NIC. DICKEN

In letzter Zeit hat die öffentliche Auseinandersetzung um den durch gravierende Indizien deutlich belegten Klimawandel eine starke Eigendynamik entwickelt, von der sich immer mehr Menschen betroffen fühlen. Eine wachsende Zahl alarmierender Feststellungen und Erkenntnissen belegt die Ernsthaftigkeit des Problems, von dem allerdings gleichzeitig auch eine beträchtliche Zahl von Menschen nach wie vor behaupten, hier würde lediglich Panik veranstaltet und das Phänomen des Klimawandels diene allenfalls dazu, der Menschheit die Freude am Leben und Genießen zu vergällen.

Wissenschaftliche Forschungen im Zusammenhang mit der Erdgeschichte belegen zweifelsfrei, dass es in den zurückliegenden Jahrmilliarden immer wieder starke Veränderungen gegeben hat, die einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensbedingungen hatten.

Diese veränderten sich, vorwiegend aufgrund von Naturphänomenen in mehr oder weniger drastischen Ausmaßen, die bisweilen auch eine existentielle Bedrohung für das Leben auf dem Planeten darstellten. Dramatisch ist deshalb auch weniger der Tatbestand des aktuellen Klimawandels an sich, den es immer schon gegeben hat, sondern vielmehr die Art und Weise sowie die Dynamik, mit der sich die klimatischen Bedingungen verändern.

Die Domestizierung der natürlichen Lebensräume hat in den letzten Jahrzehnten Dimensionen angenommen, die schlichtweg als unzumutbar eingestuft werden müssen. Der rasante Anstieg der Bevölkerungszahlen hat den Druck auf die Nahrungsversorgung enorm gesteigert, der wiederum seinen Niederschlag im Raubbau an natürlichen Ressourcen gefunden hat, wo der Begriff der Nachhaltigkeit als ultima ratio erst in den letzten Jahren seinen Einzug gehalten hat. Die wesentliche Lebensregel der alten Römer - sit modus in rebus (es sei ein Maß in den Dingen) - gilt schon längst nicht mehr, erlaubt ist, was gefällt und was man, notfalls mit immer mehr Geld, kaufen kann.

Unsere letzten Generationen haben sich nicht etwa wie zeitweilige Gäste auf der Erde benommen, sondern weitgehend wie rücksichts- und verantwortungslose Raubritter. Die von den Menschen verursachten klimatischen Veränderungen, die wir heute feststellen müssen, haben ihren Ursprung schon Jahrzehnte zurück in der Vergangenheit.

Die Frage ist berechtigt, ob es für einen wirksamen Einsatz gegen die Eigendynamik der Klimaveränderung nicht längst schon zu spät ist. Immerhin, wie beim Tanker auf offener See, muss erst die Entwicklungsgeschwindigkeit ausgebremst werden, um die nötige Wende vollziehen zu können.

Davon sind wir allerdings noch sehr weit entfernt, zumal es uns als „zivilisiertem Teil der Welt“ schlecht zu Gesicht stehen würde, den Hunger in den Entwicklungsländern nach Energie, Nahrung und Komfort zusammen mit unserem eigenen Anspruchsdenken mit einem Schlag einzufrieren.

Für die Folgen werden wir alle gemeinsam einstehen müssen, wobei zumindest dann alle ihre Verantwortung werden übernehmen müssen. Die Bereitschaft dazu hält sich in Grenzen.