LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Ein geheimnisvoller Spiegel verwirrt die Sinne in „Oculus“

Im Jahre 2006 drehte Mike Flanagan den Kurzfilm „Oculus: Chapter 3 - The Man with the Plan“. 2012 begann er, einen abendfüllenden Spielfilm aus der Kurzgeschichte anzufertigen. Der Film „Oculus“ wurde im September 2013 beim Filmfestival in Toronto uraufgeführt, kam aber erst im April dieses Jahres in die amerikanischen Kinos und ist jetzt in Europa zu sehen.

Die Frau im Spiegel

Zehn Jahre wurde Tim (Brenton Thwaites) wegen eines Traumas in einer psychiatrischen Anstalt behandelt. Im Alter von elf Jahren hat der junge Tim (Garrett Ryan) seinen Vater Alan (Rory Cochrane) erschossen. Nun gilt er als geheilt und wird entlassen. Seine Schwester Kaylie (Karen Gillan) holt ihn ab und erzählt ihm, dass sie beweisen kann, dass damals eine übernatürliche Kraft aus dem Spiegel im Büro des Vaters an allem Schuld war. Mit ihrem Freund Michael (James Lafferty) hat sie lange Zeit gebraucht, um diesen geheimnisvollen Spiegel zu finden. Die Geschwister kehren in ihr Elternhaus zurück, das Kaylie mit Kameras und Computern ausstaffiert hat, um alle paranormalen Ereignisse zu dokumentieren. Erinnerungen an die Zeit vor zehn Jahren werden wach und vermischen sich mit der Realität. So sieht sich Kaylie als junges Mädchen (Annalise Basso), das mit ihrem Bruder spielt. Ihre Mutter Marie (Kate Sackhoff) sorgt sich liebevoll um ihre Familie, bis der Vater immer mehr dem Willen des Geistes einer Frau aus dem Spiegel verfällt und an dem fatalen Tag seine Frau tötet.

Spiel mit den Sinnen

Nichts ist so, wie man es sieht! So kann man den Film von Flanagan resümieren. In einer Einstellung reden z. B. die Geschwister im Flur, entdecken dann auf den Aufnahmen, dass sie die Kameras verstellt haben, oder aber Kaylie sieht auf dem Bildschirm ihres Handys nichts, während jedoch auf dem Boden Scherben liegen. Regisseur Flanagan gelingt es mit diesem Spiel mit den Sinnen, den Zuschauer zu verwirren, ihn zu überraschen oder ihm gar leichte Schauder zu entlocken, z. B. durch das Auftauchen der Frau aus dem Spiegel mit ihren leuchtenden Augen. Leider wird aber deren Schicksal nicht geklärt, sondern nur die Historie des Spiegels. Somit hätte der Regisseur gänzlich auf diese Figur verzichten und sich exklusiv mit dem suggestiven Gruseleffekt begnügen können. Wirklich gruselig ist „Oculus“ nicht, allerdings nicht uninteressant wegen der Mixtur der Bilder aus Erinnerungen und Wirklichkeit.

Trivia: Regisseur Flanagan kam in Salem, Massachuchetts, auf die Welt, jener Stadt, die durch die Hexenprozesse im Jahr 1692 bekannt wurde. Der Spiegel gehörte laut Kaylie zuerst der Levesque Familie, also der Familie vom Wrestler Tripel H. Dieser zerbrach den Spiegel bei Wrestlemania 25. Auch die Wrestler Undertaker und Bray zerschlugen den Spiegel auf ihren Gegnern, Randy Orton, respektiv John Cena.