WASHINGTON
AP

Donald Trump hat die letzte Hürde auf dem Weg ins Weiße Haus genommen. Am Montag (Ortszeit) wählte ihn das sogenannte Electoral College zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Republikaner kam auf 304 Stimmen im Wahlgremium und übertraf damit die nötige Mindestzahl von 270, seine unterlegene demokratische Rivalin Hillary Clinton kam auf 227. Ein von Trumps Gegnern erhoffter Eklat blieb also aus: Im Vorfeld hatten Aktivisten massiven Druck auf republikanische Wahlleute ausgeübt, nicht für Trump zu votieren. Die Vereidigung des 45. Präsidenten ist für den 20. Januar geplant.

„Wir haben es geschafft!“, twitterte Trump am Abend. „Danke an alle meine großartigen Unterstützer, wir haben eben offiziell die Wahl gewonnen - (trotz den ganzen verzerrten und falschen Medien).“ Später zeigte sich Trump versöhnlicher. „Mit diesem historischen Schritt können wir einer breiten Zukunft entgegenblicken. Ich will hart daran arbeiten, unser Land zu einen und der Präsident aller Amerikaner zu sein“, hieß es in einer Stellungnahme.

Im 538 Mitglieder umfassenden Wahlgremium werden die Stimmen traditionell gemäß der Wahlergebnisse in den einzelnen US-Staaten verteilt. Der Sieger bekommt alles, auch bei äußerst knappen Resultaten. Das machte es möglich, dass am Ende nicht der gewann, der landesweit die meisten Wähler hinter sich gebracht hatte - wie in diesem Fall die Demokratin Hillary Clinton, die mit mehr als 2,8 Millionen Stimmen für Trump führte. Dieser holte bei der Wahl am 8. November aber genügend Staaten, um auf 306 Stimmen im Electoral College zu kommen.

Es gibt kein Gesetz, dass einen Wahlmann oder eine Wahlfrau zu einem Votum für einen in ihrem Staat siegreichen Kandidaten verpflichtet. Allerdings haben einige einzelne Staaten entsprechende Vorgaben, die jedoch selten verletzt werden.

Einige Demokraten argumentierten, dass das System des Electoral College undemokratisch sei, weil es bevölkerungsärmeren Staaten mehr politisches Gewicht gebe.

Dieser Umstand sowie Trumps polarisierende Kampagne schlugen sich in groß angelegten Initiativen enttäuschter Bürger nieder, die Trump in letzter Minute verhindern wollten. Viele republikanischen Wahlleute wurden massiv per E-Mails, Telefonate und Briefe bestürmt, in ihrem Stimmverhalten vom Wahlausgang in ihren Staaten abzuweichen. In Hauptstädten von US-Staaten kamen am Montag Tausende Protestler zusammen. Vor dem Kapitol in Pennsylvania skandierten mehr als 200 Demonstranten bei eiskalten Temperaturen: „Kein Trump, kein Ku-Klux-Klan, keine faschistische USA!“

Das Wahlprozedere verlief indes weitgehend traditionell. In allen Staaten, die an die Republikaner gingen, scherten aber zwei Wahlleute aus: Eine Person votierte für den im Vorwahlkampf gescheiterten Präsidentschaftskandidaten John Kasich und eine andere für Ron Paul, der sich früher erfolglos um die Präsidentschaftsnominierung bemüht hatte.

Ohios Gouverneur Kasich, einer der erbittersten Gegner Trumps, warb nun dafür, sich hinter den künftigen Präsidenten zu scharen. „Wir wollen Einheit, wir wollen Liebe“, erklärte er während der Zeremonie zur Stimmenabgabe im Kapitol des US-Staats.