PARIS/LUXEMBURG
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Moody’s senkt Daumen über Frankreich

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs gesenkt. Die Bonitätsnote der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone werde von „Aa1“ auf „Aa2“ abgestuft, teilte Moody’s am Freitagabend mit. Ein Wermutstropfen: Der Ausblick sei nun stabil. Als Grund für die Senkung um eine Stufe auf die dritthöchste Bonitätsnote gab die Ratingagentur an, die Wachstumsaussichten des unter Reformdruck stehenden Landes seien schwach und würden sich für den Rest des Jahrzehnts nicht verbessern. Diese schlechte Wachstumsprognose und der Reformstau seien mit Blick auf die hohen Staatsschulden eine Herausforderung, hieß es zur Begründung. Frankreich kämpft seit längerem mit stagnierendem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte Frankreich bereits früher auf die drittbeste Note „AA“ herabstuft und dieses Votum im Juni bestätigt. Der Ausblick ist hier sogar negativ. Die Ratingagentur Fitch gibt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone aktuell auch ihre drittbeste Note „AA“ mit stabilem Ausblick. Am Rating orientieren sich bei ihrer Kreditvergabe Banken wie auch institutionelle Investoren. Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen also für Frankreich, was die Erholungsbemühungen von Paris zusätzlich erschwert.

Verlorenes Jahrzehnt

Moody’s geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Schwäche bis Ende des Jahrzehnts anhalten wird. Als Reaktion erklärte nach Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP Finanzminister Michel Sapin, Frankreich werde die Reformbemühungen vorantreiben, um Wachstum und Beschäftigung zu fördern.

Moody’s bemängelt auch, die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft. Die Gewinnmargen der Unternehmen seien vergleichsweise gering. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zweiten Quartal stagnierte, nachdem es zu Jahresbeginn noch um 0,7 gewachsen war. Der Internationale Währungsfonds mahnte darum Frankreich zu Tempo bei Reformvorhaben.

Die Agentur bemängelt die „Starrheiten“, durch die sich Frankreichs Wirtschaft aufzeichnet. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hatte kürzlich die Debatte über die Arbeitszeit in Frankreich angestoßen, indem er 35 Stunden kritisiert, was in Frankreich zu heftigen Reaktionen führte. Laut französischer Statistikbehörde INSEE betrug die Arbeitslosenquote Ende letztes Jahr 10,3 Prozent - bei unter 25-Jährigen sogar rund 25 Prozent. Vor allem auch der Prozentsatz der Langzeitarbeitslosen ist sehr hoch. Ministerpräsident Manuel Valls hat darum vor kurzem eine Vereinfachung des Arbeitsrechts angekündigt, um die Arbeitslosigkeit einzudämmen. Nach Angaben von Eurostat ist im Juli (letzte verfügbare Daten) die Arbeitslosenquote erneut von 10,3 Prozent auf 10,4 Prozent gestiegen. Parallel stieg die Staatsschuld zum Ende des ersten Vierteljahres auf 2.089,4 Milliarden Euro, das sind. 97,5 Prozent von Frankreichs Wirtschaftskraft.

Wieder Maastricht-Grenze verfehlt

Nachdem das Land schon mehrfach die Euro-Defizitziele verfehlt hat, erhielt im März die französische Regierung erneut zwei Jahre mehr Zeit, um die Neuverschuldung unter die Maastricht-Grenzmarke von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts zu drücken. Für das laufende Jahr erwartet Paris ein Haushaltsdefizit von 3,8 Prozent des BIP und peilt für kommendes Jahr 3,3 Prozent an, ehe es 2017 wieder im erlaubten Rahmen sein soll. In diesem Jahr rechnet die Regierung mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent, das auf 1,5 Prozent im nächsten Jahr anziehen soll.

Wichtigster Exportmarkt für Frankreich ist Deutschland, während die USA Frankreich als den wichtigsten Exportmarkt für deutsche Unternehmen eingeholt hat. Nach Deutschland ist Frankreich auch wichtigster Handelspartner Luxemburgs.