hills den Golden Globe als bestes Filmdrama und Mendes seinen zweiten Globe als bester Regisseur nach „American Beauty“.

Virtuoser Kameratrip

6. April 1917 im Norden Frankreichs. Auf einer Wiese schlafen die beiden britischen Korporale Tom Blake (Dean-Charles Chapman) und Will Schofield (George MacKay). Ein Vorgesetzter weckt Blake. General Erinmore (Colin Firth) beauftragt ihn, zusammen mit Schofield zum Devons-Regiment unter Leitung von Colonel MacKenzie (Benedict Cumberbatch) durchzubrechen, um dem Kommandeur den schriftlichen Befehl zu übergeben, auf keinen Fall die Deutschen anzugreifen, da sie in eine Falle tappen würden. In diesem Regiment dient auch Blakes Bruder Joseph (Richard Madden).

Somit beginnt der Trip der beiden Soldaten durch die englischen Schützengräben, begleitet von der Kamera von Oscargewinner Roger Deakins (Blade Runner 2049), die sie mal von hinten filmt, mal von vorne, stets in scharfen und wackelfreien Bildern. Somit entsteht ein virtuoses Bild der Zustände in den Gräben, wo die Soldaten auf ihren Einsatz wartend dahinvegetieren, sowie von den Kriegsschauplätzen, welche die Deutschen verlassen haben. Blake und Schofield bleibt nicht viel Zeit, das Regiment in der Nähe von Croisilles im Pas-de-Calais zu erreichen. Aber ihr Weg ist nicht der einfachste.

Einzigartige Spannung

Aufgrund dieser Travellings durch die Schützengräben, über die Schlachtfelder, durch eine Tunnelanlage der Deutschen oder durch die zerbombte Stadt Ecoust entsteht eine einzigartige Spannung, wie man sie selten zuvor im Kino erlebt hat. Als Zuschauer fragt man sich permanent, ob alles gut ausgehen wird und erlebt die unglaublichsten Überraschungen, mal witzig, mal blutig, mal nervenzerreißend. Den beiden Hauptakteuren sieht man ihre Angst an, aus der sie den letzten Mut schöpfen, um ihre Kameraden vor dem sicheren Tod zu bewahren. So werden ein paar hoffnungsvolle Momente durch brutale Kriegsaktionen jäh zerstört. Krieg ist eben kein Zuckerschlecken. „1917“ ist ein äußerst originell in Szene gesetztes Kriegsdrama, das man nicht verpassen sollte. Die Dreharbeiten begannen im April 2019 in England und Schottland. Ein bedeutender Drehplatz waren die Govan Graving Docks in Glasgow. Andere Schauplätze entstanden auf der Festplatte. Ein Unterschied zur Realität ist nicht festzustellen. Der Film wurde von Dreamworks mitproduziert, der Firma von Steven Spielberg, Jeffrey Katzenberg und David Geffen.