LUXEMBURG
INGO ZWANK/DPA

Nicht beeinflussbar, doch mithilfe der Wetterstationen kann man Maßnahmen treffen

Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben. Präsident Joachim Rukwied appellierte an die Politik, betroffene Betriebe finanziell zu unterstützen. „Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen“, sagte er der Funke-Mediengruppe. Betriebe, deren Erträge um mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegen, müssten direkte Hilfen erhalten. Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte, sie sei „sehr besorgt über die Auswirkungen der Dürre, unter der viele Bauern vor allem im Norden und im Osten Deutschlands leiden müssen“.

Heute wollen Vertreter von Bund und Ländern über Konsequenzen der Hitzeperiode sprechen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Schäden. Nach Darstellung Klöckners ist das Bild uneinheitlich: Während etwa Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen dürften (wie übrigens in Luxemburg auch, hier sei man drei Wochen früher dran; der immer frühere Lesebeginn ist nach Experten ein Indiz für den Klimawandel), treibe manche Landwirte die Sorge um ihr wirtschaftliches Überleben um...

32 Wetterstationen im Dienst

Wie ist die Lage in Luxemburg? Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) und der Chef des Meteorologischen Dienstes, Dr. Andrew Ferrone, beschrieben gestern den aktuellen Stand der Trockenheit in Luxemburg. An einem Ort, der auch für die Landwirtschaft von Bedeutung ist, nämlich der Wetterstation in Merl. Der erste staatliche Wetterdienst wurde 1907 ins Leben gerufen - mit 17 Stationen. Heute sind es 32. Damals seien es hauptsächlich Freiwillige gewesen, die einmal die Woche die Informationen einreichten.

„Heute werden alle zehn Minuten die Daten aktualisiert“, sagt Etgen. „Vor allem, damit man auch den Landwirten präzise Informationen übermitteln kann.“ Denn nach einem niederschlagsreichen Winter kam nun ein recht trockener Sommer.

Ernteeinbrüche werden auch hierzulande die Folge sein. Die Böden sind ausgetrocknet, „was sich nach den heißen Tagen der letzten Woche noch verschlimmerte“, sagte Etgen.

Doch die ganzen Auswirkungen könne man erst nach der Ernte wirklich überblicken. Schäden in Höhe von einer halben Million Euro werden aktuell geschätzt, so Etgen, „dies sind aber solche aus den Unwettern vom Juni.“

„Auch wenn wir das Wetter so nehmen müssen, wie es kommt, so ist es doch wichtig, dass man die richtigen Entscheidungen trifft“, sagte Etgen - und dies mithilfe der Wetterdaten der Stationen, denn die Daten werden auch genutzt, um versicherungstechnische Aspekte zu berücksichtigen. Ferrone ging auf die schlimmen Unwetter von Anfang Juni ein mit den bekannten Rekordwerten. „Doch seither ist leider nichts mehr gefallen“, sagte Ferrone. Nach den offiziellen Daten ist es nach den erfolgten Berechnungen „aktuell zu trocken“.

Versicherungstechnische Aspekte

An den 32 automatischen Stationen werden Luftfeuchtigkeit und Niederschlag und teilweise auch Luftdruck gemessen. „Sie übermitteln alles automatisch, wir müssen weiter nichts machen. Mit einer leichten Verzögerung kommen die Daten dann auch online“, wie Ferrone präzisiert.

Aber auch die landwirtschaftlichen Modelle sind sehr wichtig. Bei manchen Modellen werden auch die Möglichkeiten von Krankheiten analysiert. „Dort werden aber dann Vor-Ort-Termine durchgeführt, um wirklich zu schauen, wie es mit den Krankheiten aussieht.“

Daher sei es sehr wichtig, dass auch die Daten zu versicherungstechnischen Aspekten genutzt werden können. Stichwort: Grünlandversicherung im Hinblick auf Trockenheit. „Es wird geschaut, wie das Wetter war, und nicht, ob ein bestimmter Schaden vorliegt. 2017 wurden auch schon entsprechende Schäden ersetzt“, sagte Etgen, eben basierend auf den Daten der Wetterstationen.

Jede Station wird einmal im Monat kontrolliert. Und es werden Investitionen getätigt. So wurden teilweise neue Regenmesser und auch Thermometer installiert. „Aber auch die Datenverarbeitung soll für langfristige Bewertungen verbessert werden.“

Neue Kulturen, neue Arten

Das ist nötig, denn „es ist auch wichtig, sich auf der internationalen Bühne entsprechend auszutauschen“, sagte Ferrone. Bereits 1953 ist Luxemburg der WMO, der Weltorganisation für Meteorologie, beigetreten.

So sehen die Experten hier auch die Einführung neuer Sorten und Kulturen als wichtig an. Beispielsweise von Soja. Mit dem höchsten Rohproteinanteil von etwa 40 Prozent gegenüber anderen Eiweißpflanzen und einer sehr hohen biologischen Wertigkeit aufgrund idealer Aminosäurezusammensetzung ist sie eine wertvolle Körnerleguminose.

Die Vielzahl an positiven Eigenschaften mache Soja nicht nur für den Einsatz in der biologischen Landwirtschaft interessant. Denn Dank neuen Züchtungen wächst sie längst nicht mehr nur in wärmeoptimalen Lagen. Daher ist Soja auch sehr Luxemburg recht interessant.