COLETTE MART

„Für die Frauen“ hieß ein in den siebziger Jahren veröffentlichtes engagiertes Buch der Luxemburger Feministin Nelly Moia, die in dieser Zeit den Mut hatte, weibliche Tabuthemen anzusprechen. Sie trug mit ihren Artikeln zu einer Sensibilisierung der Luxemburger Öffentlichkeit für die Anliegen der Emanzipation weltweit bei, und letztere schritt schlussendlich in unserem Land über die Jahre langsam aber sicher voran.

Jahrzehnte später, nachdem sich in den meisten Ländern der Welt Fortschritte im Bereich der Rechte der Frauen verzeichnen, scheint sich das Rad der Zeit zurückzudrehen, denn Donald Trump macht mit seiner viel kritisierten Frauenfeindlichkeit ernst.

Hier und jetzt also, wo die Weltöffentlichkeit sich ernsthaft Gedanken über eine Mauer zwischen Mexiko und Amerika, über neue Formen des Protektionismus, über die offizielle Wiedereinführung der Folter sowie über die Manipulation der Medien in Amerika machen muss, erließ Trump ein Dekret, nachdem internationale Organisationen nicht mehr von Amerika unterstützt werden, wenn sie Abtreibung, sowie Abtreibungsberatung im Bereich der Familienplanung anbieten.

Hiermit reiht sich Trump in die Reihe seiner republikanischen Vorgänger ein, die die gleichen politischen Initiativen ergriffen, und womit die Welt, und mit ihr die Entwicklungshilfe, in den Rückschritt gezwungen und zehntausende Frauen jedes Jahr Gefahr laufen werden, an den Folgen illegaler Abtreibungen zu sterben. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation werden nämlich jährlich 21,5 Millionen Abtreibungen unter unsicheren Bedingungen durchgeführt. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr mindestens 47.000 Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen sterben. Etwa die Hälfte aller Abtreibungen in der Welt finden in unsicheren Bedingungen statt, und fast alle gefährlichen Abtreibungen werden in den Entwicklungsländern praktiziert. Im Jahr 2008 zum Beispiel fanden sechs Millionen Abtreibungen in den Industrienationen statt, gegen 38 Millionen in den Entwicklungsländern. Die niedrigsten Abtreibungsraten sind in jenen Ländern zu finden, in denen der Schwangerschaftsabbruch erlaubt ist. Die Sterberate bei Abtreibungen ist darüber hinaus in Afrika 800 Mal höher als in Amerika. Das Trump-Dekret zur Streichung finanzieller Mittel für Hilfsorganisationen riskiert also, weltweit viele Frauen dem Sterberisiko auszusetzen, und dies durch einen Mann, der gerne öffentlich darüber redet, wie Männer sich benehmen sollen, damit Frauen sie „ranlassen“.

Die Frauenwelt reagierte. In den Niederlanden will die Entwicklungshilfeministerin Lilianne Ploumen einen internationalen Fonds für sichere Schwangerschaftsabbrüche einrichten, und sie hofft auf die Unterstützung und die Solidarität anderer Regierungen und Unternehmen.

Dies ist ein mutiger Schritt, und es ist absolut zu begrüßen, dass auch Luxemburg bei solchen Initiativen mithilft, die Trumps Frauenverachtung etwas entgegen setzen. In diesem Kontext sei daran erinnert, dass Trump während seines Wahlkampfs sogar einmal die Meinung ausgesprochen hatte, Frauen müssten für eine Abtreibung bestraft werden. Es bleibt hier und jetzt nur zu hoffen, dass sich Frauen weltweit solidarisieren und Widerstand leisten.