LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS MIT DPA

Luxemburgische Bauern sollen gerade einmal 700.000 Euro EU-Hilfe bekommen

Am Montag hatte eine Reihe von verzweifelten Bauern bereits die EU-Agrarminister in Kalborn blockiert, die sich dort berichten lassen wollten, wie die Bauern Hanf oder Honig gemeinsam vermarkten wollen; gestern nun setzten sie - in erster Linie wütende Bauern aus Belgien und den Niederlanden - erst den Grenzübergang in Sterpenich mit ihren Traktoren zu, ehe sie auf den Kirchberg fuhren, wo die EU-Landwirtschaftsminister tagten. In ihrer Wut verspritzten sie rund 12.000 Liter Milch und warfen mit Eiern; der luxemburgische Verband LDB distanzierte sich indes von der Aktion.

Derweil draußen demonstriert wurde, wurde drinnen über die Details des 500 Millionen Euro teuren Hilfsprogramm der EU-Kommission diskutiert, von dem der größte Teil, nämlich 420 Millionen, direkt auf die Mitgliedstaaten verteilt werden soll.

Deutsche Landwirte bekommen den Löwenanteil

Luxemburg wird aus dem EU-Hilfe-Topf nur 700.000 Euro bekommen; der Löwenanteil - 69,2 Millionen - geht an die deutschen Landwirte. Die zweitgrößte Summe soll mit 62,9 Millionen Euro an Frankreich fließen, auf Platz drei folgt Großbritannien mit 36,1 Millionen Euro. Der Großteil des Geldes wird je nach Umfang der Milchproduktion im Vorjahr an die Staaten verteilt, ein Fünftel des Geldes wird auf Grundlage anderer Faktoren an die Hauptstädte gegeben. Dabei spielen die Höhe des Milchpreises, die Höhe des Preises für Schweinefleisch und das russische Einfuhrverbot für viele Lebensmittel sowie die Auswirkungen der Dürreperiode in diesem Sommer eine Rolle. Ohnehin geplante EU-Zuschüsse für die Betriebe sollen nun früher fließen als gewöhnlich, und zwar zum Teil schon ab Mitte Oktober. Das Paket soll dazu führen, „dass Geld noch 2015 in die Taschen der Bauern gelangt“, erklärte EU-Agrarkommissar Phil Hogan.

Die nationalen Regierungen können das Geld flexibel unter den betroffenen Gruppen in ihrem Land verteilen, also zum Beispiel mehr oder weniger Geld an Milchbauern oder Schweinezüchter geben. Sie dürfen mit den Mitteln aber nur Betriebe aus dem Milchsektor, der Schweinefleisch-Branche oder von Dürre betroffene Landwirte unterstützen. Auch Landwirte, die unter dem russischen Einfuhrverbot für viele westliche Lebensmittel leiden, können Geld erhalten. 80 Millionen Euro aus dem 500-Millionen-Paket sollen nicht direkt an Landwirte fließen, sondern zum Beispiel in Programme, die das Angebot durch vorübergehende Einlagerung von Waren verknappen - dies soll helfen, die Preise zu stabilisieren. Zusätzliches Geld gibt es für die Exportförderung. Im November wollen die Minister eine erste Bilanz der Maßnahmen ziehen.

Am nächsten Montag wird Landwirtschaftsminister Fernand Etgen indes die luxemburgischen Bauernverbände treffen, um mit diesen über spezifische Maßnahmen für Luxemburg zu sprechen.

Im Regen stehen lassen will der Minister jedenfalls keinen...